Terminal 1 vom Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER).   Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Berliner und der BER. Bislang war das ein kompliziertes Verhältnis, um es freundlich zu formulieren. Wie es sich entwickelt, wenn der Flughafen in Betrieb ist, dürfte spannend zu beobachten sein. Jahrelang rief das Projekt Scham und Ärger hervor.

Während manch einer nur zu gern in den Selbsthass einstimmte, dass Berlin offensichtlich keine Großprojekte hinbekommt, hatten andere auf BER-Witze bald keine Lust mehr. Es folgten Jahre, in denen sich kaum noch jemand für die Basteleien in Schönefeld interessierte.

Während der BER im Schatten versank, freuten sich die Menschen, dass sie weiterhin von Tegel aus fliegen durften. Geliebte Budenstadt TXL, Essenz von Berlin: abgeschabt, aber farbig. Überlastet und überfordert, aber mit guter Currywurst-Versorgung. Als einstiges

„Tor zur Freiheit“ mit Frontstadt-Erinnerungen aufgeladen. Tegel: in Beton gegossenes Überbleibsel einer anderen Zeit. Als noch keine Klimaschützer demonstrierten und auch Autofahren okay war (damals sogar ohne Gurtpflicht). Der BER im Osten – was sollen wir da? Wie kommen wir da hin?

Was bleibt? Die Lehre, dass Strukturen, die Kritik unterdrücken, die Selbstlügen und das Belügen anderer fördern, zum Scheitern verurteilt sind. Die bittere Erkenntnis, dass der Flughafen auf Jahre hinaus ein Kostgänger der Steuerzahler bleiben wird – allein im kommenden Jahr fällt der Finanzbedarf mehr als doppelt so hoch aus wie der Zuschuss für die S-Bahn Berlin, deren Nutzerzahl 30-mal so hoch ist.

Und dann ist da noch die Hoffnung, dass die Berliner den Flughafen akzeptieren. Am gestrigen Sonnabend um 20 Uhr, fünf Minuten vor der ersten kommerziellen Landung, wurde Terminal 1 geöffnet. Spätestens heute könnte es voll werden.