Das Riesenrad im Spreepark wird abgebaut. Nach bisheriger Planung soll es nach der dreijährigen Sanierung an seinem alten Standort wieder aufgebaut werden. Foto: dpa

Kaum ist es weg, bahnt sich Streit an. Es geht um das Riesenrad im Spreepark im Plänterwald, das im Januar abmontiert wurde. Befürchtungen werden laut, dass man plane, das aus DDR-Zeiten stammende Wahrzeichen nicht zu sanieren, sondern vielmehr durch ein neues Rad zu ersetzen. Bedenken, die der landeseigene Parkverwalter Grün GmbH nun versucht zu zerstreuen. „Wie geplant, werden wir 2024 das historische Riesenrad wieder aufstellen“, sagt Geschäftsführer Christoph Schmidt. „Um genauer zu untersuchen, in welchem Zustand die Einzelteile sind, werden sie demnächst sogar geröntgt.“

Diese Worte fallen bei einem Rundgang, bei dem am Montag Schmidt mit Mitarbeitern, dem Treptow-Köpenicker Bürgermeister Oliver Igel (SPD) und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Gerster durch das verschneite Areal stapft. Der Grün-Chef will zeigen, wie sich der Spreepark bis 2026 für 70 Millionen Euro in einen Kunst-, Kultur- und Naturpark verwandeln soll. Dass ein Bundestagsmitglied in der Runde ist, ist kein Zufall. Gerster soll im Haushaltsausschuss dafür werben, dass zwei Sanierungsprojekte des Parks durch ein Sonderprogramm des Bundes mit je drei Millionen Euro gefördert werden.

Geblieben ist dort, wo einst das Riesenrad stand, nur der Sockel. Foto: Gudath

Eines dieser Projekte ist das 45 Meter hohe Riesenrad. Das in Holland erbaute Fahrgeschäft ist bereits das zweite in der Geschichte des damaligen VEB Kulturpark Plänterwald. 1989 wurde es anlässlich des 40. Geburtstages der DDR aufgestellt. Seit 2001 war es nicht mehr in Betrieb, dann drohte es zu verfallen.

Nun soll das Riesenrad auch Wahrzeichen im neuen Spreepark werden. Für die geplante Sanierung, die vier Millionen Euro kosten soll, musste es abgebaut und zerlegt werden, so Grün-Geschäftsführer Schmidt. Nur so könne man es mittels mobilen Röntgen- und Ultraschallgeräten auf seinen Zustand untersuchen, bevor es an die Sanierung geht, erklärt eine Mitarbeiterin der Grün GmbH. Die Prüfung durch den TÜV und eine Fachfirma werde schon bald durchgeführt. Im April sollen die Ergebnisse vorliegen. Ab Juli soll sich ein Planer-Team aus Ingenieuren und Künstlern mit der Integration des Rades in die neue Parklandschaft befassen.

Bezirksbürgermeister Oliver Igel und Grün-GmbH-Chef Christoph Schmidt besuchten beim Rundgang die alte Spreepark-Werkstatt, in der noch einzelne Schwan-Boote stehen. Die Halle soll zu einer Veranstaltungshalle umgebaut werden, möglichst mit finanzieller Hilfe des Bundes. Foto: Sabine Gudath

Dennoch sorgen der Abbau und die Demontage für öffentliches Misstrauen. Bei den Berliner Linken, deren Abgeordnete Katalin Gennburg nun beim Senat gezielt schriftlich anfragte, ob anstelle des originalen Riesenrades nicht doch eher ein neues Rad geplant sei. So sei in den Planungsunterlagen vom Austausch der Gondeln sowie der Licht,- Antriebs- und Steuerungstechnik die Rede. Man müsse daher von einer überwiegenden Neukonstruktion ausgehen, so die Linke-Abgeordnete in ihrer Anfrage. In der Antwort der Senatsumweltverwaltung wird die verantwortliche Grün GmbH so zitiert: „Der Ankauf eines neuen Riesenrades ist nicht geplant.“

Auf dem Rundgang durch den Spreepark betont Geschäftsführer Schmidt, er halte an dem Original fest. „Das Riesenrad löst noch immer große Emotionen bei den Berlinern aus. Sie erinnern sich gerne an die Fahrten, an den herrlichen Ausblick auf die Stadt, den sie als Kind oder als Erwachsener von dem Riesenrad aus hatten“, sagt er. „Bei den Planungsrunden mit Bürgerbeteiligung wurde der Wunsch sehr deutlich, dass das Riesenrad aus DDR-Zeiten auch künftig im Park bleiben soll.“

Im neuen Glanz erstrahlt die Fassade vom „Eierhäuschen“, im Innern laufen noch die Sanierungsarbeiten. Die beliebte Gaststätte soll im Spreepark 2022 wieder eröffnet werden. Vier Räume in der oberen Etage sind als Künstler-Wohnungen und Werkstätten geplant. Foto:  Sabine Gudath

Unabhängig von dem Ergebnis der noch folgenden Untersuchung der Einzelteile habe bereits 2017 eine Überprüfung eine „generelle Sanierungsfähigkeit“ der 31 Jahre alten Konstruktion nachgewiesen, so die Grün GmbH. Nach der Sanierung soll das Riesenrad als Parkmittelpunkt optisch aufgewertet werden. Lichtinstallationen und eine Wasserfläche, in der sich das Rad spiegelt, sind geplant. Ebenfalls sollen die Kulissenbauten im Spreepark saniert und die beliebte Parkeisenbahn wieder belebt werden.

Mit der Sanierung des historischen Riesenrades und des Spreeparks würde nicht nur der Bezirk Treptow-Köpenick, sondern ganz Berlin ein wichtiges Ausflugsziel hinzugewinnen, so Bezirksbürgermeister Igel. „Ich denke, wir werden dafür auch die finanzielle Unterstützung des Bundes bekommen.“

Es geht nicht nur um die möglichen drei Millionen Euro für das Riesenrad. Die gleiche Summe sei im Rahmen des Sonderprogrammes auch für die Sanierung der alten Park-Werkhalle beim Bund beantragt, die zu einem Event-Zentrum umgebaut werden soll. Die Chancen stünden für beide Projekte nicht schlecht, sagt der Bundestagsabgeordnete Gerster am Ende des Spreepark-Rundganges. Doch das letzte Wort habe der Haushaltsausschuss des Bundestages. Die Entscheidungen sollen im Frühjahr fallen, so Gerster.