Ein Polizist trägt bei dem Polizeieinsatz im linken Hausprojekt in der Rigaerstraße 94 im Berliner Bezirk Friedrichshain schweres Gerät in das Haus.  dpa/Christoph Soeder

Immer neue Details werden aus dem Wohnprojekt „Rigaer 94“ bekannt. Bei den Durchsuchungen der Polizei in dem teilbesetzten Haus  in Berlin-Friedrichshain sind nicht nur bislang unbekannte Wohnungen, sondern auch ein Wanddurchbruch und ein Tunnelstück zum Nachbarhaus entdeckt worden. Im Keller sei die Polizei am Mittwoch auf Leitern und den Anfang eines unterirdischen Stollens gestoßen, sagte der Anwalt des Eigentümers, Alexander von Aretin, am Donnerstag der dpa. Dort sei bereits einige Meter in Richtung eines Nachbarhauses gegraben worden. Zu einem anderen Nachbarhaus sei eine Wand durchbrochen worden.

Die Polizei sprach am Donnerstag in einem Brief an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von einer „erheblichen Gefahr“. Das Einstiegsloch zu dem Tunnel im Vorderhaus sei drei bis vier Meter tief. Eine Leiter führe hinab, vom Boden aus zweige ein Tunnel in Richtung Rigaer Straße 93 ab, der nach mehreren Metern ende. „Die mit dieser Veränderung einhergehenden erheblichen Gefahren für Personen sind von staatlicher Seite nicht hinnehmbar.“ Die Bauaufsicht des Bezirks sei zuständig, das Problem zu beheben.

Geheimwohnungen bei Begehung nicht entdeckt

Aretin sagte, außerdem seien zwei neue provisorische Wohnungen in einem Keller und einem Dachgeschoss entdeckt worden, von denen bisher niemand etwas gewusst habe. „Das hat der Bezirk bei seiner Begehung alles nicht festgestellt.“ Er rechne nun damit, dass es zu Racheakten mit Zerstörungen aus der linksextremistischen Szene komme.

Die Polizei hatte den von Linksradikalen zum Teil besetzten Gebäudekomplex aus Vorderhaus, Seitenflügel und Hinterhaus am Mittwoch durchsucht und die Personalien von 26 Menschen in 24 Wohnungen festgestellt. Dazu waren rund 320 Einsatzkräfte angerückt. Es gab einen Durchsuchungsbeschluss eines Gerichts, um die Identitäten der Bewohner zu klären - das hatte der Eigentümer bei der Polizei beantragt. Aus dem Haus und vom Dach aus kommt es seit Jahren immer wieder zu Angriffen auf Polizei und Feuerwehr.

Nur wenige der Bewohner sind reguläre Mieter

Zu den bereits laufenden 14 Räumungsklagen kämen nun weitere hinzu, sagte von Aretin. In dem Haus seien auch Menschen als Einwohner gemeldet, die keine Mietverträge hätten. Von denen wollen man Nutzungsgebühren für Strom, Wasser und Müllabfuhr einfordern. Man gehe davon aus, dass nur wenige der insgesamt 30 Wohnungen tatsächlich von Mietern bewohnt würden. Am 2. Dezember werde ein Gericht über die Räumungsklage gegen die illegale Linksautonomen-Kneipe „Kadterschmiede“ im hinteren Erdgeschoss verhandeln.