Auch Kokain wurde in der Chatgruppe vermittelt. imago/Hardt

Als toller Unternehmer wollte er Karriere machen. Nun sitzt Stefan U. (35) wegen hundertfachen Drogenhandels auf der Anklagebank.

Einen „Drogen-Lieferservice“ hatte der Mann aus Steglitz aufgebaut. Sein Angebot: Kokain, Amphetamin, MDMA und Ecstasy sowie das verschreibungspflichtige Arzneimittel Ketamin. Im November 2019 ging er als „Drogen-Unternehmer“ an den Start. Der Handel lief über einen Messengerdienst.

Angeklagt nun 333 Taten. In 261 Fällen soll er über verschiedene Chatgruppen sein „Menü“ angeboten, verkauft und anschließend mit verschiedenen Fahrzeugen im Berliner und Potsdamer Stadtgebiet ausgeliefert haben. Umsatz: 70.614 Euro laut Anklage. Ab April 2020 hatte Stefan U. auch einen eigenen Koks-Umschlagplatz im Netz: Er ermöglichte anderen Dealern, über eine von ihm ins Leben gerufene und moderierte Chat-Gruppe ihre illegalen Geschäfte mit Teufelszeug abzuwickeln – gegen monatliche Gebühr von 200 Euro. Mit dem Geschäft als Drogen-Administrator habe er 31.000 Euro kassiert.

Sein Geschäftspartner hatte sich als Mathe-Professor ausgegeben

Stefan U., gelernter Postbote, schiebt seinen Absturz ins Dealer-Milieu auf einen falschen Freund. Mit dem habe er 2017 eine Firma gegründet. U. mit leuchtenden Augen zur Richterin: „Es war schon immer mein Traum, ein Unternehmen zu führen.“ Sein Geschäftspartner habe sich ihm gegenüber als Mathe-Professor ausgegeben, sagte U. – „wir boten Beratungsleistungen und Softwareprodukte an“. Daten sammeln, verknüpfen, auswerten – „wir haben das Unternehmen schnell hochgezogen“. Sogar mit Rennwagen hätten sie sich befasst. Kunden zahlten an.

Stefan U.: „Aber ab 2019 ging es mit Mahnungen los.“ Der angebliche Freund, der sogar bei ihm gewohnt habe, soll sich als Hochstapler entpuppt haben. Er sei schließlich mit allen Dokumenten von der Bildfläche verschwunden. Der Angeklagte: „Es blieb ein sechsstelliger Betrag an Schulden zurück. Ich bin mit der Firma gescheitert, weil ich hinters Licht geführt worden bin.“   U. stöhnte: Er sei verzweifelt gewesen, habe nicht einmal mehr die Miete zahlen können. „Da erinnerte ich mich an ein Gespräch über Drogentaxis, das ich zufällig gehört hatte.“

Er koordinierte und entschied, wer als Händler zugelassen wird

Er habe sich gedacht: „So komme ich schnell an Geld.“ Vorher habe er nie mit Drogen zu tun gehabt. Über einen Messengerdienst habe er eine Gruppe gefunden und Drogen gegen Gebühr verkauft. Stefan U.: „Dann habe ich eine eigene Gruppe gegründet.“ Er koordinierte und entschied, wer als Händler zugelassen wird. Der Staatsanwalt: „Die Gruppe verfügte am 10. März 2021 über knapp 10.000 Mitglieder.“ Mehrere Dutzend Händler habe es gegeben. Ein anonymer Hinweis führte zu Ermittlungen.

Vor sechs Monaten klickten schließlich die Handfesseln. Aus der Traum vom Firmen-Chef. Nun gestand er mit einer Einschränkung: In seiner Chat-Gruppe seien deutlich weniger Händler aktiv gewesen als in der Anklage aufgelistet. Fortsetzung: Dienstag.