Der Heide-Steppenrüssler ist wieder da.  Foto: Sielmannstiftung / Jörg Müller 

70 Jahre lang hat ihn keiner zu Gesicht bekommen. Den Heide-Steppenrüssler. Das ist nicht verwunderlich, misst das Insekt doch nur 14 Millimeter, so lang wie eine Fingerkuppe. Wenn es kalt ist, verharrt das Tier reglos. Der Käfer mit dem schönen Namen Coniocleonus nebulosus, mag es trocken und warm.

Schon wegen seiner rötlich-braunen Musterung passt er perfekt in sonnenverdorrte Gefilde, dort vermuteten ihn heimische Forscher auch jahrzehntelang. Seit 1940 aber galt der Heide-Steppenrüssler in Brandenburg als verloren.

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Bis der Biologe und Käferinteressierte Jörg Müller auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Wittstock im Landkreis Ostprignitz-Ruppin spazieren ging. Eines Tages im Spätsommer, berichtet Müller, fischte er den rötlichen Langrüssel aus seinem Kescher. "Zuerst konnten wir das Tier nicht zuordnen, da ich mit einem solchen Fund nicht gerechnet habe", wird Müller in einer Mitteilung der Heinz-Sielmann-Stiftung zitiert. Die Stiftung betreut die 4000 Hektar große Naturlandschaft im Süden des ehemaligen Bombodroms im Kreis Ostprignitz-Ruppin seit die Bundeswehr abzog. Der Käfer fand sich schließlich auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten.

Über seine Vorlieben und Angewohnheiten ist wenig bekannt, die Larven entwickelten sich höchstwahrscheinlich in den Wurzelstöcken der Besenheide, vermutet Müller. "Der Heide-Steppenrüssler ist eine Art, die ganz eng an das Vorkommen der Besenheide gebunden ist. Verschwindet die Heide, verschwindet auch der Käfer", sagt er über das Biotop.

Im August  und September blüht die Heide in intensiven Lila-Tönen.  Foto: Sielmannstiftung 

„Wir haben bisher 825 Tierarten auf der Fläche nachgewiesen. Eine Vielzahl ist hervorragend an die trockenen, heißen Bedingungen angepasst und kommt nur in diesen Lebensräumen vor. In der umgebenden Landschaft finden sie keinen Platz mehr“, erklärt Jörg Müller.

Auf der Liste der größten gebäudefreien Gebiete Deutschlands liegt die Kyritz-Ruppiner Heide  auf dem sechsten Platz. Doch die immer noch mit Munition belastete Landschaft braucht aufwendige Pflege. Es ist eine Kulturlandschaft, die nur durch Nutzung entsteht. Kontrollierte Brände und das Abmähen verjüngen die Heidekrautbestände. Nur dann blüht die Landschaft zwischen August und September üppig im typischen Lila.