Ein Aktivist durchschneidet den Sicherheitszaun am Flughafen BER.
Ein Aktivist durchschneidet den Sicherheitszaun am Flughafen BER. Letzte Generation

„Flieger musste umdrehen, weil diese Vollpf… am #BER kleben! Versuche mich zur Bauministerkonferenz nach #Berlin durchzuschlagen.“ Nicht nur NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) reagierte auf Twitter erbost über die Klima-Kleber, die diesmal gleich einen ganzen Flughafen lahmlegten. Knapp zwei Stunden ging am BER nichts mehr (KURIER berichtete). Selbst Grüne und Klimaforscher verurteilen jetzt die Aktionen.

Die Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“, fünf Männer und eine Frau im Alter von 20 bis 32 Jahren, zerschnitten Sicherheitszäune am BER und blockierten das Rollfeld des Flughafens. Der Flugverkehr musste eingestellt werden. Die Protestgruppe teilte mit, einige Aktivisten hätten sich auf dem Asphalt festgeklebt, während andere mit Fahrrädern über den Rangierbereich fuhren. Mehrere Starts mussten abgesagt werden, 15 geplante Landungen nach Leipzig und Dresden umgeleitet werden.

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Den Hauptstadtflughafen zu blockieren sei „eine erneute Eskalation und absolut inakzeptabel“, schrieb Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) im Kurzbotschaftendienst Twitter. „Diese Aktionen zerstören wichtige gesellschaftliche Akzeptanz für den Kampf gegen den Klimawandel“, hieß es weiter.

Für Klimaforscher sind die Aktionen ein No-Go: „Wir würden im Chaos enden!“

Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, kritisierte die Aktion der Klimaaktivisten als „kontraproduktiv, anmaßend und potenziell gefährlich“. Zudem sieht von Notz Nachholbedarf beim Sicherheitskonzept des BER. „Es wird genau zu prüfen sein“, sagte er, „wie es den Aktivistinnen und Aktivisten so einfach gelingen konnte“ auf das Rollfeld zu gelangen.

Einer der Klima-Kleber nutzt die Rollbahn als Radelstrecke.
Einer der Klima-Kleber nutzt die Rollbahn als Radelstrecke. Letzte Generation

Der Klimaforscher Mojib Latif nennt die Protestaktionen der „Letzten Generation“ „völlig kontraproduktiv“. Es werde nicht mehr über das Thema Klima diskutiert, sondern nur noch über die Art des Protestes, kritisiert der Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung im „Wochentester“-Podcast. Die Aktionen der Klimaaktivisten seien in einer demokratischen Gesellschaft „ein No-Go“. „Stellen Sie sich mal vor, jeder, der ein berechtigtes Anliegen hat, würde sich festkleben oder irgendwelche Kunstwerke beschädigen oder bewerfen“, sagt Latif. „Wir würden im Chaos enden und das geht überhaupt nicht.“

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Seit Anfang dieses Jahres blockieren Mitglieder der Initiative „Letzte Generation“ immer wieder Straßen und Autobahnen, indem sie sich auf dem Asphalt festkleben. Klimaaktivisten bewarfen zudem in mehreren Museen Kunstwerke mit Flüssigkeiten.

Bei der Blockade-Aktion der Gruppe „Letzte Generation“ auf dem Flughafen BER haben Klimaaktivisten nach Einschätzung von Brandenburgs Justizministerin Susanne Hoffmann (CDU) möglicherweise schwere Straftaten begangen. Widerrechtliches Eindringen auf das Flughafengelände sei Hausfriedensbruch und damit eine Straftat, sagte die Ministerin am Freitag auf Anfrage. „Weitere Straftaten kommen nach dem Spektrum des Strafgesetzbuches zusätzlich in Betracht, auch schwerere Straftaten wie Nötigung oder Eingriff in den Luftverkehr“, sagte Hoffman weiter. „Aber ob diese jetzt tatsächlich verwirklicht worden sind, das prüft die Staatsanwaltschaft als zuständige Behörde.“

BER-Kleber: Fünf der Aktivisten wurden schon wieder freigelassen

Fünf von sechs zwischenzeitlich wegen der BER-Aktion in Gewahrsam genommenen Klimaaktivisten sind inzwischen aber wieder frei. Für einen Aktivisten ordnete der Richter einen anhaltenden Gewahrsam an, teilte das Polizeipräsidium Brandenburg am Freitag mit. Es werde wegen des Verdachtes des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, Angriffe auf den Luftverkehr, Störung öffentlicher Betriebe, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch weiter ermittelt.