Im Bezirk Wilmersdorf in der Uhlandstraße ist ein Geldtransporter überfallen worden.
Im Bezirk Wilmersdorf in der Uhlandstraße ist ein Geldtransporter überfallen worden. dpa/Christoph Soeder

Bei einem Überfall auf einen Geldtransporter, der gerade Geld in die Postbankfiliale an der Wilmersdorfer Uhlandstraße geliefert hatte, wurden am Mittwoch kurz vor 11.15 Uhr drei Frauen und ein Mann verletzt. Die mindestens drei Täter entkamen mit mehreren Geldbehältern, nachdem sie noch zwei Schüsse abgefeuert hatten.

Die mit Sturmhauben maskierten Täter hatten den weißen Geldtransporter abgepasst, der vor der Post angehalten hatte. Auf dem breiten Gehweg vor dem Gebäude, so stellte es sich dar, setzten sie die Besatzung mit Reizgas außer Gefecht, einen Mann (49) und seine Kollegin (39). Auch zwei Postmitarbeiterinnen (beide 57) wurden verletzt, offenbar durch das Gas.

Das Bild zeigt den blutenden Geldtransporteur, der von Ersthelferinnen versorgt wird.
Das Bild zeigt den blutenden Geldtransporteur, der von Ersthelferinnen versorgt wird. privat

Der Mann allerdings erlitt bei dem Angriff auch eine Kopfplatzwunde, seine Kollegin habe es noch schlimmer getroffen.  Eine Passantin, die gerade mit ihrem Hund unterwegs und unmittelbare Augenzeugin war, berichtet: „Sie ist die Treppe vor der Tür der Post hinuntergefallen und hat sich den linken Arm gebrochen.“

Die Zeugin: „Eine Medizinstudentin und ich haben dann Erste Hilfe geleistet und das Blut bei dem Mann gestillt. Der war ganz verzweifelt, weil er wegen des Reizgases nichts mehr sah und sich große Sorgen um seine Kollegin machte.“ Die Mitarbeiter der Apotheke neben dem Tatort hätten ohne zu fragen Verbandmaterial herausgegeben.

Die Täter waren inzwischen weg. Dem KURIER liegt ein Video vor, in dem das  Fluchtauto zu sehen ist, in dem die  Täter mit hoher Geschwindigkeit davonfahren. Die Zeugin: „Sie haben zweimal aus dem Auto in die Luft geschossen. Die wollten offenbar, dass niemand sie verfolgt.“

Lesen Sie auch: Keine kostenlosen Corona-Tests, Kündigung per Knopfdruck, kaputter Toaster im Supermarkt – DIESE Änderungen gelten ab Freitag >>

Polizisten bei der Spurensicherung vor der Postbankfiliale in der Uhlandstraße.
Polizisten bei der Spurensicherung vor der Postbankfiliale in der Uhlandstraße. dpa/Christoph Söder

„Das war sicher keine 9-Millimeter-Pistole.“

Ein Anwohner, Mitglied eines Schützenvereins, hörte die Schüsse und erkannte: „Das war sicher keine 9-Millimeter-Pistole, sondern ein kleines Kaliber oder eine Gaswaffe.“

Er sah noch, wie die Täter in ihrem schwarzen Audi Richtung Mecklenburgische Straße davonrasten: „An der nächsten Ampel quetschten sie sich rechts über den schmalen Radstreifen vorbei an den drei wartenden Autos.“

Die Feuerwehr brachte drei der vier Verletzten ins Krankenhaus. Wie es ihnen geht, ist gegenwärtig öffentlich nicht bekannt, so wenig wie die Summe des geraubten Geldes.

Uhlandstraße rund um Postbank-Filiale gesperrt

Die Uhlandstraße wurde nach der Tat zwischen Fechner- und Güntzelstraße gesperrt. Die BVG twitterte, dass die Bus-Linie 49 in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Haltestellen Hohenzollernplatz und U-Bahnhof  Blissestraße  umgeleitet wird.

Lesen Sie auch: Die blanke Wut! Urlaub versaut dank Chaos am Flughafen: Airline muss 600 Euro blechen – pro Person! >>

Spurensicherung am Tatort in der Uhlandstraße.
Spurensicherung am Tatort in der Uhlandstraße. dpa/Christoph Soeder

Die Polizei war mit bis zu 90 Beamten im Einsatz: Kripo, Schupo und Kriminaltechnik. Die machte sich auf die Suche nach Spuren. Daraus, dass sie bislang keine Patronenhülsen gefunden haben, lässt sich schließen, dass die Täter mit einem Revolver feuerten, bei dem die Patrone in der Kammer bleibe, hieß es seitens der Polizei.

Lesen Sie aktuelle Berliner Kriminalfälle hier  im Polizeiticker >>

Immer wieder Überfälle in Berlin

Lesen Sie auch: Wut-Kommentar zum 9-Euro-Ticket: Jetzt packt ein Bahn-Mitarbeiter aus! DAMIT nerven die Fahrgäste am meisten >>

In Berlin gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe von Überfällen auf Geldtransporter. Im Februar hatten Unbekannte vor einem Supermarkt im Stadtteil Neukölln zugeschlagen und Geld erbeutet. Spektakulär verlief ein Raubüberfall auf einen Geldtransporter vor einer Bankfiliale am Berliner Kudamm 2021: Die Täter trugen orangefarbene Müllmann-Kleidung, sie erbeuteten fast 650.000 Euro. Das Gericht verhängte gegen einen Mann sieben Jahre Gefängnis, vier der Täter sind aber noch nicht ermittelt.

UPDATE: Am 8. Juli 2022 teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit, der Fluchtwagen sei nach Zeugenhinweisen auf einem Firmengelände in Mitte gefunden worden. Er sei auf eine Firma zugelassen, die auf noch nicht ganz geklärte Art mit einer Autovermietung in Verbindung stehe.  Das Auto werde jetzt auf Spuren untersucht, um Hinweise auf die Täter zu finden. Auch die Beute wurde beziffert: Sie liege bei 266.000 Euro.