Zum Draufhauen echt. Eine Silikonfigur im Bud-Spencer-Museum zeigt den 2016 verstorbenen Schauspieler. Gerd Engelsmann

Es weht ein Hauch Italowestern durch Berlin. Zwar fliegen keine Strohballen über die Straße Unter den Linden, aber ein Cowboy liegt mit Hut im Gesicht auf einem Liegestuhl und mehrere kräftige Männer mit dunklen Bärten stehen an der Ecke Charlottenstraße, wo schon eine lange Schlange wartet. Sie wollen ins neue Bud-Spencer-Museum. Die Ausstellung feiert am Sonntag Eröffnung und ehrt künftig den italienischen Schauspieler, der in 128 Filmen mitspielte und vor fünf Jahren verstorben ist.

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Nach Museen für die Band Ramones oder David Hasselhoff hat Berlin eine neue eigenwillige Attraktion. Auf 500 Quadratmetern Fläche werden im Römischen Hof, Unter den Linden 10, ein Jahr lang fast 400 Exponate aus dem Leben von Bud Spencer gezeigt, der mit bürgerlichen Namen Carlo Pedersoli hieß. Als schlagfertiger Hüne erlangte er ab den 1970er-Jahren auch in West- und Ostdeutschland Kultstatus, als Duo mit Terence Hill in zahlreichen Filmen wie „Zwei bärenstarke Typen“, „Zwei Asse trumpfen auf“ oder „Vier Fäuste gegen Rio“.

„Die Filme haben meine ganze Kindheit geprägt, Bud Spencer war mit seiner herzlichen Art wie eine Vaterfigur.“

Einige Fans sind für die Eröffnung eigens nach Berlin gekommen, wie der Sachse Heiko Kaaden, der mit fünf Tattoos von Bud Spencer und Terence Hill auf der Haut vor dem Museum steht. „Ich war schon von klein auf Fan“, sagt der 38-Jährige aus der Nähe von Chemnitz, „die Filme haben meine ganze Kindheit geprägt, Bud Spencer war mit seiner herzlichen Art wie eine Vaterfigur.“ Kaaden ist begeistert von der Ausstellung, die regulär 12 Euro kostet, war auch schon im Terence-Hill-Museum im sächsischen Lommatzsch.

Gerd Engelsmann
Hände Hoch, Terence Hill! Mehrere Imitatoren der Schauspieler unterhalten vor dem Museum Touristen.

Neben Kaaden steht Bud Spencer beziehungsweise dessen Double Enrico Langner aus Leipzig, der als Fan gerne den Doppelgänger für Fotos mit Touristen mimt. „Ich mache das aus Spaß an der Freude, die Leute sind begeistert und von der Optik passt es auch ein bisschen“, sagt der großgewachsene 44-Jährige mit Bart und Bauch. Mit seiner Perücke erinnert er an den Film „Zwei sind nicht zu bremsen“.

Zuneigung in Berlin noch größer als in Neapel

In dem kleinen Museum werden alte Filme gezeigt, Miniatur-Figuren, Preise und Trophäen, Original-Fahrzeuge aus Filmen und die lebensechte Silikonfigur einer Berliner Künstlerin, auf die Madame Tussauds neidisch wäre. Aber es wird auch an die weniger bekannten Aspekte im vielseitigen Leben Bud Spencers erinnert. So war der 1929 geborene Carlo Pedersoli als Schwimmer 1952 und 1956 Olympiateilnehmer, erfand mehrere Patente. Auch war er Hubschrauberpilot, daran erinnert etwa ein Helm in einer Vitrine.

Zur Eröffnung sind seine drei Kinder aus Italien gekommen, Giuseppe und die beiden Töchter Cristiana und Diamante. „Es gab große Nachfrage von deutschen Fans nach der ersten Ausstellung 2019 in Neapel“, sagt der 60-jährige Sohn, nach der Premiere in der Geburtsstadt Bud Spencers „war es uns wichtig, Pappà mit der Zuneigung des deutschen Publikums zu feiern.“ Die Wärme, mit der sie empfangen wurden, sei sogar größer als in Neapel. Ständig werden die Kinder von Fans gebeten, Autogramme zu schreiben und Fotos zu machen.

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Die Familie ist auch da. Bud Spencers Sohn Giuseppe (Mitte) und die Töchter Diamante (links) und Cristiana.

Viele wollen wissen: Wie war Bud Spencer so, als Mensch? „Er war sehr ähnlich wie in den Filmen, es kam alles sehr natürlich bei ihm“, sagt Giuseppe Pedersoli über den 1,92 Meter großen, 125 Kilo schweren Autodidakten. Natürlich sei er keine gewalttätige Person gewesen, seine lustigen Filme entglorifizierten Gewalt eher. „Er war eine zuverlässige, freundliche, offene Person.“ Also hätte das Museum dem 2016 mit 86 Jahren verstorbenen Vater gefallen? „Er hat sich nicht so ernst genommen“, sagt der Sohn, „aber die Zuneigungsbekundungen seines Publikums hätten ihm gefallen, es war ihm wichtig, mit Leuten in Kontakt und natürlich zu bleiben.“

Dann müssen sie wieder Fotos machen, während draußen die Fans Schlange stehen, singen und musizieren. Die Stimmung ist ausgelassen, Junggesellenabschiede sind gekommen, der Bud-Spencer-Fanclub Barnim. Auch Bud Spencers Synchronsprecher Rainer Brandt ist zur Eröffnung da. Nur Terence Hill alias Mario Girotti fehlt. „Er ist immer sehr beschäftigt mit seiner Arbeit fürs Fernsehen“, sagt Giuseppe Pedersoli über den mittlerweile 82-Jährigen, der mit seinem Filmpartner befreundet war, „wir hoffen, er schafft es auch eines Tages zu kommen.“