Wirt Hans Günter Löwe eröffnet mit einem kleinem Jagdhorn und einem Halali die Saison. 
Foto: Volkmar Otto

Schnitzel, Spargel, Königsberger Klopse: Ohne seine Klassiker will Hans Günter Löwe vor seinen Gästen zur Wiedereröffnung dann doch nicht dastehen. Viel mehr wird der Besitzer der Kneipe Blue Label im Bötzowkiez jedoch nicht offerieren. Ausgewählte Speisen und eine schmale Getränkekarte, das ist das Programm von Löwe. Über Pfingsten will er erst einmal zur Probe öffnen. „Wir wollen nicht so viel wegwerfen“, sagt er und ergänzt, dass er ja nicht wisse, ob er nicht nach ein paar Tagen wieder schließen müsse, wenn die Inzidenzzahlen in Berlin wieder steigen.

Die Hauptstadt lässt ab dem 21. Mai wieder Außengastronomie zu. Löwe tastet sich zumindest bei der Warenbeschaffung noch etwas verhalten an die Öffnungssituation heran. Nur nicht gleich zu viel erwarten. Zwar freut er sich, dass es endlich wieder losgeht. Seine Außenbestuhlung umfasst etwa 25 Sitzplätze. Eine Reservierung ist bei ihm nicht notwendig, an zeitliche Begrenzungen für seine Gäste denkt er nicht. Löwe will von mittags bis abends bei jedem Wetter öffnen. Und seine Außenflächen sogar noch erweitern. Bis runter zum Filmtheater am Friedrichshain will Löwe seine Gäste an Tischen platzieren.

Ist eine solche Vergrößerung ohne Weiteres möglich? Das Ordnungsamt Mitte teilte dem KURIER auf Anfrage mit, dass es bereits 2020 die Erweiterung der Außenflächen unbürokratisch und ohne zusätzliche Gebühren ermöglicht habe. Das solle auch in diesem Jahr so bleiben.2021 werde „angesichts der prekären Situation sogar auf die Erhebung von Sondernutzungsgebühren für die Ursprungsflächen verzichtet“. Sofern keine Fußgänger und Radfahrer gefährdet seien, sei es auch möglich, auf andere Lösungen wie Parkplätze auszuweichen. Formal angemeldet werden muss die Erweiterung dennoch.

Auch Vladimir Miletic steckt mitten in den Vorbereitungen für Freitag. Der 43-Jährige hat seine Cafébar Heinrichs erst im vergangenen Oktober eröffnet – kurz vor dem großen Lockdown. Miletic begriff Corona auch als Chance. Wäre die Pandemie nicht gewesen, wäre er wohl nie an ein Ladenlokal in der Kastanienallee im Prenzlauer Berg gelangt. Miletic bietet diverse Kaffeespezialitäten und kleine Snacks an. Er hat hohe Ziele. „In zehn Jahren möchte ich in Berlin so groß sein wie die Caféhäuser Einstein“, sagt er mit einem Lächeln.

Vladimir Miletic bewirtet seine Gäste aktuell ganz allein. Foto: Volkmar Otto

Während des Lockdowns hat Miletic seinen Laden allein am Laufen gehalten. Daher steht er kurz vor der Öffnung der Außengastronomie vor einem Problem. Geeignetes Personal zu finden, sei momentan nicht so leicht. Zahlreiche Kellner und Köche hätten inzwischen neue Jobs im Impfzentrum oder in einer Teststation, sagt Mirko Meuche, Besitzer des Café März im Prenzlauer Berg. Er steht vor derselben Aufgabe wie Miletic. Am Wochenende helfen Miletics Frau und Eltern noch aus. Aber unter der Woche dauerhaft 50 Personen vor seinem Laden auf Impfung, Genesung oder Testung zu kontrollieren, hält er allein für „ein bisschen schwierig“.

Edvin Ajvazi macht sich noch über weitaus mehr Gedanken als die Kontrolle der Gästedaten. Der 22-Jährige arbeitet fünf- bis sechsmal pro Woche in der Pizzeria von Enzo Di Calogero. Brot und Rosen, so der Name, bietet von Pasta über Fisch und Fleisch bis eben zu Pizza italienische und mediterrane Küche an. „Wir wollen schauen, dass die Qualität so bleibt wie vor Corona. Unsere Gäste sollen sich wohlfühlen“, sagt Di Calogero.

Enzo Di Calogero hat Platz für 16 Tische vor seinem Restaurant.
Foto: Volkmar Otto

Dabei sind – mindestens bis es losgeht, vielleicht auch darüber hinaus – noch einige Unwägbarkeiten zu klären. Ajvazi denkt vor allem an seine Stammkunden und das Wetter. „Einem Stammkunden kannst du nicht einfach bei einem Gewitter sagen: Sorry, aber du musst jetzt auf die Straße“, sagt er. Außerdem habe er noch keine Mitteilung bekommen, wie es sich mit einem Toilettengang im Inneren des Restaurants verhält. Hans Günter Löwe von Blue Label hingegen schon. Die Toilettennutzung für seine Gäste sei ihm erlaubt worden, erzählt er.

Auf Kulanz darf ab Freitag keiner von Berlins Gastronomen hoffen. „Das Ordnungsamt wird wie bei allen Kontrollen im Rahmen des rechtlich möglichen handeln“, teilte das Bezirksamt Mitte dem KURIER mit. Eine Pandemie biete keine rechtliche Grundlage, von geltenden Gesetzen abzuweichen. Wer sich ab Pfingsten in einem Restaurant oder Café niederlässt, darf jederzeit damit rechnen, neben Speisen und Getränken auch noch eine Corona-Kontrolle serviert zu bekommen.