Der Ansturm an freiwilligen Wiederholern ist ausgeblieben. Nur wenig mehr Sitzenbleiber als gewöhnlich drehen im kommenden Schuljahr eine Extrarunde. imago

2202 Berliner Schüler der Primar- und Sekundarstufe I haben sich entschieden, das Schuljahr freiwillig zu wiederholen. Anders als sonst konnten im Corona-Jahr die Eltern allein über eine etwaige Ehrenrunde entscheiden. Dennoch ist der erwartete Ansturm ausgeblieben.

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Am Andreas Gymnasium in Friedrichshain etwa haben nur drei Elternhäuser einen Antrag auf freiwillige Wiederholung gestellt. Als Gründe führten Eltern fehlende Kompetenzen durch das Lernen zu Hause an, außerdem emotional-soziale Rückstände, auch pubertär bedingt. Dass berufstätige Eltern nicht ausreichend beim Lernen zu Hause unterstützen konnten, war für einzelne ein Problem. Doch der große Run auf freiwillige Wiederholer-Plätze fand hier wie auch an vielen anderen Schulen trotz der vielfältigen Herausforderungen im Corona-Schuljahr nicht statt.

„Der Untergang des Berliner Schulsystems ist ausgeblieben, wie von so mancher Seite befürchtet. Unser Vertrauen in die Berliner Eltern, im Sinne ihrer Kinder zu handeln, hat sich bestätigt!“, twitterte die Bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Marianne Burkert Eulitz, nachdem die Senatsverwaltung die bisher gemeldeten Zahlen veröffentlichte. Nicht wenige Schulleiter hatten im Vorfeld vor einem großen Ansturm gewarnt, vor allem an den neuralgischen Punkten der Schülerlaufbahn: also in den siebten und zehnten Klassen. Im Geiste sahen sie sich schon mit übervollen Klassenzimmern konfrontiert und mit unlösbaren logistischen Problemen wegen Platz-und Lehrermangel.

Die meisten Wiederholer in Lichtenberg

Dabei gibt es in den Bezirken Unterschiede: Mit 299 freiwilligen Wiederholern ist Lichtenberg der Spitzenreiter nach absoluten Zahlen. Die wenigsten Meldungen gab es mit 103 Anträgen aus Mitte. Die Senatsbildungsverwaltung geht außerdem davon aus, dass sich die Zahl der nicht-freiwilligen Wiederholer in diesem Jahr deutlich reduzieren wird, weil viele bereits von der Möglichkeit des freiwilligen Wiederholens Gebrauch gemacht haben. 182 der 637 Berliner Schulen haben keine freiwillig Wiederholenden gemeldet, also knapp 30 Prozent.

Zum Vergleich: Im Schuljahr 2019/20 gab es 587 freiwillige Wiederholer und 1429 Wiederholer durch schulischen Entscheid.

Der Pressesprecher der Senatsbildungsverwaltung: „Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die durch schulische Entscheidung wiederholen müssen, signifikant reduzieren wird. Denn viele dürften jetzt schon von der Möglichkeit des freiwilligen Wiederholens Gebrauch gemacht haben. Ganz genau werden wir dies aber erst in den ersten Wochen des neuen Schuljahres wissen, wenn die genaue Zahl der nicht-freiwilligen Wiederholer vorliegt.“

Freie Schulplätze werden schnell aufgefüllt

Auch an der Friedensburg Oberschule hat Schulleiter Sven Zimmerschied nicht deutlich mehr Wiederholer als sonst auf dem Zettel. Die zehn Schüler der zehnten Klasse, die eine freiwillige Wiederholung beantragten, hätten auch ohne die Sonderregelung noch ein Jahr länger die Schulbank gedrückt. Andere Antragsteller hätten nach Beratung wieder Abstand von ihrem Wunsch genommen, so Zimmerschied. „Wir haben alle befürchtet, dass es mehr Wiederholer werden“, so Zimmerschied. An seiner Schule gehe man andersherum nun eher aktiv auf Eltern zu, um sie auf die Möglichkeit einer Wiederholung hinzuweisen.  „In diesem Jahr scheint es den Eltern aber besonders wichtig zu sein, dass ihre Kinder im bekannten sozialen Gefüge bleiben können.“ Man habe außerdem früh die geplanten Fördermaßnahmen im nächsten Schuljahr kommuniziert und so Ängste nehmen können, so Zimmerschied. „Die Eltern haben Vertrauen, dass wir das hinbekommen.“

In der Organisation für das neue Schuljahr stellen sich für die Leiterin des Andreas Gymnasiums denn auch nur kleinere Probleme: In zwei siebenten Klassen werden nun 33 statt 32 Schüler den Unterricht besuchen. Im naturwissenschaftlichen Fachraumunterricht wird es eng, da diese nur für eine Kapazität von 30 Schülern eingerichtet sind. „Andere Klassen sind dann natürlich unterfrequentiert, doch aufgrund der Schulplatzsituation in Berlin werden diese freien Schulplätze ganz schnell wieder aufgefüllt.“, sagt Schulleiterin Birgit Strohmeyer.