Der Brandsatz entzündete sich am Eingang zur Sporthalle. Morris Pudwell

Feiger Brandanschlag auf die Internationale Lomonossow-Schule in Marzahn. Eskaliert der Russland-Ukraine-Konflikt jetzt auch in Berlin? Die Kriminalpolizei ermittelt.

Die deutsch-russische Privatschule in Marzahn ist seit 2007 in Betrieb, seit Dezember 2012 ist das pädagogische Konzept staatlich anerkannt. In einem denkmalgeschützten Gebäude am Brebacher Weg im Marzahner Ortsteil Wuhletal werden Schüler der Klassenstufen 1 bis 13 unterrichtet, in einer Filiale in der Allee der Kosmonauten die Klassenstufen 1 bis 4.

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Und hier am Eingang der Turnhalle hat es in der Nacht gebrannt. Ein Brandsatz, der aus einer mit brennbarer Flüssigkeit gefüllten Glasflasche bestand, entzündete am Eingang abgestellte Gegenstände. Feuerwehrleute konnten den Brand auf dem deutsch-russischen Bildungscampus in der Allee der Kosmonauten schnell löschen. Menschen sind nicht verletzt worden. Es seien aber Schäden am Gebäude entstanden, heißt es.

Der Staatschutz ermittelt wegen des Brandanschlags

Die Kriminalpolizei hält wegen des Kriegs Russlands gegen die Ukraine ein politisches Motiv für möglich, daher ermitteln der für solche Taten zuständige Staatsschutz im Landeskriminalamt sowie Kriminaltechniker und Brandexperten.

Ein Passant hatte gegen 3.20 Uhr Rauch an der Turnhalle bemerkt und Polizei und Feuerwehr alarmiert. Zunächst löschten Polizisten die Flammen, anschließend übernahmen Feuerwehrleute die Arbeiten. Ein weiteres Ausbreiten der Flammen habe so verhindert werden können, teilt die Polizei mit.

Scheiben splitterten, das Plastik schmolz: Der Eingang zur Sporthalle brannte. Morris Pudwell

Zu der deutsch-russischen Bildungseinrichtung gehören mehrere Schulen und Kitas an verschiedenen Standorten in Berlin, darunter auch auf dem Bildungscampus in Marzahn. Die Schüler und ihre Eltern stammen meist aus sowjetischen, russischen und russischsprachigen Einwandererfamilien. Der Unterricht erfolgt auf Deutsch und Russisch. Auf Fotos auf der Internetseite tragen die Kinder Schuluniform mit Hemd und Krawatte.

Feige gegen Kinder gerichtete Tat

„Wir sind fassungslos und sprachlos über diese feige gegen Kinder gerichtete Tat, gegen eine Sporthalle für Kinder“, sagt Alexander Ott (58), Schulkoordinator der Lomonossow-Privatschule zur B.Z. „Unsere Schule ist international, bei uns lernen Kinder aus 15 bis 20 Nationen gemeinsam – deutsche, russische, ukrainische Kinder sowie Kinder aus Belarus und den baltischen Staaten.“

„Den Brandanschlag verurteile ich als Bildungs- und Sportstadtrat auf das Schärfste“, sagt Torsten Kühne (CDU). „Die Lomonossow-Schule ist ein verlässlicher und langjähriger Partner des Bezirksamtes. Sie ist ein weltoffener Lernort und steht für den interkulturellen Dialog und Ausgleich. Auch in der aktuellen Situation unterstützt sie den Bezirk bei der Aufnahme der Geflüchteten aus der Ukraine. “

Seit Beginn des Krieges kommt es in Berlin vermehrt zu Attacken auf russische Einrichtungen und Menschen mit russischen Wurzeln. 80 Taten wurden bisher von der Polizei erfasst – angefangen von Schmierereien, Sachbeschädigungen über Pöbeleien bis hin zu Brandanschlägen.

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Am Donnerstagmorgen wurde auch das „Russische Haus der Wissenschaft und Kultur“ in der Friedrichstraße zum Ziel einer Hass-Attacke. Ein Unbekannter sprühte den 200 mal 30 Zentimeter großen Schriftzug „Mörder“ auf eine Säule und den Gehweg.