Geschlossene Strandkörbe stehen auf dem fast menschenleeren Strand an der Ostsee. F Foto: Christian Charisius/dpa

Meer und mehr: Das war ein Slogan, mit dem die Deutsche Bahn einst für ihr Ostseeticket warb. Doch nun bestätigte das Bundesunternehmen, dass es dieses Angebot bald nicht mehr geben wird. „Ja, das Ostsee-Ticket wird zum 12. Juni 2021 eingestellt“, teilte ein Bahnsprecher dem Berliner KURIER mit. Dann verschwindet das Ostsee-Ticket aus dem Programm. Daran ist allerdings nicht die Corona-Pandemie schuld, auf die Mecklenburg-Vorpommern mit Reisebeschränkungen reagiert hat, die Urlaub unmöglich machen.

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Das Ticket verbilligt Fahrten, die in zehn Berliner und in 14 Brandenburger Bahnhöfen beginnen. Zu den möglichen Zielen gehören Wismar, Bad Doberan, Rostock, Graal-Müritz, Stralsund, Binz auf Rügen, Greifswald sowie alle Stationen der Usedomer Bäderbahn. Wer am Automaten oder im Internet kauft, zahlt für die Hin- und Rückfahrt in der zweiten Klasse 44 Euro. Für Mitfahrer oder allein reisende Kinder werden jeweils 35 Euro fällig. Das Ticket gilt 15 Tage – nicht nur in Regional-, auch in Fernzügen.

Ostseeticket seit 1999 im Angebot

Und das war offenbar ein Problem – nicht für die Fahrgäste, aber für die Fernverkehrsmanager der Bahn. Denn das Ostsee-Ticket gehört zu den „ungesteuerten“ Angeboten. Das heißt: Auch für Intercity- und ICE-Züge gibt es keine Zugbindung. Die Fahrgäste können frei bestimmen, wann sie welche Züge in Anspruch nehmen. „Man kann flexibel Fernverkehrszüge nutzen und bis kurz vor der Abfahrt diese Fahrkarte kaufen“, sagte der Bahnsprecher. „Das Risiko von Überbesetzungen war dementsprechend hoch.“ Auch heute, während der Pandemie, kann es an Wochenenden in den Zügen voll werden. Selbst wenn Urlauber nicht ans Meer reisen dürfen – Pendler aus Mecklenburg-Vorpommern sind weiterhin unterwegs.

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„Als Alternativen empfehlen wir das Stadt-Land-Meer-Ticket und das Quer-durchs-Land-Ticket“, so der Sprecher weiter. Diese Angebote sollen „weiter entwickelt“ werden – Einzelheiten verriet er nicht. Mit dem Stadt-Land-Meer-Ticket kostet eine Hin- und Rückfahrt 38,50 Euro. Allerdings gilt es nicht nach Usedom, Rügen und anderen beliebten Zielen. Zudem wird es nur in Regionalzügen akzeptiert. Das gilt auch für das Quer-durchs-Land-Ticket, mit dem immerhin nach Rügen und Usedom gereist werden darf. Doch wer den Intercity nach Rostock und Warnemünde oder den ICE nach Stralsund und Binz nutzen will, ist künftig ausschließlich auf Fernverkehrstickets angewiesen. Wer Glück hat, ergattert einen Super-Sparpreis - dann ist die einfache Fahrt ab 17,90 Euro zu haben. Doch am Wochenende sind die Kontingente schnell vergriffen.

Das Ostsee-Ticket gibt es seit 1999. Joachim Kießling, damals Vertriebsmanager der Bahn, gehört zu seinen Schöpfern. Anfangs war eine Hin- und Rückfahrt für 49 Mark, umgerechnet rund 23 Euro, zu haben. Anders als heute bekamen Ticketkäufer früher vielerorts Rabatt – unter anderem in Hotels, im Nationalparkzentrum Königstuhl, in Museen und auf Ausflugsschiffen. Allein bis 2007 wurden 550.000 Ostsee-Tickets verkauft.