Ein Bote von Gorillas fährt durch die Straßen von Berlin: Das Start-Up wurde für 1,2 Milliarden Euro von einem Konkurrenten übernommen.
Ein Bote von Gorillas fährt durch die Straßen von Berlin: Das Start-Up wurde für 1,2 Milliarden Euro von einem Konkurrenten übernommen. dpa/Wolfgang Kumm

Das Berliner Lieferdienst Start-Up Gorillas ist vom Konkurrenten Getir geschluckt worden. Das teilte Getir am Freitag auf der Berufsplattform Linkedin mit. Der türkische Konkurrent habe umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro in Aktien dafür gezahlt, wie die Financial Times berichtet.

„Dieser Zukauf bestätigt unser langfristiges Engagement und unsere Hingabe an den Sektor und unterstreicht, wie Getir die Konsolidierung der Branche anführt“, teilte Getir mit. Das bedeutet jedoch wohl das Aus für die Marke Gorillas. Das Start-Up wird nun vermutlich vollständig in dem Konkurrenten aufgehen.

Getir wird durch Gorillas-Übernahme Marktführer bei Lieferdiensten

Die Investoren von Gorillas bekommen durch den Deal 14 Prozent der Aktien von Getir. Dies bedeutet jedoch auch eine Entwertung von Getir. Durch die neue Bewertung ist das türkische Unternehmen nur noch 7 Milliarden Euro wert. Zuvor war es bereits mit 12 Milliarden Euro bewertet worden. 

Durch die Mega-Übernahme wird Getir zum europäischen Marktführer unter den Lieferdiensten. Somit haben beide Seiten Vorteile durch die Übernahme.

Die Übernahme ist eine echte Sensation. Das Berliner Unternehmen Gorillas war erst im Mai 2020, mitten in der Hochphase der Corona-Pandemie, von Kağan Sümer gegründet worden. Es konnte dabei vom Boom der Lieferdienste durch die Pandemie und den damit verbundenen Lockdowns profitieren und wuchs rasant. 

Zukunft für Gorillas-Fahrer unklar

Gorillas versprach den Kunden ihre Lieferungen in unter zehn Minuten zu liefern, was vor allem bei den Investoren gut ankam. Schon nach einem Jahr hatte es den Status eines Einhorns, also der Bewertung des Unternehmens mit einem Wert von über einer Milliarde US-Dollar.

Das Unternehmen war jedoch in den zweieinhalb Jahren nicht profitabel geworden und fuhr zum Teil deutliche Verluste ein. Probleme verursachten auch Streiks und Proteste von Fahrern des Lieferdienstes. Die niedrigen Löhne und harte Arbeitsbedingungen schreckten so manchen Kurier von der Tätigkeit für das Unternehmen ab. 

Über die Übernahme war seit längerem spekuliert worden. Im Mai entließ Gorillas Hunderte Beschäftigte und kündigte an, stärker auf Profitabilität statt auf Wachstum zu setzen. Wie es für die Gorillas-Beschäftigten nach der Übernahme weiter geht, blieb am Freitag zunächst offen.