Jörg Steinert vor dem Trafohäuschen, das als bunter Wegweiser gestaltet wurde. Foto: Berliner KURIER / Markus Wächter

Unzählige Menschen begeben sich jedes Jahr auf den Jakobsweg – und das geht nun auch von Berlin aus immer besser! Bereits im Sommer berichtete der KURIER über die Einweihung des ersten Jakobsweg-Wegweisers, nun schreiten die Arbeiten an der Beschilderung voran. In Steglitz gibt es nun sogar ein Jakobsweg-Trafohäuschen.

Pilger, die auf dem Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela unterwegs sind, kommen in der Sembritzkistraße jetzt garantiert nicht mehr von der richtige Route ab – hier leuchtet nun ein bunt bemaltes Trafohäuschen, ein gelber Pfeil zeigt die richtige Richtung an. Und darüber: Eine Karikatur von Initiator Jörg Steinert, selbst seit Jahren begeisterter Pilger. Seit Jahren begibt er sich regelmäßig auf den Weg, schrieb darüber das Buch „Pilgerwahnsinn“ (KURIER berichtete). „Dass wir nun das Trafohäuschen einweihen konnten, macht mich sehr stolz“, sagt er. „Aber vor allem bin ich dankbar, dass so viele Leute unser Projekt unterstützen.“

Vor der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg wurde schon im  Sommer der erste Wegweiser eingeweiht. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Steinert setzt sich schon länger dafür ein, dass auch der Teil des Weges, der durch Berlin führt, ausgeschildert wird. Nach seinen ersten Pilger-Touren fiel ihm auf, dass es in seiner Heimatstadt Zwickau in Sachsen bereits Schilder gab – auch dort verläuft die Via Imperii, ein Teil des Weges, der von Stettin über Berlin und Wittenberg nach Leipzig führt. Im Juni wurde der erste offizielle Jakobsweg-Wegweiser eingeweiht, er hängt an der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg. Im August folgte die erste Stempel-Station für Pilger-Pässe an der Königin-Luise-Gedächtniskirche am Gustav-Müller-Platz. Auch die Stromnetz Berlin GmbH schaltete sich in das Projekt ein: Zwei Stromkästen wurden inzwischen als Wegweiser gestaltet, acht weitere sollen folgen.

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„Es freut mich sehr, dass Stromnetz Berlin die künstlerische Gestaltung eines Trafohäuschens in unserem Bezirk unterstützt. Der Pilgergedanke führt seit dem Mittelalter Menschen zusammen und lässt sie über ihr gemeinsames europäisches Erbe nachdenken“, sagt der Steglitzer Bezirksstadtrat Frank Mückisch. „Ob religiös oder sportlich motiviert: Pilgern tut Leib und Seele gut und als Kulturstadtrat von Steglitz-Zehlendorf begrüße ich es ausdrücklich, dass wir den Verlauf des historischen Jakobswegs auch in unserem Bezirk sichtbar machen.“ 

Das Trafohaus weist die Pilger in die richtige Richtung. Foto: Berliner KURIER / Markus Wächter

In anderen Bezirken herrscht hingegen Stillstand: In Mitte wurde der entsprechende Antrag der CDU etwa hier mit Stimmen von Linken und SPD abgelehnt, weil der Weg „keine große Rolle für Berlin spielt“, sagte Thilo Urchs, Fraktionschef der Linken. Steinert hofft, dass sich auch hier noch etwas ergibt – und dass die bisherigen Wegweiser erhalten bleiben, nicht dem Vandalismus zum Opfer fallen. Jener an der Gartenarbeitsschule wurde bereits beschmiert. „Ich habe Anzeige gegen unbekannt erstattet, leider wurde das Verfahren eingestellt. Ich finde so etwas einfach respektlos“, sagt er. Um das Trafohäuschen müsse man sich aber weniger Sorgen machen. „Die künstlerische Gestaltung solcher Häuschen bremst auch wildes Graffiti – zumindest sind das die Erfahrungen von Stromnetz Berlin.“

Ein gut ausgeschilderter Pilgerweg könne übrigens vor allem in unsicheren Zeiten eine Bereicherung sein. „Man muss nicht irgendwohin fliegen, findet beim Wandern Erholung in nächster Nähe“, sagt Steinert. „Und gerade in Zeiten einer Krise besinnen sich viele auf die eigenen Werte. Der Jakobsweg als spiritueller Weg hilft dabei, die Gedanken zu ordnen.“