BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) beim symbolischen ersten Spatenstich. Berliner Kurier/Markus Wächter

Die Spaßvögel von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) schwelgten wieder mal in Kalauern. „Tramhafte Aussichten für Moabit“, dichteten sie. Und: „Eine Tram wird wahr.“ Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese formulierte es so – in Denglisch, einem Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch: „Tram goes West“, sagte der Grünen-Politiker. Soll heißen: Das Berliner Straßenbahnnetz wächst weiter in Richtung Westen der Stadt. Am Mittwoch wurde der Baubeginn für die neue Trasse nach Moabit gefeiert. Sechs Jahrzehnte, nachdem über die Straße Alt-Moabit zum letzten Mal eine Straßenbahn gerollt war, soll dieses Verkehrsmittel dorthin zurückkehren: als Verlängerung der M10.

Die Schreie waren unverkennbar: Bussarde! Die Greifvögel kreisten über dem Hof der U-Bahn-Fahrschule der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), auf dem der symbolische erste Spatenstich stattfand. Die Stadtnatur war anwesend, als Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, Staatssekretär Ingmar Streese, BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt, Stadträtin Sabine Weißler und Tassilo Grenz vom Bauunternehmen Strabag die Spaten schwangen. Menschliche Schaulustige gab es dagegen nicht, denn die Feier fand hinter einem Stahltor statt.

„Putzig, dass wir noch nicht an der Strecke graben“, sagte Grünen-Politikerin Weißler. Als erstes wird der Bau eines Gleichrichterwerkes in Angriff genommen, erklärte die BVG. Es wird Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln – eine wichtige Voraussetzung, damit die M10 aus Friedrichshain und Prenzlauer Berg im Fünf-Minuten-Takt ins Herz von Moabit weiterfahren kann. Ab Ende August dieses Jahres werde das Bauprojekt draußen auf den Straßen sichtbar sein. Der Gleisbau wird dann im Dezember 2021 beginnen. Im ersten Halbjahr 2023 soll der Betrieb auf der 2,2 Kilometer langen Neubaustrecke starten.

Das sind die Daten der Neubaustrecke: Länge 2210 Meter, fünf barrierefreie Haltestellen. Mehr als 50 Bäume werden gefällt, mehrere Dutzend Parkplätze fallen weg, außerdem Fahrstreifen in der Turmstraße und anderswo. Die Kosten betragen 33 Millionen Euro – anfangs war von 20 Millionen Euro die Rede. Erwartet werden bis zu 10.000 Straßenbahn-Fahrgäste pro Tag.