Königin zwischen den Reben: Daniela Schulz (51) ist die einzige Berliner Weinkönigin. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Weinköniginnen gibt es nur in der Pfalz und an der Mosel? Wer das dachte, liegt falsch: Auch in Berlin gibt es seit Jahren eine offizielle Vertreterin des Rebensaftes. Der KURIER bekam eine Audienz bei Daniela I., die aktuell die Britzer Weinkultur vertritt – und erfuhr, dass auch die Arbeit des Wein-Vereins unter der Corona-Krise leidet.

Seit Jahren wird in Britz Wein angebaut, auf einem Gelände am Koppelweg bewirtschaftet der Verein zur Förderung der Britzer Weinkultur gemeinsam mit dem Agrarbörse Deutschland Ost e.V. eine 5000 Quadratmeter große Fläche mit 1800 Reben. Jedes Jahr entstehen aus den Trauben  verschiedene Weine – mit den klangvollen Namen „Dufte“, „Schnieke“ und „Knorke“. Und sie ist hier die Majestät: Daniela Schulz (51) ist seit 2018 Britzer Weinkönigin!

Zu dem Job kam sie wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde, erzählt sie dem KURIER. „Eigentlich suchte ich ein Geschenk für Freunde, eine Flasche Wein aus Berlin“, sagt sie. Sie fragte sich durch, erfuhr durch Zufall vom Britzer Wein – und hörte, dass bald ein Weinfest stattfinden soll. „Ich ging hin, vor Ort wurde auch die Weinkönigin gewählt. Keiner traute sich, also meldete ich mich einfach.“ Eine Blitz-Karriere! Zwei Jahre würde sie ihr Amt ausüben. „Aber aufgrund der Corona-Krise, die uns die komplette Saison verhagelt, verlängere ich um ein Jahr“, sagt sie. Die Nachwuchs-Sorgen sind sowieso groß: „Ich bin die einzige Berliner Weinkönigin – und wir leben in einer Region, in der dieses Amt keine politische Angelegenheit ist.“

Prost, Eure Majestät! KURIER-Reporter Florian Thalmann mit Königin Daniela. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Schon vor ihrer Blitz-Wahl habe sie einen Bezug zum Wein gehabt: Geboren wurde sie in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz wuchs sie auf - an einem der berühmtesten Weinberge Deutschlands. „Denn von da kommt die Liebfraumilch“, sagt sie. Ein Wein, den nicht nur Kenner kennen. Seit zwei Jahren vertritt Daniela I., die hauptberuflich als Journalistin arbeitet, nun den Britzer Wein und Veranstaltungen – ein ehrenamtlicher Job, der sich durch die Corona-Krise stark veränderte. „Als Produktkönigin wäre ich normalerweise auf vielen Messen und Festen unterwegs gewesen, doch alles wurde abgesagt“, erzählt sie. „Auf der Grünen Woche haben wir uns alle noch für die nächsten Veranstaltungen verabredet, aber dann war Schluss.“ 

Der Weißwein „Schnieke“ ist nur einer von drei Tropfen aus Britz. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Die Folgen für den Verein sind verheerend. Denn der Britzer Wein wird in der Neuköllner Touristinformation und hauptsächlich auf Veranstaltungen verkauft. Das Geld fließt in die Arbeit auf dem Gelände. Doch nun: Keine Messen, sogar die Feste auf dem Grundstück am Koppelweg mussten ausfallen. Die Folge: Das Wein-Lager ist voller denn je. „Nun sitzen wir auf den Flaschen  und werden sie nicht los“, sagt Elfriede Manteufel aus dem Vereinsvorstand.

Durch die Corona-Lockerungen stehen nun aber wieder erste Veranstaltungen an. Am Freitag ist um 18 Uhr eine „Lesung unter Reben“ geplant. „Der Neuköllner Ex-Polizist Karlheinz Gärtner liest aus seinen Büchern über sein turbulentes Polizistenleben vor – und unsere neuen Jahrgänge 2019 von Schnieke und Knorke gibt es auch zu verkosten“, sagt Daniela. Aufgrund der Hygienevorschriften ist eine Anmeldung unter office@britzer-wein.de nötig. Weitere Lesungen sind am 7. und 28. August geplant.