Im August besuchte Gesundheitsminister Karl Lauterbach in Sachen E-Rezept eine Berliner Arztpraxis. Ob er sich da nochmals sehen lassen kann?
Im August besuchte Gesundheitsminister Karl Lauterbach in Sachen E-Rezept eine Berliner Arztpraxis. Ob er sich da nochmals sehen lassen kann? dpa/Kay Nietfeld

Es wird kalt in Berlins Arztpraxen: Wegen der Inflation und steigender Strom- und Heizungskosten drehen viele Mediziner an ihren Thermostaten. Gleichzeitig wird das Klima gegenüber der Politik frostig. Nach der Ankündigung der Milliarden-Unterstützung für Krankenhäuser geht der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin auf Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) los: „Herr Lauterbach und die Ampelkoalition setzen ihre arztfeindliche Politik fort. Wir fordern eine Gleichbehandlung mit den Krankenhäusern!“ 

Lauterbach hatte den Krankenhäusern am Dienstag eine Milliarden-Unterstützung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds zugesagt – bis zu acht Milliarden Euro.

Krankenhäuser sollen viele Milliarden Euro bekommen

Hohe Energiekosten und Preissteigerungen würden aber auch die Praxen betreffen, erklärt die KV Berlin. Die Politik solle ihnen finanziell unter die Arme greifen. Ohne staatliche Unterstützung werde sich die Situation in der ambulanten Versorgung weiter zuspitzen, es werde zu massiven Beeinträchtigungen in der Patientenversorgung kommen.

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Eine aktuelle Umfrage der KV Berlin zeigt, dass die Mehrheit der befragten Praxen die Kostensteigerungen bereits spürt – vor allem bei Strom (91 Prozent) und Heizung (93 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten habe von ihren Energielieferanten bereits „Preisanpassungen“ erhalten, von denen wiederum ein Drittel aussagt, dass die Energiepreise mindestens um das Doppelte gestiegen sind.

Aber auch beim Einkauf von Medizinprodukten berichten 43 Prozent der niedergelassenen Ärzte von Preissteigerungen- Bei technischen Geräten sind es 33 Prozent, bei „Artikeln des täglichen Praxisbedarfs“ wie Hygienematerial sogar 71 Prozent.

Manche Ärzte denken daran, ihre Praxis zu schließen

Um die Kosten zu senken, reizten die Praxen alles aus, was gehe.  Die meisten der gut 1200 Praxen, die sich mit aussagekräftigen Antworten an der Umfrage beteiligt hatten, hätten bereits Maßnahmen zum Energiesparen geplant oder umgesetzt. 83 Prozent wollen die Raumtemperatur nach unten regulieren oder haben das schon getan, 69 Prozent reduzieren Lichtquellen oder planen das.

Acht Prozent der Praxisinhaber denken an Schließung, Personalabbau oder Umzug in kleinere Räume.  Denn vereinzelt gebe es kein Sparpotenzial mehr, schreibt der Vorstand der KV Berlin. „Die aktuelle Energiekrise und die immer weiter steigenden Kosten durch die hohe Inflation sind für viele Praxen nur noch der Tropfen auf den heißen Stein.“ Hinzu kämen die seit Jahren steigenden Miet- und Personalkosten. „Insgesamt zeichnet sich eine fatale Gemengelage ab, die immer mehr Praxisinhaber darüber nachdenken lässt, ihre Praxis aufzugeben.“