Kinder bekommen ein Mittagessen in der Arche im Berliner Stadtteil Hellersdorf.
Kinder bekommen ein Mittagessen in der Arche im Berliner Stadtteil Hellersdorf. epd/Christian Ditsch

Täglich kommen Kinder und Jugendliche in die Arche und erhalten ein Mittagessen und Zuwendung. Viele Familien rechnen fest mit den Lebensmitteln, die es in der Arche gibt. Doch nun macht die Teuerung, wie auch den Tafeln in Berlin und Brandenburg, den Helfern das Helfen schwer.

Nach Worten eines Arche-Sprechers arbeitet das christliche Kinder- und Jugendwerk wegen der hohen Lebensmittelpreise aktuell an seiner Belastungsgrenze. „Ich habe es wirklich in der Form noch nicht erlebt und das wird in den nächsten Monaten auch schlimmer, weil es ja nicht absehbar ist, dass die Inflationsrate wieder sinkt“, sagte der Sprecher.

Bundesweit kommen 4500 Kinder in die Archen

Die Zahl der Kinder werde in den 30 Archen in Deutschland dokumentiert. Zurzeit kämen bundesweit im Schnitt 4500 Kinder und Jugendliche am Tag auf die 30 Einrichtungen verteilt. „Man kann davon ausgehen, dass das so 30 Prozent mehr sind als vor zwei, drei Monaten“, sagte der Sprecher. In den Familien ist das Budget knapp, wer auswärts essen kann, entlastet das Portemonnaie zu Hause.

Nach Angaben des Sprechers verteilte etwa die Arche in Berlin-Hellersdorf zuletzt an einem Tag Lebensmittel im Wert von 2000 Euro. Vor den Preissteigerungen sei es ein Bruchteil dessen gewesen. „In den 18 Jahren, in denen ich bei der Arche bin, habe ich so etwas noch nicht gesehen“, sagte der Sprecher.

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Das christliche Kinder- und Jugendwerk  erwartet weiter eine verstärkte Nachfrage nach kostenlosen Essens- und Freizeitangeboten für Familien. „Auf unsere Gesellschaft rollt in den kommenden Wochen und Monaten eine Armutswelle zu“, erklärte Arche-Gründer Bernd Siggelkow.

„Die Arche“ rechne damit, dass schon bald noch mehr hungrige Kinder ihre Standorte aufsuchen werden. Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Betriebskosten würden selbst Mittelstandsfamilien treffen. „Bei armen Familien bleibt der Einkaufswagen teilweise gleich ganz leer“, hieß es weiter. Viele Kinder könnten „nicht in die Ferien fahren, da sich ihre Familien das nicht leisten können“.

Kostenlose Mahlzeiten in der Arche

Am Monatsende gibt es noch nicht mal mehr Nudeln mit Ketchup. „Die Arche“ bietet unter anderem kostenlose Mahlzeiten, Freizeitaktivitäten sowie Feriencamps und Ausflüge an. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen werde dies allerdings zu einer immer größeren finanziellen Herausforderung. „Unterstützung wird daher dringend benötigt“, sagte Siggelkow.

Er forderte die Politik auf, „ein klares System“ zu etablieren, „das diesen Kindern hilft“. Es würden immer mehr Kinder, die sich nicht gesund ernähren oder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und deren Familien sich zu Beginn des neuen Schuljahres keine Lernmaterialien leisten können, weil das Geld für die immer teurer werdende Lebensmittel benötigt wird.

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Deshalb fordere die Arche eine Kindergrundsicherung in Höhe von 600 Euro. Die Hälfte solle direkt auf das Konto der Kinder fließen und die andere Hälfte in das Bildungssystem.

Neun Prozent der Berliner gelten als arm.  Sie haben nur die Hälfte dessen, was ein Durchschnitts-Berliner ausgeben kann. Besonders hart trifft es dabei oft Alleinerziehende. Fast 40 Prozent aller Alleinerziehenden mit Kind sind immer ganz knapp bei Kasse.