So sah der riesige AquaDom im Hotel Dom Aquaree vor der Explosion am Freitagmorgen aus.
So sah der riesige AquaDom im Hotel Dom Aquaree vor der Explosion am Freitagmorgen aus. IMAGO / Jochen Tack

Wer ist verantwortlich für die folgenreiche Katastrophe, bei der sich vergangene Woche in Berlin-Mitte eine Million Liter Wasser in Geschäfte, Büros und Hotelräume ergossen? Der Fall zieht immer weitere Kreise. Einem Bericht der B.Z. zufolge gab es für das Berliner Aquadom im DomAquarée überhaupt keine anwendbaren Bauvorschriften. Vielmehr wurde am 20. Juli 2001 ein Antrag auf eine Sondergenehmigung gestellt - ausgerechnet in der Zeit also, als gerade die CDU-Regierung unter Eberhard Diepgen abgewählt und der neue Senat unter Klaus Wowereit Neuwahlen vorbereitete. 

Die Sondergenehmigung wurde dem Bericht zufolge Anfang 2002 vom Bausenat erteilt, als sich gerade die rot-rote Koalition konstituiert hatte. Gestellt hatte den Antrag eine Tochterfirma des US-Acrylglasherstellers Reynolds Polymer, die ICM Concept International Management, die ebenfalls das 2010 in Dubai geborstene Aquarium gebaut hatte. Das Problem: für derartige Vorhaben existierten keine Bauvorschriften, die Sondergenehmigung des Berliner Senats hatte auch keine zeitliche Befristung, sah also auch nicht vor, dass möglicherweise im Nachhinein Bau- und nachvollziehbare Sicherheitsvorschriften greifen könnten.

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Aquarium hätte in einem gigantischen Ofen erhitzt werden müssen, sonst hätten Spannungsrisse gedroht

Die B.Z. zitiert den früheren Eigentümer einer niederländischen Firma, die ähnliche Vorhaben gebaut hat, Hermann Schuran (64), Gründer der Firma „Schuran Seawater Equipment“. Er habe eine Anfrage zum Bau des Aquadoms abgelehnt, weil ihm das Projekt eine Nummer zu groß gewesen sei. „Man kann nicht generell sagen, wie lange so etwas hält. Es gibt Rechenbeispiele mit 25 Jahren.“ 

Eine Voraussetzung für eine längere Betriebsdauer wäre Schuran zufolge ein gigantischer Ofen, in den das komplette Aquarium nach dem Bau und nach der Sanierung hätte geschoben werden müssen. Dort müsse das Aquarium auf 80 Grad erhitzt werden – ein gigantischer Aufwand. Unterbleibt dies, könnten Spannungsrisse im Glas entstehen. Überdies müsse der Betreiber alle zwei Jahre eine Sicherheitsprüfung durchführen, sonst sei das „fahrlässig“. Laut Eigentümer des Aquadom, die Finanzfirma Union Investments, war das Aquarium 2019 saniert worden.

Der derzeitige Bausenat widersprach der Darstellung, die Sondergenehmigung habe keine konkreten Vorschriften zur Prüfung des Bauwerks, vielmehr habe diese „die Verpflichtung für Eigentümer und Betreiber (enthalten), regelmäßig den Zustand der Konstruktion und ihre Einzelteile zu kontrollieren“.

Erheblicher Wasserschaden nach Aquarium-Debakel: DDR-Museum soll spätestens im April wieder öffnen

Das nach dem Platzen des riesigen Berliner Aquariums Aquadom beschädigte Berliner DDR-Museum soll spätestens am 1. April wieder eröffnen. Das teilte das Museum am Donnerstag mit. Große Mengen Salzwasser seien nach dem Unglück am 16. Dezember auch in die Ausstellung des Museums gedrungen, das unterhalb des Hotelkomplexes direkt am Spreeufer liegt. Die Folge sei „ein nicht unerheblicher Wasserschaden“, aufgrund dessen die Einrichtung schließen musste. Kulturgüter des Museums hätten aber keine bleibenden Schäden erlitten, sie seien von Mitarbeitern in Sicherheit gebracht worden.

Derzeit arbeite man daran, die umfangreichen baulichen Schäden schnellstmöglich zu beheben. Durch die Zerstörung des Aquariums und die Beschädigung des Gebäudes seien insbesondere technische Anlagen außer Funktion und müssten instand gesetzt oder erneuert werden.

Das 16 Meter hohe Aquarium mit 1500 Fischen darin war in einem Hotel an der Karl-Liebknecht-Straße am frühen Freitagmorgen geplatzt. Daraufhin ergossen sich eine Million Liter Wasser aus dem zerstörten Acrylglas-Zylinder unter anderem in die Kanalisation, viel aber auch in Keller und benachbarte Einrichtungen - etwa das DDR-Museum.