Eine mehrere hundert Meter lange Warteschlange bildet sich täglich in der Neuköllner Leinestraße.  Foto: Wolfgang Heise

Neukölln ist beinahe Spitze. Mit einer 7-Tage-Inzidenz weit über 1100 liegt der Bezirk bei den Corona-Infektionen bundesweit auf Platz 3 der Landkreise, Städte und Gemeinden. Um so ratloser sind Anwohner der Leinestraße, warum die sich täglich neu bildende, mehrere hundert Meter lange Warteschlange vor dem  Testzentrum in der Carl-Legien-Schule nicht ansteckungssicherer in eine Grünanlage umgeleitet wird. 

Vorbei an möglicherweise ansteckenden Corona-Infizierten

Anwohner Werner H. (50): „Die meisten, die hier anstehen, wollen einen kostenlosen PCR-Test, weil sie einen positiven Schnelltest hinter sich haben und potenziell ansteckend sind. Wenn ich aus meinem Haus komme oder hinein will, muss ich an all diesen Leuten vorbei.“ Das betreffe ein Dutzend Hauseingänge.

Der Mann weiß, dass die Ansteckungsgefahr im Freien gering ist, unwohl ist ihm und etlichen Nachbarn dennoch. Und er hat einen Vorschlag: „Das Schulgelände ist auch über die Grünanlage südlich der Leinestraße zu erreichen. Es würde reichen, an der Hermannstraße ein paar Schilder aufzustellen, um die Leute über den Park zur Schule umzuleiten.“

Thias Teuwen wohnt in der Leinestraße: „Ich hab keinen Bock, mich vor der Haustür zu infizieren. Wo bleibt da der Schutz der Bevölkerung?“ Foto: Heise

Stundenlange Wartezeiten – Berliner Behörde geht auf Anwohner-Vorschlag nicht ein

Der KURIER fragte bei der Senatsgesundheitsverwaltung nach, die das  Testzentrum als eines von elf landeseigenen Einrichtungen betreibt, was sie zu dem Vorschlag sagen könnte. Die Antwort: „Wir prüfen derzeit in alle möglichen Richtungen, wie wir die Kapazitäten für kostenfreie PCR-Tests erhöhen können und der Schlangenbildung vor dem Testzentrum entgegenwirken können.“  Auf den Vorschlag des Anwohners ging die Behörde nicht ein, eine Nachfrage blieb unbeantwortet.

Einen Überblick über die Testmöglichkeiten in Berlin gibt es hier. Allerdings muss man sich an allen Teststellen auf teilweise stundenlange Wartezeiten einrichten, weil die sich rasant ausbreitende Omikron-Variante einen hohen Testbedarf nach sich zieht. Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) hatte am Dienstag angekündigt, mit der Finanzverwaltung über mehr Personal und längere Öffnungszeiten zu verhandeln.