Herbert Köfer mit Angelika Mann auf der Bühne: Hier sind die zwei Stars im Lustspiel „Zwei Mann an einem Herd“ zu sehen (2007). MOZ/Gerd Markert

Er wurde 100 Jahre alt, stand 80 Jahre auf der Bühne: Herbert Köfer, der in über 300 Theater-, Fernseh- und Kinorollen Millionen von Menschen begeisterte. In ihren Herzen wird er für immer der TV-Rentner sein, der niemals Zeit hatte. Im KURIER erzählen jetzt Berliner in einer Serie ihre persönlichen Erinnerungen an den beliebten Volksschauspieler, der am vergangenen Sonnabend starb. Heute: Angelika „Lütte“ Mann (72).

Viele Menschen werden sich an Herbert Köfer als Komödianten und Schauspieler erinnern, der zu Lebzeiten viel Frohsinn verbreitete. So ist es auch bei Angelika Mann. Die Lütte erinnert sich aber auch an einen Herbert Köfer, der sehr ernst sein konnte.

Etwa in seiner letzten Rolle in dem ARD-Film „Krauses Zukunft“, in dem er einen 100-Jährigen spielte, der wegen eines Braunkohletagebaus aus seinem Haus vertrieben werden sollte. Oder den eiskalten SS-Offizier in dem Defa-Film „Nackt unter Wölfen“ (1963), mit dem Köfer zeigte, dass er auch ein hervorragender Charakterdarsteller ist. „Für diese Rolle hat Herbert den Oscar verdient“, sagt Angelika Mann. „Ich bin mir sicher, wären wir in Hollywood, hätte er ihn auch bekommen.“

Herbert Köfer: Statt Oscar gab es zwei Mal die „Goldene Henne“

In Deutschland erhielt Köfer zahlreiche Auszeichnungen (wie Nationalpreis der DDR, DDR-Fernsehliebling),  und er wurde vergangenes Jahr zum zweiten Mal mit dem beliebten Publikumspreis „Goldene Henne“ für sein Lebenswerk geehrt.

Herbert Köfer mit der Goldenen Henne: 2020 erhielt er den beliebten Publikumspreis zum zweiten Mal für sein Lebenswerk. dpa

Wie oft Angelika Mann den Star auf Premieren, Veranstaltungen traf oder mit ihm auf der Bühne stand, weiß sie gar nicht mehr. Doch an ihre erste, etwas ungewöhnliche Begegnung mit Herbert Köfer kann sich die Lütte noch genau erinnern.

„Das muss im Sommer 1956 gewesen sein, als ich sieben Jahre alt war“, sagt sie. „Mit meiner Mama war ich damals auf Hiddensee. Am Strand tauchte eines Tages ein junger, sehr gut aussehender Mann auf. Und die Menschen um uns herum sagten, er sei ein bekannter Schauspieler. Das muss doch Herbert Köfer sein. Meine Mutter und ich hatten ihn nicht erkannt. Wir hatten damals noch keinen Fernseher.“

Herbert Köfer und Angelika Mann auf der Bühne im Singspiel „Im weißen Rössl“, 2006 in der Comödie Dresden
Comödie Dresden/Olaf Hais

Herbert Köfer war damals schon einem größeren Publikum bekannt und bereits auf dem Weg, ein Star zu werden. Im DDR-Fernsehen hatte er die erste Silvestershow moderiert, spielte am Deutschen Theater und war ein beliebter Komödiant im Berliner Kult-Kabarett „Die Diestel“. Auf der Kino-Leinwand war der Künstler ebenfalls schon präsent. In der Komödie „Ein Polterabend“, bei der der legendäre Schauspieler Curt Bois (1901–1991) Regie führte, spielte Köfer 1955 an der Seite von Werner Peters („Der Untertan“, „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“).

Herbert Köfer und die Lütte: „Im weißen Rössl“ gemeinsam auf der Bühne

1999 kamen Angelika Mann und Herbert Köfer endlich auf der Bühne zusammen. Die heutigen Chefs des Berliner Kriminal Theaters, Wolfgang Seppelt und Wolfgang Rumpf, engagierten die beiden Stars für die Open-Air-Aufführung des Singspiels „Im weißen Rössl“ im legendären Treptower Biergarten Zenner. Es war einfach grandios: Köfer als griesgrämiger Berliner Fabrikant Wilhelm Giesecke und die Lütte als Serviermädchen und Postbote in einem. Ein echter Publikumskracher, der Folgen hatte. Jürgen Wölffer, damals Hausherr der Bühnen am Kurfürstendamm, engagierte Köfer und die Lütte für seine „Rössl“-Fassung, die er in den 2000er-Jahren unter anderem in seiner Comödie Dresden aufführen ließ.

Herbert Köfer mit Angelika Mann, Matthias Platzeck und Barbara Schöne bei der Feier zu seinem 90. Geburtstag. Imago/stock & people

„Ich erlebte Herbert als einen grandiosen Schauspieler“, sagt Angelika Mann. „Er hatte eine ungeheure Bühnenpräsenz, mit der er das Publikum an sich zog. Und mit seinen damals über 80 Jahren zeigte sich Herbert recht sportlich bei seinen Auftritten – ohne Rücksicht auf Verluste. Ich erinnere mich noch an eine Szene, in der er auf ein Bett sprang. Das hätte auch böse enden können.“

Herbert Köfer mit Erik S. Klein als SS-Mann in dem Defa-Film „Nackt unter Wölfen“ (1963): „Für diese ernste Rolle hat Herbert den Oscar  verdient“, sagt Angelika Mann.
DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer

Als Köfer 2003 mit „Köfers Komödiantenbühne“ seine eigene Theatergruppe gründete, war neben Wolfgang Lippert auch die Lütte dabei, die mit dem Star in Sachen Lustspiel mehrere Jahre durch die Lande zog. „Wir hatten viel Spaß, nicht nur auf der Bühne“, sagt Angelika Mann. „Ich werde nie vergessen, wie ich mit Herbert zu einem Theaterauftritt nach Dresden fuhr“, so die Lütte. „Im Auto erzählte er mir Anekdoten über den unvergessenen Gerd E. Schäfer, mit dem er ja in vielen Fernsehschwänken spielte, und machte ihn mir auch noch nach. Da hatte ich im Wagen nicht nur Herbert Köfer, sondern auch noch Gerd E. Schäfer. Was für eine lustige Fahrt, die ich gerne mit Herbert wiederholt hätte.“

Komik sei Schwerstarbeit, sagt die Lütte. Und Herbert hat sein Handwerk verstanden. „Präzise wie kein anderer hat er an seinen Rollen gearbeitet. Jede Handbewegung, jede Geste musste sitzen. Das sah man auch, wenn Köfer in Fernsehschwänken und Sketchen auftrat“, sagt Angelika Mann.

Herbert Köfer wird seinen Kollegen, Freunden und vor allem seinem Publikum fehlen. Er habe ein wunderbares Schauspielerleben gehabt, so die Lütte. „Es kann doch nichts Schöneres für einen Künstler geben, als bis zum Schluss auf der Bühne zu stehen“, sagt sie.