Der Angeklagte Tilo P. verbirgt im Gericht sein Gesicht vor Fotografen. Vom Vorwurf der Brandstiftung sprach ihn das Amtsgericht Tiergarten frei. (Archivfoto) 
Der Angeklagte Tilo P. verbirgt im Gericht sein Gesicht vor Fotografen. Vom Vorwurf der Brandstiftung sprach ihn das Amtsgericht Tiergarten frei. (Archivfoto)  Pressefoto Wagner

Der Neonazi kam glimpflich davon: Freispruch für Tilo P. (39) vom Vorwurf der Brandstiftung. Wegen anderer Taten gab es 4500 Euro Strafe. Die Anklage hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert.

Der sogenannte Neukölln-Komplex sorgte im Süden Berlins jahrelang für Angst und Schrecken: 23 ausgebrannte Autos, eingeworfene Scheiben, Hass-Botschaften, Drohungen, Nazi-Schmierereien. Insgesamt soll die rechte Serie über 70 Taten umfassen.

Pannen und Versäumnisse bei den Ermittlungen

Nach Pannen und Versäumnissen bei den Ermittlungen begann Ende August der Prozess gegen mehrere Berliner Neonazis. Wegen Brandstiftung und weiterer Vorwürfe angeklagt: Ex-AfD-Mitglied Tilo P. und Ex-NPD-Kader Sebastian T. (36). Waren sie an Anschlägen auf Autos von zwei Männern beteiligt, die gegen Rassismus und Hass auftraten?

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Das Amtsgericht Tiergarten trennte das Verfahren gegen T. am Donnerstag ab und urteilte im Fall P.: Freispruch vom Vorwurf der Brandstiftung. Kein Nachweis mit „der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit“. Zwar hätten P. und T. vermeintliche politische Gegner ausspioniert – „aber das reicht nicht“. Dass sich P. in der Nähe der Tatorte aufgehalten habe, sei nicht festzustellen.

Linke-Politiker: „Das Gefühl war lebensbedrohlich“

Die Nacht des 1. Februar 2018. Damals wurden die Autos eines Buchhändlers und des Linke-Politikers Ferat Kocak angezündet. Der Politiker: „Das Gefühl war lebensbedrohlich.“ Jetzt der Freispruch. Für Kocak geht in die rechte Szene das Signal, „dass sie agieren können, wie sie wollen“.

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Wegen Nazi-Schmierereien und Aufklebern mit rechten Botschaften wurde P. allerdings zu 150 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt – „schuldig der Sachbeschädigung in acht Fällen und in drei Fällen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Der Prozess gegen T. geht Mittwoch weiter.