Rettungswagen vor der Notaufnahme am Benjamin-Franklin-Krankenhaus in Berlin Sabine Gudath

Gleich fünf Berliner Bezirke belegen die Spitzenplätze bei den höchsten Corona-Inzidenzen Deutschlands. Die Zahlen klingen dramatisch: Allein in Pankow wurden binnen sieben Tagen offiziell 8224 Personen Corona-positiv getestet, die 7-Tage-Inzidenz dort beträgt sage und schreibe 2034,7. Doch die Inzidenz im Bezirk Mitte geht förmlich durch die Decke: 11.861 Corona-Infizierte in einer Woche machen den Bezirk zu Deutschlands Corona-Hotspot mit einer Inzidenz von 3166,5.

Warum gibt es so viele Corona-Fälle in Berlin-Mitte?

Aber was steckt hinter diesen Zahlen tatsächlich? Zur Einordnung muss man wissen, dass PCR-Tests nicht nur bei Verdacht auf Corona-Erkrankungen vorgenommen werden, sondern beispielsweise auch zur Standard-Diagnostik bei stationären Krankenhaus-Einweisungen gehören. In Mitte liegt eine der größten Universitätskliniken Europas, die Charité, mit 3000 Betten. Dazu kommen noch weitere Kliniken in dem Bezirk wie die DRK-Kliniken, das Bundeswehrkrankenhaus und weitere Einrichtungen. Dies trägt dazu bei, dass in dem Bezirk strukturell mehr Infektionen erfasst werden als in anderen Bezirken.

Immer deutlicher kristallisiert sich Eines heraus: Die massiv angestiegenen Infektionszahlen haben in der Hauptstadt bislang keinen Kollaps des Gesundheitssystems zur Folge. Die Hospitalisierungs-Quote bleibt im roten Bereich, doch trotz angestiegener Krankenhaus-Einweisungen flacht sich die Kurve gerade wieder ab. Die Situation auf Berlins Intensivstationen ist bei einer Auslastung von 17,5 Prozent mit schwerstkranken Corona-Patienten stabil.

Offensichtlich hat hierzu auch die beachtliche Impfquote von 74,3 Prozent aller Berlinerinnen und Berliner beigetragen. Jeder zweite Geimpfte ist inzwischen geboostert. Ungeimpfte wiederum sind von erheblichen Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen: Sie können sich legal weder in Kneipen noch im Kino infizieren. Auch wenn dies zu viel Unmut bei einem Teil der Bevölkerung geführt hat, hatten die Corona-Maßnahmen offenbar einen deutlichen Effekt.

Wie wirkt sich die Omikron-Welle auf Berlins Intensivstationen aus?

Etwa seit Jahreswechsel ist die Omikron-Variante des Coronavirus gegenüber der bis dahin vorherrschenden Delta-Variante dominant. Mit einer Verzögerung von mehreren Wochen lässt sich nunmehr erkennen, dass von infizierten Reiserückkehrern und Menschen, die sich innerhalb Berlins Anfang des Jahres mit der Omikron-Variante angesteckt hatten, insgesamt nicht mehr Menschen schwer erkrankt sind. Tatsächlich geht die Auslastung der Corona-Intensivstationen sogar leicht zurück.  Erwartet wird, dass die Infektionszahlen im Februar nochmals deutlich ansteigen.

Noch ist es also zu früh, Vorsichtsmaßnahmen wie Maskenpflicht, Abstandsgebot und Testpflicht zu lockern. Corona-Experten erwarten allerdings, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle bereits im Februar überschritten sein wird. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte für diesen Fall bereits schrittweise Corona-Lockerungen angekündigt.