Der angeklagte Amokfahrer Sarmad A. vor dem Landgericht. Pressefoto Wagner

Er rammte drei Motorradfahrer beinahe tödlich, sprach nach der Amokfahrt auf der A100 von einem „Engel des Todes“: Sarmad A. (31).

Gericht: Amokfahrt kein islamistischer Anschlag

Das Landgericht urteilte: „Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wird angeordnet.“ Er sei wegen einer akuten Psychose schuldunfähig gewesen. Es sei kein islamistischer Anschlag gewesen. Der Iraker habe „im Rahmen eines krankhaften Wahngeschehens“ gehandelt – in dem Wahn seien allerdings „religiöse und islamistische Elemente enthalten“. Das Gericht verhängte zudem eine Führerscheinsperre von fünf Jahren.

Es war 18.30 Uhr, als am 18. August 2020 seine Amokfahrt auf der Berliner Stadtautobahn begann. Wenige Stunden zuvor hatte der Sarmad A., der seit 2016 in Deutschland lebt und abgelehnter Asylbewerber ist, sich auf Facebook in einem roten Shirt und mit dem schwarzen Opel Astra gezeigt, mit dem er kurz danach den Anschlag beging.

Erst touchierte er ein anderes Auto, dann machte er Jagd auf Motorradfahrer

Am Dreieck Funkturm touchierte er zunächst einen anderen Wagen. Im riskanten Zickzack-Kurs und mit durchschnittlich 117 Sachen raste er weiter. Gut 15 Minuten lang sorgte er dann auf der zu dieser Zeit viel befahrenen A100 für Angst und Schrecken.

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Rettungskräfte auf der A100 nach der Amokfahrt. Im Hintergrund das Auto von Sarmad A.

Vier Pkw streifte er, in einem war ein Vater mit seiner fünfjährigen Tochter unterwegs. Dann wollte er aus Sicht der Ermittler töten – „er hat gezielt Jagd auf Motorradfahrer gemacht“, so der Oberstaatsanwalt in seinem Plädoyer. Es sei rechtlich von versuchtem Mord in drei Fällen auszugehen.

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Zeugen schilderten im Prozess: „Er hielt direkt auf das Motorrad zu.“ Er sei „rasend schnell“ aufgefahren. „Wie ein Kamikazefahrer.“ Die Opfer hatten keine Chance, wurden erheblich verletzt. Richterin: „Die drei Motorradfahrer sind körperlich und seelisch schwer gezeichnet.“

Nach der Amokfahrt stellte er eine Munitionskiste aufs Autodach und rollte einen Gebetsteppich aus

Nach dem dritten Motorrad-Crash musste A. stoppen. Er stellte eine alte Munitionskiste aufs Autodach, rollte einen Gebetsteppich aus, betete, rief laut Zeugen „Allahu Akbar“, bezeichnete sich als „Soldat Gottes“ und erklärte später: „Der schwarze Engel des Todes lenkte das Auto.“

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Im Prozess schwieg der Iraker zu den Vorwürfen, hoffte aber Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie. Die Richterin aber: „Er hat bislang keine Krankheits- und Behandlungseinsicht.“ Weil er die Einnahme von Medikamenten ablehne, sei „jederzeit zu erwarten, dass er erneut akut psychotisch wird“. Er leide seit 2018 an einer paranoiden Schizophrenie.