Die Angeklagten: Stefan K. (vorne), Dennis Y. (Mitte) und Philipp G. (hinten). Pressefoto Wagner

Ein Polizeibeamter unter Prügel-Verdacht: Er soll in seiner Freizeit mit zwei weiteren Männern einen jungen Asylbewerber krankenhausreif geschlagen haben.

Fast fünf Jahre später der Prozess. Polizist Stefan K. (42) auf der Anklagebank, daneben Maler Philipp G. (29) und Maurer Dennis Y. (26). Auf gefährliche Körperverletzung lautet die Anklage. Ein mögliches Motiv wird im Prozess nicht genannt. Zeugen allerdings sollen von rassistischen Äußerungen berichtet haben.

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Der Polizist, die beiden Handwerker und der damalige Asylbewerber Jamil A. (Name geändert) waren sich am Abend des 5. April 2017 zufällig begegnet. Auf dem S-Bahnhof Karlshorst kreuzten sich ihre Wege.

Die Schläger kamen von einem Spiel des 1. FC Union

Der damals 26-jährige A. wollte zu einem Freund, die anderen kamen aus dem Fußballstadion an der Alten Försterei. Wohl mit Frust: Der 1. FC Union Berlin hatte 0:1 gegen Erzgebirge Aue verloren.

Dennis Y. und Philipp G. gerieten laut Ermittlungen mit A. aneinander. Polizist K., außer Dienst an dem Abend und wie die beiden Handwerker ziemlich angetrunken, soll sich spontan beteiligt haben.

Die Anklage: „K. warf eine Glasflasche.“ Er habe in Richtung von A. geworfen, nicht getroffen. Als Jamil A. weglief, seien alle drei Männer hinterher – sie hätten spontan einen „gemeinsamen Tat-Entschluss“ gefasst, so der Staatsanwalt. Mit Ästen und Stöcken sollen sie A. traktiert haben. Die Nase wurde ihm gebrochen, er erlitt außerdem ein Hämatom am rechten Schulterblatt.

Jamil A. war bis dahin gut integriert, arbeitete unter anderem in einer Einrichtung der Lebenshilfe. Doch sein Asylantrag wurde abgelehnt. Alles kam zusammen. Seine Anwältin: „Er ist nach der Tat auf dem S-Bahnhof abgestürzt.“

Der verprügelte Asylbewerber wurde inzwischen abgeschoben

Im Prozess ist er Nebenkläger, aber der Platz neben seiner Anwältin blieb leer: Jamil A. wurde im März 2020 nach Afghanistan abgeschoben. Nur Tage zuvor war ein erster Prozess um den Vorfall auf dem S-Bahnhof geplatzt – coronabedingt.

Stockend begann nun der zweite Prozess: Eine Zeugin erkrankt, zwei fehlten ohne Entschuldigung. Nur ein Elektromonteur (60) konnte befragt werden. Er allerdings hatte den Beginn der Auseinandersetzung nicht mitbekommen.

Was gebrüllt wurde, konnte er nicht verstehen. Der Zeuge sah: „Drei liefen hinter einem her.“ Auch eine Flasche sei geflogen – „von draußen in die Bahnhofshalle“. Alles sei sehr schnell gegangen. Schläge aber habe er nicht beobachtet.

War es Hasskriminalität? Pikant: Stefan K. war bis kurz vor dem Geschehen in Karlshorst bei einer Sonderermittlungsgruppe der Polizei, die in der rechtsextremen Anschlagsserie in Neukölln ermittelte. Vor der Richterin hüllten sich die drei Angeklagten in Schweigen. Fortsetzung am 25. Februar.