Peter Groß, startbereit: Am späten Abend machte er sich mit medizinischen Spenden von Vivantes ostwärts auf. Volkmar Otto

Das ging schnell: Am Montag fragte der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk bei der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) an, ob Berlin helfen könne. Am Mittwoch früh war ein Sattelschlepper voll mit medizinischem Material in der polnischen Stadt Pruzskow bei Warschau, von wo aus die Spenden aus dem Bestand von Vivantes in die Ukraine weiterverteilt werden sollen.

Rund 30 Paletten unter anderem mit Medikamenten, Infusionslösungen, Verbandsmaterial, Desinfektionsmitteln, Kitteln, Windeln  und Trinkwasser waren auf dem Lkw der Firma Loca Logistic, den der Disponent Peter Groß (30) am späten Abend nach Polen steuerte. Das Material stammte aus verschiedenen Lagern, wurde schnell zusammengestellt und in Spandau zentral in den Sattelschlepper verladen.

Abgeladen: Die Spenden von Vivantes im Logistikzentrum bei Warschau. Peter Groß

„Ich bin gut durchgekommen“, berichtete Groß dem KURIER, er war sogar anderthalb Stunden zu früh am Ziel: Das Logistikzentrum  macht erst um 8 Uhr morgens auf. Nach der vorgeschriebenen Pause von neun Stunden sollte es dann zurück nach Berlin gehen.

Gruppenbild mit Lkw: Dorothea Schmidt von Vivantes, Botschafter Andrij Melnyk, die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und Peter Groß, der die Fuhre in der Nacht zu Mittwoch nach Polen brachte. Volkmar Otto

Die Spenden, die am Dienstagabend vor der ukrainischen Botschaft (Albrechtstraße, Mitte) von Giffey und der Vivantes-Geschäftsführerin Dorothea Schmidt an Melnyk formal  übergeben worden waren, würden dringend gebraucht, erklärte der Botschafter: „Es gibt Tausende von Verletzten.“  Bombardierung und Beschuss ukrainischer Städte seien inzwischen schlimmer als im syrischen Aleppo.

Seitens des städtischen Klinikkonzerns Vivantes hieß es, die Spende, der weitere folgen sollen, werde keine Lücken  in die Versorgung in Berlin reißen. Man werde nachbestellen.

Der Regisseur Peter Cant zündet an der Wand der ukrainischen Botschaft Kerzen an. Volkmar Otto

Der kleine „Staatsakt“ vor der Botschaft war gleichsam eingebettet in andere Solidaritätsbekundungen. Der englische Regisseur Peter Cant zündete Kerzen auf dem Gehweg an, wo andere Menschen schon Blumen und Plakate gegen Putins Krieg niedergelegt hatten. Cant arbeitet mit der ukrainischen Schauspielertruppe „Hooligan Art Community“ zusammen, deren Mitglieder jetzt in der einen oder anderen Form in der Ukraine untergetaucht seien. Cant: „Sie sind so jung, so stark, so frei, so weise. Die besten Schauspieler, mit  denen ich jemals gearbeitet habe.“

Musik in der Kälte: Ukrainische Gesänge vor dem Deutschen Theater. Volkmar Otto

Ein paar Meter weiter sah es blau-gelb am Deutschen Theater aus, vor der Tür sangen ukrainische Künstlerinnen und Künstler, begleitet von Musikern des Kreuzberger ogalala-Theaterkollektivs. Zuvor hatte es drinnen Lesungen gegeben. Die Veranstaltung unter dem Motto „Verbunden bleiben!“ sollte Spenden bringen:  ogalala sammelt Geld zur Unterstützung ukrainischer Künstler, die normalerweise am im ganzen Land veranstalteten, sich über alle Ausdrucksformen erstreckenden Festival zeitgenössischer Kunst, dem „Gogolfest“ teilnehmen – darunter auch Cants Truppe.