Im Impfzentrum im Velodrom ist auf dem Boden ist eine Markierung mit einem Pfeil und einer Spritze. Foto: dpa/Christophe Gateau

Angeblich wird durch die Berliner Gesundheitsverwaltung zur Terminvergabe für Corona-Impfungen eine Software ein, die für die Vergabe vieler Termine gar nicht eignet. Das jedenfalls behauptet das Team von AlgorithmWatch einen Dienst für Arztpraxen ein, der sich für Impfzentren mit tausenden Terminen am Tag offenbar nicht eignet. Dadurch haben möglicherweise Berliner einen späteren Impftermin erhalten, obwohl frühere Termine verfügbar gewesen wären.

Laut AlgorithmWatch stellten eine Nutzerin am Sonntag fest, dass ihr ein früherer Termin angeboten wurde, nachdem sie statt „gesetzlich versichert“ „privat versichert“ bei der Online-Eingabe auswählte. Eine Recherche von AlgorithmWatch ergab, es liegt nicht am Versichertenstatus, es war ein schlichter Zufall.

AlgorithmWatch kam zum Ergebnis: „NutzerInnen, die auf die Terminvergabeseite eines der Berliner Impfzentren kommen, bekommen als nächsten Tag mit freien Impfterminen einen scheinbar zufälligen Termin angezeigt. Wie dieser Termin ausgewählt wird, folgt einer von außen nicht ersichtlichen Logik.“

Um eine große Menge gleichzeitiger Terminanfragen verarbeiten zu können, muss die verantwortliche Firma Doctolib ein Verfahren einsetzen, um Doppelbuchungen zu verhindern. Was für Arztpraxen funktioniert, macht anscheinend in Impfzentren in Großstädten Probleme.

Senat wurde über die Probleme informiert

Die Untersuchungen von AlgorithmWatch deuten darauf hin, dass das System Terminbereiche kurzzeitig reserviert, diese für andere Nutzer dann nicht zugänglich sind. AlgorithmWatch schreibt: „Wenn dadurch die Streuung der Termine nur wenige Tage betrüge, wäre das Verfahren möglicherweise akzeptabel. Unterschiede im Terminangebot von einem Monat – ohne Hinweis, dass es sich ggf. nicht um den nächstmöglichen Termin handelt – sind aber schlicht fahrlässig“.

AlgorithmWatch hat beim Senat und Doctolib nachgefragt. Laut Doctolib reagierte und teilte mit, das beobachtete Phänomen sei der Einpflege zusätzlicher Termine geschuldet gewesen. Das Unternehmen bestätigte, dass es derzeit zu vielen zeitgleichen Buchungen online kommt und Termine zeitweise geblockt werden. Wie genau diese Blockung funktioniert und warum User nicht darauf hingewiesen werden, dass sie möglicherweise nicht den nächstmöglichen Termin angezeigt bekommen, erläuterte Doctolib in seiner Antwort an AlgorithmWatch nicht.