Mit einem Spezialflugzeug kam der schwer kranke Kreml-Kritiker Alexej Nawalny am 22. August in Tegel an, wurde in einer Spezialtrage aus dem Jet gehoben, dann in die Charité transportiert. Foto:  dpa

Der schwer erkrankte russische Kreml-Kritiker Alexej Nawalny (44), der seit dem Wochenende in der Berliner Charité behandelt wird: Die klinischen Befunde weisen auf eine Vergiftung des Oppositionspolitikers hin, erkärte die Klinik am Montagnachmittag.

Nawalny, der auf einer Intensivstation weiter im künstlichen Koma liegt, wurde gleich nach seiner Ankunft in der Charité von einem Ärzte-Team eingehend untersucht. Die Befunde würden auf eine Vergiftung durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer (werden bei der Therapie bei einer Alzheimer-Demenz eingesetzt) hinweisen, teilte Charité-Sprecherin Manuela Zingl mit. „Die Wirkung des Giftstoffes, das heißt die Cholinesterase-Hemmung im Organismus, ist mehrfach und in unabhängigen Laboren nachgewiesen“, sagt sie.

2017 musste Alexej Nawalny vor Gericht, zeigt ein Victory-Zeichen, während er neben einem Sicherheitsbeamten sitzt.  Foto: dpa

Die genaue Substanz sei aber noch unklar, heißt es weiter. Nawalny würde nun mit einem Gegenmittel behandelt. „Der Ausgang der Erkrankung bleibt unsicher“, sagt die Charité-Sprecherin. „Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.“

Der bekannte Anti-Korruptions-Aktivist und scharfe Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin war vergangenen Donnerstag in ein Krankenhaus im sibirischen Omsk eingeliefert worden, nachdem er während eines Fluges nach Moskau heftige Krämpfe bekam, das Bewusstsein verlor. Nawalnys Umfeld geht davon aus, dass er durch einen Tee vergiftet wurde, den er kurz vor dem Abflug trank. Die Ärzte in Omsk wollen keine giftige Substanz im Körper des Patienten gefunden haben.

Danach wurde Nawalny am Wochenende nach Berlin geflogen. Den Transport in die Charité hatte unter anderem die Berliner Initiative „Cinema for Peace“ organisiert.

Die Ehefrau des russischen Oppositionellen,  Julia Nawalny (li.), kommt mit einer Begleiterin in die Charité. Foto: dpa

Bereits am Montagvormittag hatte die Bundesregierung eine Vergiftung des Kreml-Kritikers für möglich gehalten. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, dass sich jetzt in der Charité das Bundeskriminalamt (BKA) um die Sicherheit Nawalnys kümmern wird. Über Einzelheiten der Schutzmaßnahmen wurde aber geschwiegen.

Das BKA ist laut Paragraph 6 des Bundeskriminalgesetzes unter anderem zuständig für den Personenschutz von Mitgliedern der Bundesregierung, aber auch von ausländischen Gästen, beispielsweise bei Staatsbesuchen. „Zu Umständen und operativen Einzelheiten von Schutzmaßnahmen des Bundeskriminalamtes gibt das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat grundsätzlich keine Auskunft, um deren Erfolg nicht zu gefährden“, sagte Behördensprecher Björn Grünewälder dem KURIER.