Einige Leser würden das Alexa gerne abreißen. Foto: Imago Images/Sascha Steinach

Wir haben unsere Leserinnen und Leser gefragt, welche Gebäude ihnen ein Dorn im Auge sind. Hier sind Ihre Antworten mit einigen wirklich überraschenden Vorschlägen.

Berlin braucht überhaupt keine Europacity!

Leicht trauernd und vom Humor kaum erreicht habe ich Ihren architekturkritischen Artikel gelesen. Mich traf fast der Schlag, dass zwar das Meininger-Hotel erwähnt war, aber nicht die unglaubliche Lebensfeindlichkeit eines ganzen Quartiers direkt um die Ecke! Ich weiß ja, dass die meisten Journalistinnen und Journalisten in Kreuzberg und Neukölln wohnen und dementsprechend alles nördlich des Hauptbahnhofs etwas vernachlässigt ist. Aber bis heute ist mir unbegreiflich, dass die „Europacity Berlin“, dieser Menschenverwahr-Moloch in nordöstlicher Richtung des Bahnhofs, kaum journalistisch gewürdigt wurde. Als Anwohnerin des Sprengelkiezes im äußeren Wedding radele ich oft über die Heidestraße, an deren Seiten dieses „echt coole“ (Zitat aus der Sprechblase einer riesengroßen, abscheulich pseudohippen Werbewandfigur) Viertel gebaut wurde. Das Viertel selbst besteht ausschließlich aus eigenschaftslosen, quaderförmigen, graubeigen Kaninchenställen, Seit’ an Seit’, über eine Strecke von anderthalb Kilometern. Um ja kein Bauland zu verschwenden, sind sie bis an den äußerstmöglichen Rand der vierspurigen, fast geraden Rennstrecke Heidestraße gebaut. Grünflächen, Platz zum Atmen oder irgendeine Ahnung davon, wo Menschen gern wohnen, lassen sich nicht einmal erahnen. Dafür mittendrin eine fette Tanke. Caroline Sosat

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Zurück in die LEGO-Schachtel mit der Siemensstadt 2.0!

Ich würde die Siemensstadt 2.0 abreißen. O. k., die ist noch nicht gebaut, noch nichts weiter als eine Vision. Aber was hier gebaut werden soll, wird sich in die Reihe der baulichen Scheußlichkeiten an die Spitze setzen. Es werden nur hässliche viereckige Kästen gebaut, nichts Geschwungenes, keine Kurven oder Bögen. Das Areal sollte dann auch gleich nach Fertigstellung in Legoland umbenannt werden. Wenn die Siemensstadt 2.0 fertig ist, wird man Alexa als gelungene Schönheit empfinden. Ach so – die Siemensstadt 2.0 soll ja jetzt Siemensstadt² heißen! Quadrat – das passt. Mario Pieschel

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Was soll denn das blöde Stadtschloss da!

Natürlich würde ich das Stadtschloss abreißen. Als Ossi wurde ich von früh an mit der Gewissheit geimpft, dass die Geschichte eine Richtung kennt. Wie die Gravitation eben. Fällt was runter, geht es kaputt oder jemandem auf den Kopf. Der Sozialismus würde über den Kapitalismus siegen. Nun gut. Die Gravitation gilt noch. Seit dem „Wiederaufbau“ des Stadtschlosses zweifle ich aber an allem. Warum diese Schlosssimulation? Wegen der Geschichte?! Eine Familie, deren Nachfahren heute nur wegen peinlicher Geldgier auffallen, demonstrierte einst auf diesem Platz, wer nun das Sagen hatte: die Hohenzollern. Lief über Jahrhunderte und bescherte uns deutsche Kaiser. Der Rest ist bekannt. Der Laden wurde gesprengt, gefolgt vom Asbest der Republik, der nach der Wende wegmusste. Dann ein Moment der Magie und die Vergangenheit wurde neue Zukunft. Warum? Weil die Kaiserfamilie sich so verdient gemacht hatte für Deutschland? Und dann wird dieser Schlossfake auch noch mit Raubkunst gefüllt. Gibt es Freud’sche Symbolik? Man könnte verzweifeln – wenn nicht Covid-19 wäre: Dank des Virus war bisher kaum wer dort. Thomas Schwotzer

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Potsdamer Platz und Breitscheid stehen ganz oben auf der Liste!

Als Antwort auf Ihre Frage, welche Gebäude in Berlin abgerissen gehören, könnte man sicherlich eine lange Excel-Liste beginnen. Punkt 1: Potsdamer Platz und Umgebung. Das Sony Center und besonders die Mall of Berlin haben den ehemaligen Verkehrsknotenpunkt komplett verändert. Aus den großen Freiflächen mit ein paar Gebäuderelikten wie dem Bundesrat ist ein Zombie-Stadtteil geworden, der so auch auf dem Mars oder in der aserbaidschanischen Hauptstadt stehen könnte. Das ist so austauschbar und beliebig, es gibt wenige Orte in der Stadt, die so dermaßen gefühlsleer sind. Die Alternative? Das weiß ich auch nicht. Punkt 2: das Areal um den Breitscheidplatz. Berlin hat es geschafft, jeder Generation der Bausünden gleich ein ganzes Quartier zu widmen. Und nach den 2000ern am Potsdamer Platz zeigt der Breitscheid Platz das Schlechteste der 60er. Eine Ruine ohne Funktion, die man mangels Mitteln doch nicht ersetzt hat, auch weil das Gebäude nicht mehr in den Zeitgeist passte. Damit eine Kirchenruine noch etwas hässlicher ist, hat man sie durch Beton-Brutalismus ergänzt. Daneben ein Augenkrebs von Brunnen aus dem Augenkrebs-Jahrzehnt der 80er. So viel Berliner Weiße kann man in den Außenflächen der Lokale des Europa-Centers gar nicht trinken, um es zu ertragen. Vor lauter Hässlichkeit muss man dann lieber in den Kneipen im Center-Keller trinken. Alleine diese Tatsache verdient die Abrissbirne. Kevin Rahn

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Europa Center, Bierpinsel und Alexa – alles muss raus!

Oh ja, das Alexa würde ich auch gerne abreißen! Auf den Bierpinsel könnte ich genauso gut verzichten, das Europa Center hat mir an dieser Stelle nie gefallen, zumindest gehört es versteckt hinter eine grüne Fassade. Unsäglich – gerade auch aus historischer Sicht – finde ich das Stadtschloss, aber nun isses da und wird bald hoffentlich auch mit Inhalten gefüllt, die ins 21. Jahrhundert passen. Auch schlimm: Solche Gebäude wie die von Primark und Saturn am Alex sind fürchterlich nichtssagend. Der Platz wirkt hart und unwirtlich, nirgendwo Charme und Leichtigkeit, keine Lust zu verweilen. Ich finde, dass die Berliner Bauordnung nicht nur architektonische Standards enthalten sollte, sondern auch solche, die sich am Gemeinwohl orientieren. Barbara Esch-Eckert

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Das Haus der Statistik braucht auch niemand mehr!

Als Abrisskandidat würde ich das Haus der Statistik nennen. Ich halte den Erhalt und den Umbau dieses Bürohauses ohne architektonischen Anspruch für eine Verklärung der Architektur der DDR. An dieser Stelle des Alexanderplatzes sollte Neues gewagt werden, anstatt einen Bürozweckbau zu bewahren, der dazu energetisch äußerst ineffizient ist. Hier geht es offenbar in erster Linie nicht um Nachhaltigkeit durch Umbau und Neunutzung von Altbausubstanz, sondern um „Ostalgie“, also die Bewahrung der alten Nachkriegsbebauung in Ost-Berlin. Dieses steht einer städtebaulichen Verbesserung durch Annäherung an die bauliche Vorkriegssituation absolut entgegen. Damit wird die Chance für eine urbanere Stadtgestalt an dieser Stelle Berlins blockiert und vertan. Auch die weiteren großformatigen, scheibenförmigen Bürohäuser mit monotonen Fassaden an der Alexanderstraße oder die ebensolchen Wohngebäude an Rathausstraße und Karl-Liebknecht-Straße sollten durch Gebäude mit abwechlungsreicheren Fassaden sowie vielfältigeren Nutzungen ersetzt werden. Ebenso sollten die überbreiten mehrspurigen Straßen und Verkehrsflächen zurückgebaut werden. Klaus Göttsch

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