Albrecht Broemme wollte eigentlich in seinen wohlverdienten Ruhestand gehen. Nun hat er in nur fünf Wochen das Berliner Corona-Krankenhaus aufgebaut. Foto: dpa

Die Stunde der Wahrheit ist da. Für den Berliner Ex-Feuerwehrchef Albrecht Broemme (66), der vom Senat den Auftrag erhielt, die Messehalle 26 (Jafféstraße) zur Corona-Klinik umzubauen. Nach nur fünf Wochen ist er am Ziel. Jetzt prüfen Gutachter den Klinik-Bau. Läuft alles gut, kann Broemme den Bau am Donnerstag als fertig melden.  

Experten schätzten, dass die Klinik erst in Monaten stehen würde. Doch Broemme zeigt, dass man in Berlin für Bauvorhaben kein Jahrzehnt wie beim BER braucht. „Wir sind in einer Affengeschwindigkeit fertig geworden“, sagt er dem KURIER. „Behörden und Firmen haben Hand in Hand gearbeitet. Am 17. März erhielt ich den Auftrag. Zehn Minuten später war die Baugenehmigung da. Wenn alle an einem Strang ziehen, können in Berlin auch Großprojekte klappen.“

"Von sechs Uhr früh bis Mitternacht wurde gearbeitet"

Bis zu 120 Bauleute arbeiteten an der Corona-Klinik. „Von sechs Uhr früh bis oft um Mitternacht, sogar an Wochenenden und an den Osterfeiertagen“, sagt Broemme. Bei den Umbaukosten liege man unter den geplanten 31 Millionen Euro, schätzt er. „Das gibt es in Berlin auch nicht so oft.“

In der Halle 26 (12.000 Quadratmeter) standen noch im Herbst auf der Bootsmesse Jachten. Jetzt erinnert daran nichts mehr. Zwischendecken wurden gezogen. Teilweise aus Metallgerüsten, die zuvor als Bühnenaufbau für die Shows des Comedian Mario Barth im Olympiastadion dienten. Böden wurden neu verlegt. An manchen Stellen mit schweren Platten, damit darauf Computertomographen (die sind bis zu fünf Tonnen schwer) stehen können.

Blick in das Behandlungszentrum: Die Technik ist verlegt, erste Betten sind aufgestellt. Foto: Volkmar Otto

 Die Patienten-Bereiche sind in mehreren Abteile aufgeteilt. „In jedem stehen 18 bis 24 Betten mit oder ohne Beatmungsgeräten“, so Broemme. Drei Kilometer Elektrokabel und Sauerstoffleitungen wurden verlegt, Schleusen vor den Intensivstationen errichtet. Viel Technik braucht viel Platz: „Daher werden in der Halle nicht 1000 Betten wie geplant, sondern nur 500 stehen“, sagt Broemme. Braucht man mehr, wird die Nachbarhalle 25  (Platz für 300 Betten) umgebaut. Die Entscheidung dazu soll Mitte Mai fallen.

Da sich das Coronavirus in Berlin derzeit nicht so ausbreite, glaubt Broemme, dass die Klinik im Mai noch nicht gebraucht wird. „Ich wäre glücklich, wenn man sie überhaupt nicht braucht“, sagt er. Doch warum dann der Aufwand? „Das Behandlungszentrum ist als Vorsorge gedacht. Das ist wie bei der Feuerwehr. Sie ist da, auch wenn es nicht brennt.“  

Die Klinik in der Halle: Fertig sind die Betten-Abteile. Über die Dachträger, einst Show-Bühne, verlaufen Stromleitungen. Foto: Volkmar Otto

Die ersten Betten und Geräte sind bereits da. Weitere werden folgen. Auch die Schutzbekleidung für etwa 800 Pflegekräfte und Ärzte. „Viele Berliner haben ihre Hilfe zugesagt“, sagt Broemme.   Ärzte haben sich etwa über die Ärztekammer für den Dienst in der Corona-Klinik gemeldet. „Es gibt auch die Idee, Fachleute aus China zu holen, um ihr Corona-Wissen zu nutzen.“ Lücken gibt es aber bei Fachkräften für die Intensivpflege. „Sie werden von uns dringend gebraucht.“