Der Meister und die Muse: Klaus Ender bei einem seiner Nacktfoto-Shootings.
Der Meister und die Muse: Klaus Ender bei einem seiner Nacktfoto-Shootings. Kulturquartier Neustrelitz/Klaus Ender

Seine Ausstellung erregte in der DDR großes Aufsehen. „Akt und Landschaft“ war im Herbst 1975 die erste Nackt-Ausstellung im Osten. Tausende standen auf der Potsdamer Freundschaftsinsel Schlange, um sich an den Nacktfotos des Berliner Fotografen Klaus Ender zu ergötzen. Jetzt kehrt die Schau der nackten Tatsachen zurück: „Akt & Landschaft: Klaus Ender. Fünf Jahrzehnte Aktfotografie“ ist bis zum 18. September im Kulturquartier Neustrelitz zu sehen.

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Im Kulturquartier der Residenzstadt – 80 Kilometer nördlich von Berlin – wurde am Sonntag die Sommerausstellung mit Arbeiten des Fotografen Klaus Ender (1939-2021) eröffnet. Genau wie damals: Gezeigt werden 150 Nackt-Fotografien. Anders als vor 47 Jahren: In Potsdam kostete der Eintritt 50 Pfennig, heute ist er frei.

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Nackte am Wasser: Das Lieblingsmotiv von Klaus Ender, in Schwarz-Weiß fotografiert.
Nackte am Wasser: Das Lieblingsmotiv von Klaus Ender, in Schwarz-Weiß fotografiert. Kulturquartier Neustrelitz/Klaus Ender

„Wir zeigen rund 150 Bilder, darunter erstmals eine erotische Reihe, mehrere Infrarot-Landschaftsaufnahmen und einige maritime Akte mit Fischernetzen und Reusen“, erzählt Gabriela Ender, Witwe des Fotografen und heute Leiterin des Foto-Archivs. Am 4. August läuft im Rahmen der Schau zudem der neue Dokumentarfilm „Klaus Ender – Wenn Bilder eine Seele haben...“.

Am Strand von Rügen fand Klaus Ender seine ersten Akt-Modelle

1962 kam der Berliner Klaus Ender auf die Insel Rügen, um dort in der Sommersaison als Bäcker zu arbeiten. Am Strand fand der Autodidakt seine ersten Akt-Modelle. Anfang der 70er-Jahre wurde er dann als Fotograf bekannt. Ender war Legende. Ein Fotograf, der mit der Ausstellung von 1975 zum Foto-Star in der DDR wurde, kreuz und quer durch die Republik tourte.

Am Ostseestrand fand Klaus Enders eine Motive.
Am Ostseestrand fand Klaus Enders eine Motive. Kulturquartier Neustrelitz/Klaus Ender

Doch dann gab es Ärger, als Klaus Ender Bilder in den Westen verkaufte. Der Fotograf setzte sich nach Österreich ab und begann wieder von vorn. Erfolgreich, in Österreich, im vereinten Deutschland. Nach der Wende in den 90er-Jahren kehrte er wieder in seine geliebte Wahlheimat, auf die Insel Rügen, zurück.

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Tattoos, Piercings und „aalglatte Rasuren“ blieben für den Fotografen tabu

Zuletzt beklagte Ender den Verfall der Aktfotografie. Er sagte, dass es oft nur noch darum gehe, „alle Geschlechtsmerkmale“ zu zeigen – Hauptsache „geil“ oder besser noch „supergeil“. So etwas mochte der Ex-Mitarbeiter von Eulenspiegel und Magazin nie. Auch Tattoos, Piercings und „aalglatte Rasuren“ blieben für ihn tabu.

Bitte recht nackig: Ein Schwarz-Weiß-Foto von Klaus Ender, das in der Ausstellung zu sehen ist.
Bitte recht nackig: Ein Schwarz-Weiß-Foto von Klaus Ender, das in der Ausstellung zu sehen ist. Kulturquartier Neustrelitz/Klaus Ender

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Zuletzt wand sich Ender, der an Parkinson erkrankt war, immer mehr der Lyrik zu. 2020 erblindete der Fotograf, im März 2021 verstarb er in seinem haus auf Rügen.

Die Ausstellung ist immer Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Adresse: Kulturquartier Neustrelitz (Schloßstraße 12/13).

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