Dr. Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel. Foto:  Gerd Engelsmann

Everything is going to be alright - Alles wird gut – steht in Leuchtlettern über dem Tümpel, an dessen Ufer dieser Text entsteht. Ins Schilf dahinter verkrümeln sich die Enten, wenn es ihnen bei den Biergartenstühlen zu trubelig wird. Und gesellig könnte es hier auf dem Schlossgut Schwante an den Sommer-Wochenenden in Zukunft durchaus zugehen. Loretta Würtenberger und ihr Mann Daniel Tümpel hauchen dem schlossartigen Gutshaus, das Knobelsdorfs Handschrift trägt, und dem umgebenden Park neues Leben ein. Natur, Kultur, Genuss steht als Motto über allem. Mit einem Skulpturenpark, Hofladen und Restaurant öffnen sie das idyllische Anwesen, welches sie vor gut einem Jahr vom Berliner Theatermacher Christian Schulz kauften, wieder für Gäste.

Dreh- und Angelpunkt für den neuen Kulturort eine gute halbe Stunde nördlich von Berlin, das zuletzt einige Kunstsammlungen verloren geben musste, ist das alte Backsteinhaus. Hier befindet sich das Restaurant und ein Hofladen, hier gibt es die Tickets für den Skulpturenpark.

Kleine, feine Gerichte wolle man in den Sommermonaten anbieten, sagt Loretta Würtenberger. Ländlich und regional. Am Eröffnungswochenende gibt es eine  reduzierte Karte. Mariniertes Grillgemüse am Spieß mit Humus und Brot oder Bratwurst vom Schwantener Wasserbüffel, die der Nachbar züchtet, für knapp unter zehn Euro stehen zur Auswahl.

Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel geben sich nahbar, mit dem Kindermädchen des Jüngsten, der sich auf Mamas Arm das Treiben ansieht, wird Englisch gesprochen. Daniel Tümpel organisiert  letzte Kleinigkeiten vor der Eröffnung mit Hilfe eines pinkfarbenen Mobiltelefons. Internationales Flair zieht ein in Schwante. Und das spiegeln vor allem und zuerst die Skulpturen im sorgfältig vom Gärtner manikürten Rasenrund in der 20 Hektar großen Anlage wider.  Wenn es Not Tut, steigt Daniel Tümpel, Enkel des Bauhauskünstlers Wolfgang Tümpel auch schon mal selbst auf den Mäher, heißt es.

Toshihiko Mitsuya (Japan) . The Aluminium Garden-Structural Study of Plants. Auch ein Alugarten will gepflegt werden.  Foto: Gerd Engelsmann

Der Rundgang startet mit Ai Wei Weis blauer Fahne gleich am Eingang zum Park. “Flag for Human Rights“, heißt das Kunstwerk aus dem Jahr 2018. Entworfen zum 70. Jahrestag der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen mahnt der weiße Fußabdruck auf blauem Grund die Durchsetzung dieser Rechte. Desweiteren lassen sich manchmal versteckt, mal  nicht zu übersehen, die unterschiedlichsten Skulpturen betrachten. Zwischen den Bäumen eine Lichtinstallation von Björn Dahlem, in einem Tümpel von den Vögeln sehr willkommen geheißen, eine Skulptur vom Maria Loboda. Das Beet aus filigranen Aluminiumpflanzen von Toshihiko Mitsuya wird alle zwei Wochen vom Künstler selbst gepflegt und von den wilden Gräser-Verwandten befreit.  Im Rundgang über den Rasen finden sich Werke von Tony Hans Arp, George Rickey, Monika Sosnowska – ganz unterschiedliche Kunstwerke die im Zusammenspiel mit der umgebenden Natur ihre Wirkung entfalten. Unterwegs laden Bänke laden zum Verweilen ein und bieten Sichtachsen auf das Schloss, welches nun als privates Wohnhaus nicht mehr zugänglich ist. Die mächtigen Bäume im Schlosspark sind Kunst für sich, aus aufgespannten Hängematten und Sonnenstühlen lassen sie sich genau betrachten. Stilvoll geht es im Garten-Restaurant zu, die Bratwurst wird auf Tischdecken mit Paisley-Muster serviert. Männer mit Strohhut sitzen da beim Weißwein, Kinder buddeln im aufgeschütteten Sandkasten.

Im Hofladen bieten die Schlossherren, die lieber gar nicht so genannt werden möchten , eigens Kuratiertes, Feines aus der Region an. Brände aus der Grumsiner Brennerei in der Schorfheide, Marmelade aus Schwante, Apfelsecco und originelle Keramik der Manufaktur Kühn aus Kreuzberg. Neben Kinderbüchern finden sich Kunstbände stilsicher und ländlich schick drapiert, inklusive Backsteinboden mit Patina.

Im Hofladen gibt es Erlesenes. 

Foto: Gerd Engelsmann

Schwante ist wieder einen Ausflug wert. Ein bisschen Landlust-Magazin und Luisiana-Museum in Kopenhagen,  weniger wildes Theatervolk so könnte man den neuen Geist von Schwante beschrieben. Stilvoll, gediegen, aber offen für alle, die Kunstgenuss inmitten von Natur suchen. Und wann, wenn nicht jetzt ist der beste Zeitpunkt für einen Galeriebesuch an der frischen Luft?  „Es sind Zeiten wie diese, die uns die ermutigende, stärkende und inspirierende Kraft der Kunst besonders erleben lassen“, sagt Loretta Würtenbeger, die einst jüngste Richterin Deutschlands. „Das Schlossgut Schwante bietet dafür durch seine Weitläufigkeit und Schönheit einen besonders geeigneten Platz.“ Alles wird gut – der Schriftzug Martin Creeds taucht noch einmal im Rückspiegel auf, nach einem Besuch möchte man daran glauben.

Natur, Kultur und Genuss bei der Eröffnung des Skulpturenparks Schwante. Foto: Gerd Engelsmann 

Skulpturenpark und Restaurant 19. Juni 2020 – 30. Oktober 2021 , Freitag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr. Eintritt 12 Euro, für Schwantener und Kinder unter 16 Jahren ist der Eintritt frei. Führung Samstag 14 Uhr (5 €)

Das geplante Programm mit Open Air Kino-Abenden, Tanz-Veranstaltungen, Vorträgen und Konzerten muss aufgrund der aktuellen Lage weiter verschoben bleiben.

Schlossgut Schwante, Schlossplatz 1-3, 16727 Oberkrämer OT Schwante

www. Schlossgut-schwante.de