Die Musikerin Diana Loop testete die Muschel: Um die Anwohner vor Musik und Lärm im Mauerpark zu schützen, wurde eine Acoustic Shell, eine Schall-Muschel aufgestellt. 

Benjamin Pritzkuleit

Lange schon wird darum gerungen, wie die Lust auf Musik unter freiem Himmel im Mauerpark mit dem Bedürfnis der Anwohner nach Ruhe am Wochenende unter einen Hut zu kriegen ist. Die Lösung: eine Schall-Muschel. Jetzt wurde die erste im Park aufgestellt, in Zukunft soll sie bei schönem Wetter für mehr Hörgenuss und weniger Lärm in der Umgebung sorgen. 

Das Projekt geht auf eine Initiative des Vereins Freunde des Mauerparks e.V zurück. Gemeinsam mit dem Bezirksamt Pankow, welches Senatsgelder in Höhe von 19.000 Euro zuschoss, wurde das Pilotprojekt realisiert. 

Mauerpark in Berlin ist weit über die Stadtgrenzen für Konzerte bekannt 

„Die Musik im Mauerpark ist weit über die Stadtgrenzen bekannt und zum Symbol der Völkerverständigung auf dem ehemaligen Mauerstreifen geworden“, schreiben die Freunde des Mauerparks in einer Mitteilung.

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Viele tausend Besucher strömen am Wochenende in den Mauerpark, um auf dem ehemaligen Todesstreifen Kultur zu erleben. In den letzten Jahren sei die Freude über die Musik nicht mehr bei allen so groß gewesen, so Alexander Puell, der Vorsitzende des Vereins. Anwohner hätten sich zunehmend durch die Geräuschkulisse von  Musikdarbietungen belästigt gefühlt. 

Die Schall-Muschel soll Geräusche abschirmen. Anwohner hatten sich rings um den Mauerpark immer wieder beschwert. 
Benjamin Pritzkuleit

Mit den „Acoustic Shell“ starten nun das vom Bezirksamt Pankow geförderte Pilotprojekt, um beiden Interessen im Mauerpark gerecht zu werden. Die Freunde des Mauerparks haben dafür in Zusammenarbeit mit Berlin Street Music eine mobile Muschel entwickelt. Sie wird in den nächsten Monaten an verschiedenen Stellen im Mauerpark getestet, zum Ende der Saison erfolgt eine Auswertung. 

Acoutsic Shell - mobile Konstruktion im Mauerpark 

Die Konstruktion aus Birkenholz ist 5,75 m breit und drei Meter hoch, besteht aus drei Modulen. Am Abend muss die Muschel wieder abgebaut werden, damit sie nicht Vandalismus zum Opfer fällt. An diesem Sonntag ist Premiere für die neue Kurmuschel im Mauerpark. Alexander Puell hofft darauf, dass sich auch für die Zukunft ehrenamtliche Helfer finden, die den Auf- und Abbau bewerkstelligen. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich auf der Website der Freunde des Mauerparks melden.

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„Wir sind stolz wie Bolle“, sagte Alexander Puell bei der Einweihung, zu der sich auch Pankows Bürgermeister Sören Benn, der Bundestagsabgeordnete der SPD für Pankow,  Klaus Mindrup und  der grüne Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn einfanden. So einen Feel-good-Termin im Wahlkampf lässt man nicht aus.

Wahlkampf statt Sightseeing im Mauerpark 

„Ich bin total begeistert, wie gut die Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Pankow geklappt hat und was an Innovation in Berlin möglich ist", sagte er  weiter.  

Alexander Puell, Vorsitzender des Vereins Freunde des Mauerpark e.V.  vor dem Prototypen der Acoustic Shell im Mauerpark.   Benjamin Pritzkuleit

Auch Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn, der zugab, anfangs etwas skeptisch ob der Idee gewesen zu sein, zeigte sich begeistert. Nun gibt es Gelder bis 2022 /23. Man werde sehen, wie sich das Projekt dann verstetigen ließe. 

Sören Benn lobt das bürgerschaftliche Engagement im Bezirk und wird dann bürgermeisterlich: Der Mauerpark als der Ort der Freiheit und der Entfaltung stelle sich der Aufgabe, unterschiedliche Interessen zum Ausgleich zu bringen. Die Vermittlung sei eine Daueraufgabe, die Acoustic Shell sei ein neues Instrument des Experimentierens. Was so poetisch klingt, bringt der SPD-Mann Mindrup in seiner Lobesrede prosaischer auf den Punkt. „Mancher Lärm ist eben auch Kultur“, sagte Klaus Mindrup. Dem ist wenig hinzuzufügen.