Vom 8. Juni 2022 an müssen alle Freigänger-Katzen verpflichtend kastriert werden, wenn sie älter als fünf Monate sind. Sina Schuldt/dpa

Viele Berliner lieben ihre Katzen und ermöglichen ihren Tieren auch Auslauf im Freien jenseits der Wohnung oder des Gartens. Immer wieder sieht man eigens gezimmerte Treppchen oder Katzen mit Halsband auf den Straßen. Doch vom 8. Juni 2022 an ändert sich etwas für Berliner Katzenhalter. Die Berliner Katzenschutzverordnung tritt in Kraft. Darauf macht der Tierschutzverein für Berlin (TVB) aktuell mit einer stadtweiten Plakatkampagne aufmerksam. Denn Katzen, die älter als fünf Monate und geschlechtsreif sind, dürfen dann nur noch kastriert in den Freigang.

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Ziel der Verordnung mit dem sperrigen Namen „Verordnung über den Schutz freilebender Katzen im Stadtgebiet Berlin“ (KatSchutzV) ist die Eindämmung des Katzenleids, das sich bisher durch unkontrollierte Fortpflanzung privater Freigängerkatzen mit freilebenden Katzen – sogenannten Streunern – ausbreitet.

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Wenn fortpflanzungsfähige „Freigänger“ sich mit wilden Katzen paaren, gibt es mehr und mehr wilde Katzen in Berlin und das ist ein Problem: Die Tiere hungern oft, haben stark infizierte Wunden, tragen Revierkämpfe aus und leiden an Krankheiten wie Katzenschnupfen oder Diabetes – und keiner kümmert sich.

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Aus einem Katzenpaar könnten nach zehn Jahren über 80 Millionen Katzen werden

Ein Katzenpaar bekommt in der Regel zwei Mal pro Jahr Nachwuchs. Statistisch überleben von dem Wurf etwa drei Welpen. Würden diese sich ungehindert vermehren, würden aus einem Paar binnen zehn Jahren über 80 Millionen Katzen, rechnet der Tierschutzverein in Berlin vor. Er kämpft seit Jahren einen mühseligen Kampf, kastrierte beispielsweise 2021 knapp 1000 Kater und Katzen.

Katzen müssen gechippt und registriert werden

Kastrierte Katzen, die draußen herumstromern, müssen darüber hinaus durch einen Transponder mit Mikrochip gekennzeichnet werden (Tätowierung im Ohr reicht nicht) und auf einem der Internet-Portalen registriert werden:

IFTA Internationale Zentrale Tierregistrierung oder bei FINDEFIX, Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes  oder bei TASSO Haustierzentralregister für die Bundesrepublik Deutschland

Ein Mädchen hält ein sieben Tage altes Kätzchen in ihrer Hand. Noch sind die Augen des Kätzchens geschlossen. Die unkontrollierte Vermehrung von wildlebenden Katzen in Berlin soll verhindert werden. Patrick Pleul/dpa

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„Nach vielen Jahren des Kampfes haben wir endlich auch in Berlin eine Verordnung, um den Tierschutz weiter voranzubringen“, kommentiert die TVB-Vorsitzende Eva Rönspieß. „Es hat lange gedauert, die Politik von der Notwendigkeit zu überzeugen – wir sind froh, dass dieses wichtige Ziel endlich erreicht ist.“ Mit der Kampagne will der Verein die Berliner Katzenhalter informieren und auf die geänderte Rechtslage aufmerksam machen.

Wird eine unkastrierte Katze draußen angetroffen, kann der Halter verpflichtet werden, sie kastrieren zu lassen. Bis der Halter ermittelt ist, kann die Katze durch die zuständige Behörde in Obhut genommen werden. Meldet sich der Halter nicht binnen fünf Tagen, wird ein nicht registriertes Tier kastriert. Der Halter muss dann zahlen, wenn er sich doch noch meldet.

Die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz teilt dazu mit: „Wer seine noch nicht registrierte Katze vermisst, kann sich an das Fundbüro für verlorengegangene Haustiere, die Tiersammelstelle Berlin, wenden: unter 030/76 888-200 oder -201 oder unter tiersammelstelle@tierschutz-berlin.de.“

Zuständig für das Einfangen von Haustieren, die im Straßenland aufgefunden werden, ist das Bezirksamt Lichtenberg, zentral für alle Bezirke. Der zuständige Stadtrat Martin Schaefer (CDU) erklärt, dass als Haustiere erkennbare Hunde und Katzen, die allein unterwegs sind, mitgenommen und in die Tierfundstelle beim Tierheim gebracht werden. „In der Regel werden sie da schnell wieder von den Besitzern abgeholt, zum Beispiel wenn der angeleinte Hund vor dem Supermarkt vergessen worden war.“

Veterinärämter kritisieren: Kein Bußgeld vorgesehen bei Verstößen

Jetzt werde man im Zug der Schutzverordnung das Augenmerk verstärkt auf Katzen richten, auch wenn der Tierfang nicht überall sein kann, selbst wenn die acht Kollegen seien in zwei Schichten von 7 Uhr früh bis 2 Uhr nachts unterwegs sind.

Schaefer appelliert deshalb dringend, dass Katzenhalter an die neue Verordnung halten : „Die Kastration ist eine Chance, die Katzenpopulation in den Griff zu bekommen.“ Das Elend müsse beendet werden.

Dabei merkt der Stadtrat an, dass die Verordnung kein Bußgeld vorsieht, wenn ein Halter dagegen verstößt: „Das haben die Veterinärämter kritisiert. Es bleibt also offen, wie überhaupt greifbare Folgen bei Missachtung aussehen können.“

Für verwilderte, herrenlose Streuner ist Lichtenberg nicht zuständig, die fallen in die Zuständigkeit der bezirklichen Veterinärämter. Denen springt Lichtenberg lediglich auf dem Wege der Amtshilfe bei. Beispielsweise, um auf Anordnung eines Bezirksveterinärs eine Katzenhorde aus der Wohnung eines überforderten Halters oder von einem verwilderten Grundstück geholt werden soll.

Herumstromern ja, Nachwuchs zeugen nein. Katzen müssen in Berlin kastriert und registriert sein, wenn sie nach draußen wollen. Matthias Bein/dpa

Kastration zu teuer? Tierschutzverein hilft Bedürftigen

Laut Gebührenordnung für Tierärzte kostet die Kastration bei einem Kater 19,24 Euro, bei einer Katze 57,72 Euro. Dazu kommen Kosten für Untersuchung, Betäubung, Material und 19 Prozent Umsatzsteuer, so dass der Gesamtpreis bei einer Katze weit über 120 Euro kosten kann. Noch teurer wird es, wenn der Arzt wegen der individuellen Umstände den dreifachen Satz berechnen darf.

In Fällen, wo sozial bedürftige  Halter eine Kastration durch den Tierarzt nicht zahlen können, hilft der Tierschutzverein Berlin durch die Bezuschussung für finanziell bedürftige Katzenhalter. Die müssen den Bedarf etwa durch aktuellen Rentennachweis, aktuelle BAFöG- oder  Wohngeld- oder ALG1/ALG2-Bewilligungsbescheide von  Arbeitsagentur/Jobcenter nachweisen können.

Die schickt man per Mail an jana.wenderoth@tierschutz-berlin.de oder in Kopie an das Tierheim Berlin, z. Hd. Jana Wenderoth, Hausvaterweg 39, 13057 Berlin. Zurück kommt dann nach Prüfung ein Gutschein: 50 Euro für das Kastrieren eines Katers, 75 für das Unfruchtbarmachen einer Katze durch einen niedergelassenen Tierarzt.

Der Eingriff kann auch im Tierheim erfolgen, ohne dass ein Gutschein ausgegeben wird. Dafür muss man einen Termin unter praxis@tierschutz-berlin.de vereinbaren und ebenfalls die genannten Dokumente vorlegen. Der Eingriff kostet dann 30 Euro bei Katern, 50 Euro bei Katzen. Zusätzlich wird dem Tier beim Termin nötigenfalls auch kostenlos ein Chip eingepflanzt.

Weitere Details finden sich hier. 

Die Katzenschutzverordnung war im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag 2016-2021 verankert worden. Vergleichbare Verordnungen mit Kastrationspflicht bestanden zuvor bereits in mehreren Bundesländern und Städten.

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