Autobahn für „Tretferraris“: Radfahrer sausen über eine Fahrrad-Schnellstraße. imago/Jochen Tack

Und zisch! Berlins Speckgürtel soll von Fahrrad-Autobahnen durchzogen werden. Darüber haben sich Politiker in Potsdam verständigt. Fans von „Alugurken“ und „Tretferraris“ können es sicher kaum erwarten.

Die Brandenburger Landesregierung will den Radverkehr auf belebten Routen voranbringen. Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) stellte am Donnerstag eine Studie im Auftrag des Ministeriums vor, die 16 mögliche Verbindungen nennt. Der größte Teil liege im Speckgürtel rund um Berlin. Zuerst hatte die Märkische Oderzeitung (online) berichtet.

Darunter seien sechs sogenannte Radschnellverbindungen mit einer erwarteten Nutzung von durchschnittlich mehr als 2000 Radfahrern täglich. Diese sollen möglichst kreuzungsfrei Ziele des Alltagsverkehrs verbinden. Dazu zählen laut der Studie etwa eine Route von Berlin-Steglitz/Zehlendorf nach Teltow, von Berlin-Spandau nach Falkensee oder von Berlin-Neukölln nach Schönefeld.

Die Studie nennt zudem Potenziale für zehn sogenannte Radvorrangrouten, auf denen durchschnittlich mehr als 1000 Radfahrer pro Tag erwartet werden. Dies gilt etwa für eine Verbindung von Potsdam nach Werder/Havel, von Berlin-Steglitz/Zehlendorf nach Potsdam oder von Großräschen nach Senftenberg.

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ADFC begrüßt Autobahn für „Tretferraris“

Dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) reicht das nicht, er gehe von einem noch größeren Potenzial für den Radverkehr aus, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Christian Wessel. „Ziel der Landesregierung ist es, bis 2030 den Radverkehrsanteil im gesamten Land von jetzt elf Prozent auf 20 Prozent anzuheben“, sagte er. „Wir halten dies grundsätzlich für erreichbar, denn immer mehr Menschen entdecken den Gewinn an Lebensqualität, wenn sie mit dem Rad oder dem E-Bike zur Arbeit pendeln.“

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Für die notwendige Verkehrswende müsse die Landesregierung allerdings die entsprechenden finanziellen Mittel bereitstellen, die im Haushaltsentwurf für 2023/24 noch fehlten, kritisierte er.

Ob Berufstätige im Speckgürtel Berlins wirklich massenweise aufs Rad umsteigen, um bei Wind und Wetter 30 Kilometer in die Hauptstadt zu radeln, ist allerdings fraglich.

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