Auch auf der Aussichtsplattform des Fernsehturms herrscht Maskenpflicht - dafür gibt es vor dem Wahrzeichen keine Schlangen. Foto: Volkmar Otto

In Sachen Corona wird Berlin immer lockerer – doch eine Sache fehlt bisher auf den Straßen dieser Stadt: Touristen, die alles erobern. Nun geht es auch in diesem Bereich wieder los – und überall laufen die Vorbereitungen. Hotels rüsten sich, Ausflugsziele öffnen.  Berlins Wahrzeichen machte gestern den Anfang: Der Fernsehturm öffnete nach Monaten Pause seine Türen. Nicht ohne Regeln: Jeweils 50 Menschen dürfen auf die Plattform oder ins Restaurant, ein Wechsel ist nicht möglich, sagt ein Sprecher. Auf der Aussichtsplattform gelte die Maskenpflicht. Besucher müssen vorab online Tickets reservieren, um Staus zu vermeiden. Die Betreiber behalten es sich vor, im Eingangsbereich die Temperatur von Besuchern zu messen.

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Es ist der Beginn einer neuen Tourismus-Saison: Ab Montag sind die Hotels der Stadt wieder für Urlaubs-Übernachtungen freigegeben. Alle hoffen, dass das Geschäft rasant anläuft, auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Mit einem jährlichen Bruttoumsatz von 11,5 Milliarden Euro trägt die Tourismusbranche 6,7 Prozent zum Volkseinkommen bei“, sagt sie. Nach der Flaute bekomme Berlin nun endlich seine Lebendigkeit zurück. Vor allem die Hotels rüsten sich, hinter ihnen liegen schwere Wochen. Die Belegungszahlen seien überschaubar gewesen, sagt etwa „Adlon“-Chef Michael Sorgenfrey: „Manchmal waren es 15 Prozent, es gab auch Tage, wo es etwas mehr war, in der Richtung hat es sich eingependelt.“ Im Adlon bleibt nach dem 25. Mai der Pool- und Fitnessbereich und der Spa geschlossen, an der Rezeption sind Mitarbeiter und Gäste durch Sicherheitsglas voneinander getrennt. Das Personal trägt Masken und Handschuhe. „Die Hotellerie ist gut vorbereitet“, sagt Thomas Lengfelder, Berlin-Chef der DEHOGA. „Genau wie in der Gastronomie haben die Hygienevorschriften oberste Priorität. Einige Abläufe werden sich verändern. Den Kofferservice wird es in der gehobenen Hotellerie nicht mehr geben, das muss der Gast in Zukunft leider selbst in die Hand nehmen.“ Frühstücksbuffets seien vorerst untersagt.

Ein Hotelzimmer ist wie Gemüse auf dem Markt: Was an dem Tag nicht verkauft wird, ist verdorben.

Burkhard Kieker, Chef von Visit Berlin

Bis zum Pfingstwochenende sei die Belegung aber äußerst gering. „Die Nachfrage ist kaum spürbar. Das ist auch klar, denn der internationale Tourismus fehlt, einzelne deutsche Touristen werden jetzt auch nicht sofort zu einer Städtetour nach Berlin aufbrechen.“ Dass es lange dauern wird, bis die Verluste ausgeglichen sind, weiß Burkhard Kieker, Chef der Tourismusgesellschaft Visit Berlin. „Ein Hotelzimmer ist wie Gemüse auf dem Markt: Was an dem Tag nicht verkauft wird, ist verdorben.“ Es habe in der Branche einen totalen Einbruch gegeben. „Wir hatten vielleicht noch Auslastungen von drei bis fünf Prozent in den Hotels“, sagte Kieker. „Das waren Geschäftsreisende, die unbedingt herkommen mussten.“

Stadtführungen sind vorerst nicht möglich

Nun freuen sich viele, auch Institutionen, die vom Tourismus leben – etwa das Wachsfigurenkabinett „Madame Tussauds“. „Wir leben von der Freude und den magischen Momenten, die wir unseren Besuchern geben können - das haben wir alle vermisst“, sagt Ulf Tiedemann von Merlin Entertainments. Man nutze die Möglichkeit, über Einlasskontrollen, Kapazitätsbeschränkungen und Abstandsregeln ein sicheres Erlebnis zu bieten. Im „Hard Rock Café“ am Kurfürstendamm rüstet man sich mit einem Hygienekonzept. „Bei allen Gästen wird am Eingang die Temperatur gemessen. Das dreiköpfige Clean-Team desinfiziert durchgehend Tische, Türen, Griffe und alle weiteren Flächen“, sagt Sprecherin Kristina Lange.

Es gibt jedoch auch Dinge, die vorerst nicht möglich sind – Stadtführungen, zum Beispiel. Tobias Allers bietet unter dem Namen „Berlin Kultour“ seit sechs Jahren Führungen für Touristen und Einheimische an. Aufgrund der Krise gibt er nun virtuelle Einblicke in seine Stadtrundgänge. Auf seinem YouTube-Kanal lädt er Videoclips hoch, in denen er sich vor Orten und Plätzen zeigt, die üblicherweise in seiner Tour inbegriffen sind. „Ich möchte einen Eindruck vermitteln, was man bei meinen Führungen erwarten kann“, sagt er dem KURIER. Dass die Ausschnitte eine richtige Stadtführung ersetzen können, glaubt er nicht: „Der Kontakt, die Dynamik einer Gruppe und die Fragen, die teilweise gestellt werden, fehlen“, sagt er.