Eine Fachkraft für Abwassertechnik analysiert eine Probe des geklärten Wassers. 
Eine Fachkraft für Abwassertechnik analysiert eine Probe des geklärten Wassers.  dpa/Frank Rumpenhorst

Es kristallisiert sich immer deutlicher heraus: Die Omikron-Variante des Coronavirus wird uns überrollen. Laut aktuellem Lagebericht sind in Berlin derzeit 4,5 Prozent der Fälle auf die hochansteckende Mutante zurückzuführen. Corona-Experten vermuten, dass sich die Zahlen in Deutschland etwa alle drei Tage verdoppeln. Doch mehrere Indizien deuten darauf hin, dass Omikron schon viel weiter auf dem Vormarsch ist, als dies die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Bestätigt sind aktuell 114 Omikron-Fälle in der Hauptstadt. Gemeldet wurden am Freitag genau 2000 neue Corona-Fälle. Doch nur wenige dieser von Gesundheitsämtern erfassten Ansteckungen werden sequenziert, um die jeweilige Corona-Mutante herauszufinden. 

15 Prozent der Corona-Funde waren Omikron-Varianten

Einen wichtigen Hinweis, wie weit Omikron schon in unser Leben vorgedrungen ist, gibt eine Analyse der Abwässer. Regelmäßig werden aus dem Wasser Proben entnommen, und seit fast einem Jahr werden die Abwässer stichprobenartig auf Coronaviren getestet. Eine Ansteckung über das Trinkwasser schließt ein Pressesprecher der Berliner Wasserwerke gegenüber der B.Z. übrigens aus: Viren und Bakterien würden im Klärwerk abgetötet.

Laborkräfte der Berliner Wasserbetriebe haben die gefundenen Coronaviren sequenziert – und gehen nach der Analyse einer Probe vom 7. Dezember davon aus, dass tatsächlich 15 Prozent der Corona-Funde der Omikron-Variante zuzurechnen ist. Das bestätigte der Pressesprecher gegenüber der B.Z. Die Probeentnahme liegt nunmehr 17 Tage zurück. Geht man davon aus, dass sich die Ansteckungen mit Omikron tatsächlich alle drei Tage verdoppeln, könnte es sein, dass Omikron das Corona-Infektionsgeschehen in der Hauptstadt bereits dominiert.

Zwei Todesfälle, eine Corona-Warnampel springt auf Grün

Die Hoffnung liegt nun darauf, dass die Ansteckungen mit Omikron milder verlaufen. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, wäre dies auch eine Erklärung dafür, dass sich trotz der weiterhin hohen Infektionszahlen in der Stadt eine gewisse Entspannung in den Krankenhäusern andeutet: So ist am Freitag erstmals seit Wochen wieder die Warnampel der Hospitalisierungs-Inzidenz auf Grün gesprungen. Weniger Infizierte müssen also in Krankenhäusern behandelt werden, sondern kurieren sich zu Hause aus. Aber auch die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-Patienten ist zuletzt gesunken. Zwar zeigt die entsprechende Corona-Warnampel noch Rot, doch wenn sich der Trend fortsetzt, springt sie bereits am ersten Weihnachtsfeiertag wieder auf Gelb.

Zwei neue Corona-Todesfälle wurden gemeldet. Kein klares Bild ergibt das Infektionsgeschehen in den Berliner Bezirken. Die höchste Inzidenz meldet derzeit Treptow-Köpenick mit 405,9, nunmehr gefolgt von Lichtenberg mit 396,2. Zwar meldet Steglitz-Zehlendorf weiterhin die niedrigste Inzidenz, doch dort ist sie auf 234,3 deutlich gestiegen.