Tristen Lehmann (21) gehört zu den letzten Berlinern, die in der Arena ihre Impfung bekamen. Arzt Markus Frick (60) impft den jungen Mann. Sabine Gudath

Tristen Lehmann (21) sitzt in einer Kabine im Impfzentrum Arena Berlin, ist bereit für den  Corona-Piks. Schnell den Ärmel hochgeschoben, dann gibt es schon die Spritze vom Arzt. „Mein letzter Piks in der Arena“, sagt der IT-Fachmann und ahnt nicht, wie recht er damit hat – nicht nur, weil er gerade seine zweite Biontech-Impfung bekommen hat und froh darüber ist, endlich einen Schutz gegen das Virus zu haben. Lehmann gehört an diesem Dienstag zu den letzten Berlinern, die sich in der Arena noch gegen Corona impfen lassen können. Etwa 2000 werden es bis zum Abend sein, dann ist Schluss. Die Arena schließt als Impfzentrum – nachdem sie erst vor acht Monaten als erste dieser Einrichtungen in Berlin an den Start gegangen war.

Markus Nisch war acht Monate lang für die Organisation des Impfzentrums in der Arana verantwortlich. Jetzt wird er das Impfzentrum in Tegel leiten. Dabine Gudath

Einige hatten einen Termin, andere kamen einfach spontan zu der Halle nach Treptow, in der nun bald wieder Techno-Partys und Konzerte stattfinden sollen. Am letzten Impftag im ersten und auch größten Impfzentrum Berlins sitzen am Vormittag etwa 200 Menschen, meist junge Leute wie Lehmann, und warten auf den Piks. „Am späten Nachmittag, wenn die Schule aus ist, werden auch noch einige Eltern mit ihren zwölf- bis 15-jährigen Kindern kommen, so wie es auch  in den vergangenen Tagen war“, sagt der Leiter des Zentrums, Markus Nisch (49).

Der Mann kennt die Arena noch aus anderen Zeiten, die dort hoffentlich bald wiederkehren, so Nisch, der eigentlich Chef einer Agentur für DJs ist. „Drei große Techno-Events mit über 3000 Gästen habe ich hier veranstaltet“, sagt er. Dann kam Corona, das Berliner Kulturleben brach zusammen. Dank seiner Fähigkeiten als Organisator bekam Nisch das Angebot, die Arena als erstes von sechs Impfzentren Berlins zu leiten.

DJ Marco Resmann (44) und Projektmanager Christian von Manteuffel (48) waren von Begin an in der Arena als Helfer dabei. Nun werden sie im Impfzentrum Tegel weiter machen. Sabine Gudath

Arena Berlin: Hoffnungsträger im Kampf gegen die Pandemie

Als es am 27. Dezember mit dem Impfen in der Arena los ging, wurde die 30.000 Quadratmeter große Halle zum Hoffnungsträger für die Berliner im Kampf gegen die Pandemie und für so manche Kulturschaffende, die plötzlich im Lockdown keine Arbeit mehr hatten, zum Rettungsanker. „Von den täglich 600 Helfern in der Arena kommt ein Großteil aus dem Kulturbereich“, sagt Nisch. Für im Schnitt 2800 Euro brutto im Monat halfen sie bei der Dokumentation und Anmeldung der zu Impfenden, begleiteten die Berliner durch die einzelnen Stationen des Zentrums.

Wie Vivien Wolter (41), die zuvor in Clubs, Agenturen oder für DJs arbeitete. „Statt abzuwarten, was die Zukunft bringt, habe ich mich fürs Impfzentrum beworben“, sagt sie. „Die Pandemie aktiv zu bekämpfen, das war der Plan.“ Ein wenig Abschiedsschmerz verspüre sie schon. „Wir haben hier in der Arena unser Bestes gegeben, um dieses Ziel zu erreichen, uns mit viel Herz um die Menschen gekümmert, sie aufgemuntert, wenn sie lange in der Schlange warten mussten.“ Doch der Kampf geht für sie weiter. Wolter wird künftig im Zentrum am ehemaligen Flughafen Tegel arbeiten, das neben dem Zentrum an der Messe Berlin noch bis Januar 2022 weiter in Betrieb bleiben soll.

Am letzten Impftag weist Vivien Wolter (41) die Berliner zu den verschiedenen Stationen des Zentrums. Sabine Gudath

Dorthin wird auch Projektmanager Christian von Manteuffel (48) gehen, der seit Beginn an in der Arena als Helfer arbeitete. „Ich erinnere mich, wie die über 100-Jährigen als erste Berliner zu uns kamen, die uns ihre Lebensgeschichten erzählten und sich impfen ließen, weil sie als Corona- Risikogruppe geschützt sein wollten, um sich endlich wieder mit der Familie treffen zu können“, sagt er.

In der Arena wurden zuletzt bis zu 5000 Berliner täglich geimpft

Das seien bewegende Momente gewesen, sagt Helfer Marco Resmann (44), der eigentlich als Musikproduzent und DJ tätig ist. „Die Arbeit im Impfzentrum ist eine positive Lebenserfahrung, die ich nicht missen möchte. Dazu beigetragen zu haben, dass mit Hilfe des Impfens unser Leben in Berlin hoffentlich bald wieder normaler wird“, sagt er.

Betreiber des größten Impfzentrums war das Deutsche Rote Kreuz. Dessen Berliner Präsident, Mario Czaja (CDU), zieht am letzten Tag Bilanz. „Etwa 580.000 Berliner wurden in der Arena geimpft“, sagt er. Das sei eine logistische Leistung, die ohne die gute Zusammenarbeit mit dem Senat, den Ärzten, medizinischem Personal, der Bundeswehr und den anderen Helfern so nicht funktioniert hätte. „Menschen aus 130 Nationen haben in der Arena gearbeitet, vom DJ, Rentner bis zur Bürokraft. Von den 600 Helfern, die hier waren, war fast die Hälfte zuvor arbeitslos und bekam durch das Impfzentrum Arbeit“, sagt Czaja.

Dennoch gab es wochenlang Probleme, als nicht ausreichend Impfstoff geliefert wurde und daher auch die Terminvergabe nicht immer klappte. Das betraf alle sechs Zentren, die bis zu 20.000 Berliner täglich hätten impfen können. Bei der Arena waren es anfangs nur 2000 Impfungen pro Tag. „Nun sind es bis zu 5000“, sagt Czaja. Trotz Rückschlägen: „Das Impfen mit den Zentren hat in Berlin funktioniert“, sagt er. Laut der Gesundheitsverwaltung sind derzeit über 60 Prozent der Berliner durchgeimpft. Ein Grund, warum nun die Arena und drei weiterer Zentren schließen.

DRK-Präsident Mario Czaja (49) bespricht mit Helfer Dirk Radow (50) noch die letzten Betriebsabläufe. Sabine Gudath

„Mit der Arena fehlt eine wichtige Impfstelle im Osten Berlins“

Dennoch gebe es für die Berliner genug Anlaufstellen zum Impfen. Dazu zählen die verbleibenden Zentren an der Messe und in Tegel. „Dazu kommt der Einsatz von mobilen Impfteams, die etwa zu Schulen oder bei den geplanten Auffrischungsimpfungen zu Alten- und Pflegeeinrichtungen fahren“, so Czaja. Außerdem seien auch Impfveranstaltungen wie etwa im Friedrichstadt-Palast geplant.

Zusätzlich bleiben auch die Haus- und Fachärzte im Einsatz, wie die Kassenärztliche Vereinigung erklärt: „2526 Praxen mit 3282 Ärzten sind weiter im Einsatz, bei denen sich die Berliner derzeit vor allem ihre zweite Impfung verabreichen lassen.“

Allerdings bedauert der Leiter des Impfzentrums Arena, dass mit der Schließung nun eine wichtige Anlaufstelle für Impfwillige aus dem Osten Berlins fehle. „Für Treptower, Köpenicker oder Lichtenberger war die Halle ein idealer und schnell zu erreichender Ort“, sagt Markus Nisch. Zwei Wochen werde es nun dauern, bis die Halle freigeräumt ist. Danach könne man mit Konzerten und Veranstaltungen neu durchstarten.