Proband Jesse Frei lässt sich auf Sars-CoV-2 testen. Foto: Berliner Kurier/Markus Wächter

Seine Pläne für den Frauentag wollte Jesse Frei nicht verraten. Aber dass sich der 39-Jährige mit einem negativen Corona-Schnelltest für sein Vorhaben absichert, zeigt, dass solch ein Testergebnis ein Stück Freiheit zurückbringen kann. Frei ist der erste Proband, der am Sonntagnachmittag in der Aula der Max-Taut-Schule in Lichtenberg sitzt. Eine Mitarbeiterin der Betreiberfirma 21Dx GmbH* nimmt ihm einen Abstrich aus dem Rachen. „Da habe ich ja nochmal Glück gehabt“, sagt Frei im Anschluss an die Abnahme mit einem Lächeln. Wohlwissend, dass das Stäbchen nicht unangenehm tief in die Nase geschoben werden musste.

In 16 Testzentren können sich die Berliner ab Montag testen lassen

Dieses Prozedere durchlaufen ab Montagmorgen um 9 Uhr alle Berlinerinnen und Berliner, die sich im Testzentrum in der Fischerstraße 36 in Lichtenberg auf Sars-CoV-2 testen lassen wollen. Und nicht nur dort wird getestet. Gleich in 16 Testzentren in der Hauptstadt können sich Bürgerinnen und Bürger ab sofort vergewissern, ob sie an einer Corona-Infektion erkrankt sind und bei negativer Testung einen entsprechenden Nachweis für Öffnungsangebote oder private Kontakte bekommen.

Berlin erweitert damit seine Teststrategie. Nachdem Discounter wie Aldi oder Lidl bereits seit dem Wochenende Selbsttests für zu Hause verkaufen, öffnet das Land Berlin mit vorheriger Terminanmeldung in allen zwölf Bezirken kleine professionelle Teststellen, in denen die Hauptstädter einmal pro Woche kostenlos getestet werden können. Zusätzlich kommen ab Montag vier größere Testzentren hinzu, für die keine Terminbuchung erforderlich ist. Generell gilt: Jeder Hauptstädter kann sich, unabhängig in welchem Bezirk er lebt, in jedem beliebigen Testzentrum testen lassen.

Eine der Testkabinen wird für Lehrer, Erzieher und Schüler freigehalten

Eines dieser Zentren ist die Aula der Max-Taut-Schule. Normalerweise bietet sie bei feierlichen Schulzeremonien oder anderen Anlässen Platz für 800 Personen. Wer den großen Raum ab Montag betritt muss sich zunächst an einer von vier Kabinen mit seinen persönlichen Daten registrieren, erklärt Jörg Haas, Gesamtkoordinator Testung der Senatsverwaltung für Gesundheit, bei einem Rundgang am Sonntag. Ein Leitsystem auf dem Boden weist den Weg zu einer der vier Testkabinen. Dort wartet das Personal, um einen Abstrich zu nehmen. Der Test wird durch eine Durchreiche übergeben und in einem abgetrennten Bereich hinter der Kabine ausgewertet.

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Eine der vier Testkabinen soll stets für Lehrer, Erzieher sowie Schülerinnen und Schüler freigehalten werden. Diese Personengruppen werden zwar bereits in oder vor der Schule getestet, aber wer dann einen PCR-Nachtest brauche, komme schneller an die Reihe. Bereits im Eingangsbereich und noch vor der Registrierung regeln zwei Schilder diese Verfahrensweise

Für bis zu 1000 Personen sei das Testzentrum in Lichtenberg pro Tag ausgelegt. Bereits bei der Registrierung könne man angeben, wie man über das Ergebnis informiert werden möchte. Digital per App oder analog vor Ort – das sind die beiden Möglichkeiten.

Zwei Millionen Schnelltests hat der Gesundheitssenat im Bestand

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bat in diesem Zusammenhang um Geduld, denn selbstverständlich könne man in den 16 Testzentren ab Montag nicht sofort allen Berlinerinnen und Berlinern einen Schnelltest ermöglichen. Aber sie versprach auch: „Alles, was möglich ist, machen wir ab Montag. Wir haben aktuell noch zwei Millionen Schnelltests im Bestand.“ Weitere Tests seien bereits nachbestellt. Bis dahin zeigt sich Kalayci zuversichtlich, dass „wir erstmal einige Wochen mit den Beständen hinkommen“.

Sie freue sich aber, dass es nach Testungen im Krankenhaus- und Pflegebereich sowie im Bildungswesen nun mit dem dritten Baustein losgehe. Und der sei, flächendeckend alle Berliner einmal pro Woche zu testen.

Wie groß die Nachfrage sein wird, könne sie nicht sagen. „Wir haben keine Anhaltspunkte darüber. Aber wir können ja nicht mit dem Testen warten, bis wir es wissen“, so die Gesundheitssenatorin. Jörg Haas rechnet bereits am Montag mit einem großen Andrang. „Ich gehe davon aus, dass wir gleich zu Beginn gut zu tun haben werden.“ Das Testzentrum in Lichtenberg hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Personengruppen aus dem Bildungsbereich können bereits ab 7 Uhr zum Testen kommen.

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Beim Ortstermin kündigte Kalayci nicht nur an, dass zu den 16 Testzentren ab Montag fünf weitere ihren Betrieb am Dienstag aufnehmen sollen. Sie erklärte auch einen weiteren Punkt ihrer Teststrategie: Das Testen „to go“. Dabei sollen Apotheker, Ärzte oder private Anbieter künftig ebenfalls die Berlinerinnen und Berliner testen können. „Es hängt davon ab, wie viele das möchten, aber wir erhoffen uns, dass wir so schnell wie möglich flächendeckend testen können“, sagte Kalayci.

Es wird auch auf die Vernunft der Berliner vertraut

Wie soll das funktionieren? Ab Montagmorgen um 7 Uhr soll ein Online-Zertifizierungsprogramm für all diejenigen starten, die testen wollen. Der Prozess sei „niedrigschwellig“ gehalten worden, um es den privaten Anbietern zu erleichtern. „Wenn man die Voraussetzungen erfüllt, wird man vom Land Berlin als Teststelle ‚to go‘ benannt“, erklärte Kalayci. Vor allem von Apotheken habe man bereits viele Nachfragen bekommen. Vor allem die Aufklärung sei ihr bei diesem Verfahren besonders wichtig. Wer negativ getestet sei, müsse aufgeklärt werden, ob es noch ein Restrisiko gibt. Bei positivem Ergebnis seien Nachtestungen und die Meldung ans Gesundheitsamt wichtig.

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Bleibt die Frage, wie Kalayci verhindern will, dass Berliner sich an unterschiedlichen Teststationen mehr als einmal pro Woche testen lassen können. Darauf antwortete sie eher flapsig: „Wir vertrauen darauf, dass die Berlinerinnen und Berliner sich nicht fünf Mal pro Tag testen lassen.“ Ein Berechtigungssystem gebe es bislang nicht. Falls vom Bund noch ein Konzept erarbeitet werde, werde man sich diesem anschließen. „Aber jetzt öffnen wir ab Montag erstmal“, so Kalayci.

*Transparenzhinweis: Der Eigentümer des Berliner Verlags, Holger Friedrich, ist Mitglied des Aufsichtsrats der Rostocker Firma Centogene.