Ein Schild mit der Aufschrift „Closed“ und „Geschlossen“ hängt hinter einer Glasscheibe am Eingang eines Geschäftes in Berlin-Friedrichshain. Magdalena Tröndle/dpa

Berlin bereitet sich auf verschärfte Corona-Regeln vor. Ab Dienstag gelten in der Hauptstadt ebenso wie in anderen Bundesländern neue Maßnahmen. Sie reichen von Kontakteinschränkungen bis hin zu Versammlungs- und Böllerverboten an beliebten Feier-Orten zu Silvester. Eine Ausnahme macht der Berliner Senat allerdings entgegen der vorher getroffenen Bund-Länder-Beschlüsse bei größeren Veranstaltungen. Sie sind weiterhin erlaubt, natürlich mit Auflagen.

Das Coronavirus hat das Land weiter im Griff, und während viele bereits freiwillig zu Weihnachten auf große Familientreffen verzichtet haben, wird sich dies noch weiter bis ins neue Jahr ziehen. Waren private Treffen mit mehr als zehn Menschen in Berlin zu Weihnachten noch erlaubt, sind sie es ab Dienstag nicht mehr. Das gilt auch für Geimpfte und Genesene. Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres sind davon ausgenommen.

Ungemütlich bleibt es weiterhin für Ungeimpfte: Sie dürfen lediglich mit den Angehörigen des eigenen Haushalts sowie höchstens zwei Personen eines weiteren Haushaltes zusammenkommen.

Allen Menschen, auch Geimpften und Genesenen, wird empfohlen, sich vor Treffen mit anderen Haushalten einem Schnell- oder Selbsttest zu unterziehen. Wer unter typischen Corona-Symptomen leidet, sollte auf Treffen grundsätzlich verzichten.

Silvester in Berlin: Böllerverbotszonen und Kontaktbeschränkungen

Zu Silvester wird es neben den Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich auch die im öffentlichen Leben geben. Der Senat verhängte an insgesamt 53 Orten in Berlin ein Ansammlungs- und Feuerwerksverbot. Dazu zählen das Brandenburger Tor, der Potsdamer Platz, der Breitscheidplatz, der Simon-Dach-Kiez, der Treptower Park, der Hermannplatz, auf dem Teufelsberg sowie die Altstädte von Köpenick und Spandau. Alles Plätze, an denen die Menschen bislang oft und gerne ins neue Jahr gefeiert haben. Allerdings sind, so der Senat, Ausnahmegenehmigungen für professionelle Feuerwerke möglich.

Verboten bleiben ebenso Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen in Innenräumen und 1000 Menschen im Freien. „Tanzlustbarkeiten“ in Clubs oder anderen Räumen bleiben ebenso untersagt.

Sportveranstaltungen und Varietés in Berlin können stattfinden

Einen Sonderweg geht Berlin allerdings bei Kultur- und Sportveranstaltungen: Ab dem 28. Dezember wird bis zu 3000 Zuschauern im Freien sowie 2000 Zuschauern in geschlossenen Räumen der Eintritt weiterhin ermöglicht. Dort soll dann 2G-plus gelten, sprich: genesen oder geimpft plus FFP2-Maske und einem negativen Test.

Damit können Kulturveranstaltungen und Varietés  in den kommenden Tagen und möglicherweise Wochen weiterlaufen. Außerdem profitieren die Bundesligisten Alba Berlin und Berliner Eisbären, die noch in diesem Jahr Heimspiele vor mehr als tausend Zuschauern austragen möchten. Auch der 1. FC Union und Hertha BSC dürfen demnach nach der Winterpause weiter Zuschauer empfangen - wenn auch deutlich weniger als üblich.

Bund und Länder hatten sogar vereinbart, dass „überregionale Großveranstaltungen“ spätestens ab 28. Dezember ohne Zuschauer stattfinden müssen. In vielen Ländern wird es daher unter anderem Fußball-Geisterspiele geben. Bayern hatte dies bereits vor zwei Wochen umgesetzt.

„Wir haben uns entschlossen, hier maßvoll vorzugehen in Abwägung der Risiken und Schutzmaßnahmen“, sagte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) am vergangenen Donnerstag nach nach einer Sondersitzung des Senats. Ziel sei, Aktivitäten in Kultur, Sport oder Wirtschaft soweit wie möglich aufrechtzuerhalten, wenn auch unter eingeschränkten Bedingungen. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das immer noch besser ist als eine komplette Absage.“

Sieben-Tage-Inzidenz laut RKI leicht gesunken

Die Verordnung gilt zunächst bis 22. Januar 2022. Bis dahin erhoffen sich viele eine Entspannung der Lage. Denn nach wie vor ist die Virus-Variante Omikron auf dem Vormarsch, die Ansteckungsgefahr ist groß, der Krankheitsverlauf schwankt zwischen harmlos, besorgniserregend bis hin zu ersten Todesfällen.

Derzeit liegt laut Robert Koch-Institut (RKI) die Sieben-Tage-Inzidenz bei 220,7. Sie ist leicht gesunken. Das RKI weist allerdings darauf hin, dass während der Feiertage und zum Jahreswechsel mit einer geringeren Test- und Meldeaktivität zu rechnen ist. Deshalb könnten die ausgewiesenen Fallzahlen nur ein unvollständiges Bild der Corona-Lage zeigen. Deutschlandweit wurden nach den Angaben binnen 24 Stunden 88 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 180 Todesfälle.

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke: Maßnahmen reichen erstmal

Andere Bundesländer hatten bereits zu Weihnachten den „Lockdown Light“ vorgezogen, dazu zählten unter anderem Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. In Brandenburg treten die verschärften Corona-Regeln bereits am Montag in Kraft. Der dortige Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach sich allerdings dafür aus, dass es damit erst einmal genug sei.

„Wir dürfen die Menschen nicht überstrapazieren“, sagte Woidke nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur vom Sonnabend. Man müsse die Menschen mitnehmen, jede Woche ein neues Maßnahmenpaket führe nur zu Unverständnis. „Akzeptanz ist die Grundvoraussetzung für den gemeinsamen Erfolg.“