Am Alexanderplatz kreuzen sich S-Bahn, Regio-Züge und Straßenbahn. Die Ticketpreis sollen ab 2023 steigen, aber nur für Brandenburger.
Am Alexanderplatz kreuzen sich S-Bahn, Regio-Züge und Straßenbahn. Die Ticketpreis sollen ab 2023 steigen, aber nur für Brandenburger. dpa/Skolimowska

Steigende Energiepreise, höhere Löhne: Die Inflation macht auch den Betreibern von Bus und Bahn zu schaffen. Am Donnerstag berät der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) über Tariferhöhungen für den öffentlichen Nahverkehr zum 1. Januar 2023. Das Land Berlin wartet dabei mit einem kuriosen Vorschlag auf: Die Preise sollen steigen – vorerst aber nur in Brandenburg.

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Wie der RBB berichtet, schlägt das Land Berlin in einem Papier vor, die Ticketpreise für Bus und Bahn zunächst ausschließlich in Brandenburg zu erhöhen, in Berlin aber zunächst bis zum 31. März 2023 einzufrieren. Und: Brandenburger sollen die erhöhten Preise auch für BC- und ABC-Tickets zahlen. Das heißt: Brandenburger müssten für Fahrten durch Berlin mehr als die Berliner zahlen. Ob da die Potsdamer Staatskanzlei zustimmt? 

Berliner AB-Tickets sollen von der Tariferhöhung ausgenommen werden

In Berlin soll bis zum 31. März alles beim Alten bleiben, AB-Tickets von der Tariferhöhung ausgenommen sein. Diese Zweiteilung der Preise würde aber auch Ticket-Tourismus fördern. Als Brandenburger würde es sich lohnen, in Berlin ABC-Tickets auf Vorrat zu kaufen.

Außerdem möchte das Land Berlin das Sozialticket für den Tarifbereich AB ab dem kommenden Jahr günstiger anbieten. Vorgeschlagen ist ein Preis zwischen 9 und 19 Euro. Gelten soll der Tarif für das Sozialticket zunächst von Anfang Januar bis Ende März.

Bisher kostet das Sozialticket für Empfänger von Sozialhilfe, Grundsicherung oder Wohngeld 27,50 Euro pro Monat. Die Berliner Linken hatten gerade eine Preissenkung auf 9 Euro vorgeschlagen.

Diese Wünsche des Senats stehen in einem Vorschlag Berlins, der dem RBB vorliegt. Daraus resultierende fehlende Einnahmen für BVG und S-Bahn will der Senat mit Geldern aus dem Landeshaushalt ausgleichen. Im VBB-Bereich waren die Fahrpreise zuletzt zum 1. Januar 2021 um 1,9 Prozent gestiegen.

Inflationsausgleich: Die Ticketpreise müssten um bis zu sieben Prozent steigen

Der starke Anstieg der Energiepreise macht den Verkehrsunternehmen in der Hauptstadt-Region das leben schwer. So erwartet die S-Bahn Berlin, dass allein die Aufwendungen für den Fahrstrom der Züge in diesem Jahr mit rund 150 Millionen Euro dreimal so hoch sein werden wie vor zwei Jahren. „Dadurch werden wir tief in die roten Zahlen rutschen“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner.

Um die Kostensteigerungen aufzufangen, setzt sich die Branche für Fahrpreisanhebungen ein. Wie vor jeder Tariferhöhungen ließ der Verkehrsverbund einen Index errechnen, in den die Entwicklung der Preise für Kraftstoff und Strom sowie der Verbraucherpreise eingehen. Er soll als Richtschnur dafür gelten, in welchem Maße die Fahrgeldeinnahmen der Verkehrsbetriebe steigen sollten.

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Der Index, den der VBB-Aufsichtsrat im Frühjahr 2022 zur Kenntnis nahm, beläuft sich auf 5,6 Prozent. Inzwischen seien die Kosten aber weiter gewachsen. Beobachter schließen nicht aus, dass er am Ende noch höher sein wird – zwischen sechs und sieben Prozent.