Ab 15. August kann man in Berlin 50 öffentliche Toiletten gratis nutzen.
Ab 15. August kann man in Berlin 50 öffentliche Toiletten gratis nutzen. Imago/Mauersberger

Einbrecher haben es erzwungen: In den öffentlichen Toiletten der Stadt kann man bald keine kleinen und großen Geschäfte mehr für Bargeld machen. 50 Anlagen lässt der Senat nun in einer Testphase ab Mitte August kostenlos nutzen. In den anderen City-Toiletten kann dann nur noch per Geldkarte gezahlt werden. Der KURIER verrät die 50 Kostenlos-Adressen.

Lesen Sie auch: „Momo, wir vermissen Dich!“ Das Leid einer Mutter, deren Sohn im Monbijoupark erstochen wurde>>

Wegen einer Vielzahl von Einbrüchen bei den Geldbehältern öffentlicher Toiletten in Berlin gehen Senat und Betreiber neue Wege. Ab dem 15. August sind 50 von 280 öffentlichen Klos der Firma Wall kostenlos zugänglich, wie die Senatsverwaltung für Umwelt und Verbraucherschutz mitteilte. Die übrigen 230 WCs können dann nur noch bargeldlos genutzt werden. Dafür kommen Kredit- oder Girokarte, Apple Pay und andere Bezahldienste oder die WC-App Berliner Toilette infrage.

Lesen Sie jetzt auch: Horoskop für Mittwoch, den 3. August 2022: So wird Ihr Tag heute – laut Ihrem Sternzeichen >>

Die Kostenlos-Testphase dauert erst einmal ein halbes Jahr

Der Versuch soll zunächst ein halbes Jahr dauern. Danach wird entschieden, welches Zugangskonzept künftig generell zum Tragen kommt. Wichtig für Menschen mit körperlichen Einschränkungen: Sie können in die auf bargeldlosen Betrieb umgestellten Anlagen weiterhin mittels Euroschlüssel hinein.

Die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus kritisiert das Vorgehen. Mit der Einführung bargeldloser Bezahlsysteme werde ausgerechnet denjenigen der Zugang zu einem großen Teil der öffentlichen Toiletten verwehrt, die am häufigsten auf diese angewiesen seien: Älteren und Obdachlosen.

Jetzt auch lesen: Malermeister packt im Frühstücksfernsehen aus: Die junge Generation ist absolut arbeitsunwillig! DAS erlebte er mit seinen Azubis >>

Während für ältere Menschen die Nutzung von Kartensystemen nach wie vor ungewohnt sei, verfügten Obdachlose nur sehr selten über Geldkarten, erklären die Linke-Abgeordneten Katalin Gennburg und Kristian Ronneburg. Sie plädierten für eine generelle kostenlose Nutzung öffentlicher WCs.

Eines der öffentlichen Toilettenhäuschen der Firma Wall
Eines der öffentlichen Toilettenhäuschen der Firma Wall Imago/Chromorange/Spremberg

In Berlin gibt es laut Umweltverwaltung momentan 433 öffentliche Toilettenanlagen, so viele wie nie zuvor. Die nun zur Rede stehenden 280 Klos sind relativ neu: Sie wurden von der Wall GmbH auf Grundlage eines Vertrages mit dem Senat zwischen 2018 und 2022 aufgestellt und werden von ihr auch betrieben. Ihre Benutzung war bisher komplett kostenpflichtig.

Jetzt lesen: In Berlin ist auch der Katastrophenschutz eine Katastrophe: Erst 19 Warnsirenen installiert – 400 sollten bis Jahresende funktionieren>>

Allerdings hatte Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) schon vor einem Monat beklagt, dass die Geldbehälter der Anlagen „massenhaft aufgebrochen“ würden, oft von Kleinkriminellen. Es sei nicht möglich, dies flächendeckend zu kontrollieren oder zu verhindern. Auch eine Reparatur betroffener WCs sei wirtschaftlich kaum zu bewerkstelligen. Vor diesem Hintergrund erfolgt nun der neue Ansatz ohne Bargeld.

Wo gibt es in Berlin kostenlose öffentliche Toiletten?

„Die Nutzung von Toiletten ist ein Grundbedürfnis, deshalb ist eine kostenfreie Bereitstellung öffentlicher Anlagen grundsätzlich wünschenswert“, erklärte der Staatssekretär für Verbraucherschutz, Markus Kamrad. „Dazu bedarf es neben einer langfristigen Finanzierung über den Haushalt aber auch eines Nutzungsverhaltens, welches das ermöglicht. Wir erproben in den kommenden Monaten, welcher Weg gangbar ist.“

Lesen Sie auch: Diese Berliner Milliardärin will die deutsche Rap-Szene aufrollen: „Never Ready, Go!“ heißt die erste Single von Kerfor>>

Was Kamrad mit Nutzungsverhalten meint: Kostenfrei zugängliche öffentliche Toiletten könnten stark verschmutzt oder Ziel von Vandalismus werden, oder Menschen ohne feste Bleibe könnten versuchen, sich dort länger aufzuhalten. Bei der Auswertung der Testphase sollen die Erfahrungen damit laut Senatsverwaltung genauso eine Rolle spielen wie Nutzerzahlen oder die Akzeptanz elektronischer Bezahlfunktionen. Auf dieser Basis könne dann entschieden werden, „ob eine kostenlose Nutzung aller Toilettenanlagen mit vertretbarem Aufwand möglich sein wird“.

Nach den Worten von Geschäftsführer Patrick Möller hatten die Wall GmbH und die Senatsverwaltung für Umwelt und Verbraucherschutz in den vergangenen Wochen gute und konstruktive Gespräche, um die seit Dezember 2021 anhaltende Einbruchserie in den öffentlichen WCs zu stoppen und ihren Betrieb dauerhaft abzusichern. „Wir werden in der Erprobungsphase des bargeldlosen Betriebs die notwendigen Erkenntnisse sammeln und darauf basierend an einem dauerhaft erfolgreichen und qualitativ hochwertigen Betriebskonzept arbeiten, welches den Nutzern bestmöglichen Komfort bietet“, versprach er.

Lesen Sie auch: Café lässt keine Kinder mehr rein: DIESE Szene brachte den Inhaber zu dieser krassen Entscheidung! >>

Die komplette Liste der 50 Berliner Gratis-WCs

Die Senatsverwaltung für Umwelt hat eine Liste mit den 50 kostenfrei zu nutzenden City-Toiletten erstellt. Meistens vier pro Stadtbezirk, nur in Treptow-Köpenick sind es sechs. KURIER verrät, wo Sie diese finden – nach Stadtbezirken geordnet.

Charlottenburg-Wilmersdorf

+ Klausenerplatz gegenüber 23, Mittelinsel vor Spandauer Damm
+ Hempelsteig hinter 1A, gegenüber Rückseite U-Bahnhof Ruhleben
+ Hohenzollerndamm vor Rheinbabenallee (Roseneck, Hundekehlestraße)
+ Hochmeisterplatz, Westfälische Straße gegenüber 70, hinter Johann-Georg-Straße

Friedrichshain-Kreuzberg

+ Mariannenplatz 2–3
+ Görlitzer Park, Zugang Skalitzer Straße vor Görlitzer Straße
+ Platz der Vereinten Nationen, Landsberger Allee vor Friedenstraße
+ Warschauer Straße hinter 47–48 vor Mühlenstraße

Lichtenberg

+ Storkower Straße 207A vor Zugang S-Bahnhof Storkower Straße
+ Rheinsteinpark, Königswinterstraße gegenüber 7, vor Rheinsteinstraße
+ Am Tierpark 72, hinter Otto-Schmirgal-Straße (U-Bahnhof Tierpark)
+ S-Bahnhof Karlshorst, Stolzenfelsstraße hinter Treskowallee

Marzahn-Hellersdorf

+ Roedernstraße vor Hultschiner Damm 75
+ An der Wuhle gegenüber 56, vor Ulmenstraße
+ Elsterwerdaer Platz 1–3, vor U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz
+ U-Bahnhof Kienberg, Neue Grottkauer Straße hinter Etkar-André-Straße

Lesen Sie auch: Grüne und Linke wollen Bausenator Andreas Geisel (SPD) stoppen: Mit uns werden keine Eigentumswohnungen gebaut!>>

Mitte

+ Stralsunder Straße (Fußgängerzone) 61, hinter Brunnenstraße
+ Soldiner Straße 77 gegenüber Stockholmer Straße
+ Humboldthain, Gustav-Meyer-Allee hinter Brunnenstraße
+ Straße des 17. Juni hinter Ebertstraße

Neukölln

+ Joachim-Gottschalk-Weg 12–14
+ Thomashöhe, Thomasstraße gegenüber 11–15, hinter Mittelweg
+ Schillerpromenade 37, Mittelinsel hinter Herrfurthplatz
+ Hermannplatz 9, Mittelinsel vor Sonnenallee

Pankow

+ Hugenottenplatz, Schweizer Tal gegenüber 48, vor Rosenthaler Weg
+ Helmholtzplatz, Raumerstraße gegenüber 9
+ Antonplatz, Berliner Allee 34 gegenüber Langhansstraße
+ Am Falkplatz gegenüber 5 hinter Gleimstraße

Reinickendorf

+ Klixarena, Zobeltitzstraße gegenüber 93 hinter Klixstraße
+ Fasanerie 4–5 vor Spielplatz, Alte Fasanerie/Freizeitpark Lübars
+ S-Bahnhof Frohnau, Welfenallee 1–5 vor Ludolfinger Platz
+ Greenwichpromenade vor Tegeler Hafenbrücke

Spandau

+ Alt-Gatow hinter 65 (Parkplatz)
+ Lindenufer gegenüber 10
+ Moritzstraße hinter Altstädter Ring, Parkplatz
+ Rathaus Spandau, Altstädter Ring hinter Stabholzgarten

Steglitz-Zehlendorf

+ Ostpreußendamm 83 hinter Wismarer Straße
+ Steglitzer Damm vor 39/39a, hinter Immenweg
+ Brauerstraße gegenüber 1, hinter Königsberger Straße (Kranoldplatz)
+ Schloßstraße gegenüber 33–35 auf dem Hermann-Ehlers-Platz

Tempelhof-Schöneberg

+ Holzmannstraße gegenüber 23, vor Rohrbeckstraße
+ Stübbenstraße vor Grunewaldstraße 49
+ Platz der Luftbrücke, Tempelhofer Damm vor Manfred-von-Richthofen-Straße
+ S- und U-Bahnhof Tempelhof, Tempelhofer Damm 108

Treptow-Köpenick

+ S-Bahnhof Wilhelmshagen, Schönblicker Straße vor Erknerstraße
+ Wernsdorfer Straße gegenüber 1, hinter Alt-Schmöckwitz
+ S-Bahnhof Grünau, Wassersportallee hinter Adlergestell
+ S-Bahnhof Friedrichshagen, Dahlwitzer Landstraße gegenüber Schöneicher Straße
+ Treptower Park, Weltspielplatz/Alt-Treptow hinter Bulgarische Straße
+ S-Bahnhof Treptower Park, Stern und Kreisschiffahrt/Puschkinallee 15