„Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“ steht auf dem Banner, das „Robin Wood“- Aktivisten auf dem abgesperrten Gelände an der Baustelle der Autobahn A100 an der Sonnenallee aufhängen. dpa/Riedl

Mehrere Hundert Menschen haben laut Polizei und einer Robin-Wood-Sprecherin gegen den Weiterbau der A100 in Neukölln und Treptow protestiert. Am Samstagmorgen stürmten zunächst 60 bis 80 Menschen gegen 5 Uhr das Baugelände in der Nähe der Grenzallee, wie ein Polizeisprecher mitteilt. „Sie haben versucht, in einen Fahrbahntunnel einzudringen. Das konnte verhindert werden“. Die Protestler seien vorläufig festgenommen worden. Gegen alle werde nun wegen Hausfriedensbruchs ermittelt.

Lesen Sie auch: Jetzt schnell zugreifen! Bahn verkauft eine Million Tickets für 17,90 Euro>>

Bei der Protestaktion trugen Demonstrierende weiße Schutzanzüge. Bis zum Mittag versammelten sich weitere rund 200 Menschen am anderen Ende der Baustelle beim Treptower Park an der Kiefholzstraße, so der Sprecher. Sie hätten sich geweigert, das Gelände zu verlassen. „Wir mussten daher unmittelbaren Zwang einsetzen, um die Identitäten festzustellen“. Demnach wurden einige Aktivisten von den Beamten weggetragen.

Aktivisten von „Ende Gelände“ und „Sand im Getriebe“ blockieren die Baustelle auf der A100 in Berlin. Imago/Zownir

„Unser Fazit: Die Aktion war ein voller Erfolg, trotz der Polizeimaßnahmen“, sagt eine Sprecherin der Umweltorganisation Robin Wood. Ein Kletterteam hatte ein Banner an einer Seitenwand der Autobahn aufgehängt, mit dem Slogan „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“.

Klimaschutz- und Umweltorganisationen wie Robin Wood, Ende Gelände, Fridays for Future und Sand im Getriebe lehnen die Verlängerung der A100 vom Dreieck Neukölln in Richtung Treptow und darüber hinaus ab. Eine Fahrraddemonstration vom Platz der Republik über die A100 bis zur Elsenstraße am Mittag verlief nach Polizeiangaben zunächst friedlich.

Massenaktion des Aktionsbündnis „Sand im Getriebe“ zum bundesweiten Anti-Autobahn-Aktionstag auf der Baustelle der A100. Imago/Zownir

Journalisten von Polizei eingekesselt

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) warf der Polizei eine „massive“ Behinderung von Pressevertretern auf der Baustelle vor. Zwölf Journalisten wurden demnach teilweise eingekesselt, in Gewahrsam genommen und erhielten Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Platzverweise. Es sei nicht akzeptabel, dass Journalisten, die mit Kameras und Presseausweisen erkennbar gewesen waren, „mit solchen Mitteln an der Ausübung ihres Berufs gehindert wurden“, sagt DJU-Landesvorsitzende Renate Gensch.

Ein Polizeisprecher bestätigte am Nachmittag die Ermittlungen gegen rund ein Dutzend Journalisten. Sie seien Teil der Menschengruppe auf der Baustelle gewesen und hätten für die Berichterstattung nicht abseits gestanden.

Die Protestaktion ist Teil eines bundesweiten Aktionswochenendes. Unter dem Motto „Mobilitätswende Jetzt“ sind am Wochenende weitere Protestaktionen in ganz Deutschland geplant. Die Aktivisten fordern ein bundesweites Moratorium für den Ausbau von Autobahnen und mehr Geld für Bus, Bahn und Fahrradwege.

Stautag in Berlin: Rad-Sternfahrt legt Autoverkehr lahm

Um 9.30 Uhr startet am Sonntag die ADFC-Fahrradsternfahrt unter dem Motto „Die Zukunft beginnt heute – Verkehrswende jetzt!“ Auf 16 Routen soll für eine Verkehrswende in Berlin demonstriert werden, Autofahrer müssen sich auf Staus einstellen. Zwischenzeitlich werden für einzelne Routen auch die A100 sowie die Avus-Strecke auf der A115 gesperrt sein. Ziel der Sternfahrt ist der Große Stern im Tiergarten, für 14 Uhr ist eine Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor geplant.