Ein Einsatz fürs SEK: Am 1. März wurden nach Razzien in Kreuzberg, Schöneberg und Gesundbrunnen gegen fünf Männer aus dem Clan-Milieu Haftbefehle vollstreckt. BK

295 mutmaßliche Täter, meist junge Männer werden im Lagebericht von Polizei und der Senatsverwaltung für Inneres der kriminellen Clanszene zugeordnet, 849 Straftaten wurden erfasst. 2018 hatte der Senat einen Fünf-Punkte-Plan gegen Clankriminalität beschlossen, seitdem geht er verstärkt gegen Verdächtige aus bestimmten arabischstämmigen Großfamilien vor. Auch in diesem Jahr. Bis Ende April habe die Polizei 62 größere Kontrolleinsätze gemacht, davon 27 zusammen mit anderen Behörden wie den Bezirken, dem Finanzamt oder der Gewerbeaufsicht.

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Diese neuen Zahlen teilte jetzt die Senatsinnenverwaltung für Inneres mit. Im Visier hat die Polizei bei diesen Einsätzen meist bestimmte Shishabars, Glücksspielhallen und Restaurants, in denen kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Clans verkehren.

Im vergangenen Jahr wurden 572 Clan-Objekte durchsucht

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) teilte mit, Nordrhein-Westfalen habe bei der Innenministerkonferenz einen Bericht zur Bekämpfung der Clankriminalität vorgestellt. Berlin setze das schon länger um. „Wir werden weiterhin mit hohem Kontrolldruck und der konsequenten Ahndung selbst geringer Verstöße die Bekämpfung der Clankriminalität fortführen.“

Berlin gilt ebenso wie das Ruhrgebiet und Bremen als Hotspot krimineller Aktivitäten von Clanmitgliedern. Im vergangenen Jahr gab es 178 große Kontrolleinsätze in 572 Objekten. Die Polizei beschlagnahmte 68 Waffen, 238 Kilogramm Wasserpfeifentabak, 53 Geldspielgeräte, 100.000 Euro und 55 Fahrzeuge. Vor allem ging es um Drogenhandel, Gewalttaten, Überfälle, Diebstähle, Betrug und Verkehrsdelikte.

Im Mai wurde ein Clanmitglied bei den Neuköllner Maientagen erstochen

2018 hatte der Senat einen Fünf-Punkte-Plan gegen Clankriminalität beschlossen: konsequente Verfolgung und Ahndung von Regelverstößen, die Einziehung von Vermögen, verstärkte Gewerbe- und Finanzkontrollen, die Erarbeitung eines phänomenbezogenen Präventions- und Ausstiegskonzepts sowie die ressortübergreifende Zusammenarbeit.

Wie schweigsam und abgeschottet die Szene sich gegenüber der Polizei verhält, zeigt auch der tödliche Messerangriff auf ein Clanmitglied vor einem Monat in Neukölln und die bislang vergeblich Suche nach dem Täter.

Bei den Neuköllner Maientagen wurde Mohammed R. erstochen. Die Mitglieder von zwei Großfamilien gingen hier aufeinander los. BK

Das Opfer, ein 25 Jahre alter Mehrfachtäter, war am 30. April bei einem Streit zweier Gruppen auf einem Jahrmarkt im Park Hasenheide erstochen worden. Zahlreiche Zeugen waren dabei, bisher meldete die Polizei aber keine Festnahme.

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Zu der Beerdigung im Mai kamen 1000 Männer, unter ihnen auch Mitglieder und Oberhäupter bekannter Großfamilien. Schon der Bruder des Opfers war 2018 tagsüber vor den Augen seiner Familie erschossen worden, auch hier konnte die Polizei keinen Täter verhaften.