Hans L. saß wegen gewerbsmäßiger Untreue vor Gericht und kam mit einem blauen Auge davon. Foto: Pressefoto Wagner

Er sitzt mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank und schluchzt – dabei kommt der einstige Mitarbeiter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz glimpflich davon: Der Mann musste sich am Montag wegen gewerbsmäßiger Untreue in 33 Fällen vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten, wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss der 33-Jährige 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. „Sie sind an einer Strafe ohne Bewährung ganz schön knapp vorbeigewischt“, sagt die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. 

Hans L. hatte eine wichtige Aufgabe. Seit Mai 2012 arbeitete er für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der Museen, Bibliotheken, Archive und Forschungsinstitute gehören. Zuletzt war er für die Handyverträge zuständig. Zwischen Januar 2017 und September 2019 schloss er mehr als 300 Mobilfunkverträge mit teils hochpreisigen Smartphones ab – ohne dass sein Arbeitgeber davon wusste. Die Handys nutzte er für sich, er verkaufte sie, oder verschenkte sie an Freunde, um Anerkennung zu bekommen. Selbst an jenem Tag im September 2019,  an dem er aufflog, bestellte Hans L. noch einmal 30 iPhones.

Er habe Schulden gehabt, weil er teure Klamotten gekauft, Verträge und Versicherungen nicht bezahlt habe. Dann seien seine Großmutter und der Hund gestorben. Er sei damals deprimiert und depressiv gewesen, habe dies kompensiert, indem er Geld ausgegeben habe. „Ich wollte dazugehören“, ließ Hans L. vor Gericht erklären. Und er berichtete auch, dass es ihn große Überwindung gekostet habe, die erste Tat zu begehen. 

Zunächst flog der Betrug nicht auf, denn es gab keine Kontrolle

Obwohl die Stiftung immer höhere Beträge an das Mobilfunkunternehmen zahlen musste, flog sein Betrug nicht auf. Weil es keine Kontrollen und bei den Bestellungen auch kein Vier-Augen-Prinzip gegeben habe, begründete der Justiziar der Stiftung. Erst als im Jahr 2019 schon im Mai der Topf der Stiftung für Mobilfunkkosten leer gewesen sei, sei man misstrauisch geworden und habe genauer nachgeschaut. 

Spannend dabei: Ausgerechnet der Betrug eines Dritten half bei der Aufklärung. Hans L. hatte bei der Polizei Anzeige erstattet, als seine ersten ergaunerten und über ebay-Kleinanzeigen angebotenen Handys von einem Käufer nicht bezahlt wurden. Als die Stiftung 2019 die Polizei einschaltete, nahmen sich die Ermittler auch die Anzeige von Hans L. vor. Darin standen die Seriennummern der Handys, die der Angeklagte nicht bezahlt bekommen hatte. Es waren die Nummer der Handys, die mit den betrügerischen Verträgen übereinstimmten.

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Der Angeklagte hat Glück, dass sich der Schaden von fast einer Millionen Euro halbierte, damit pro Fall unter die 50.000-Euro-Marke fiel. Die Stiftung hatte sich, nachdem der Angeklagte aufgeflogen war, mit der Telekom in Verbindung gesetzt. In einem Vergleich wurden alle von Hans L. abgeschlossenen Verträge zum 31. Dezember 2019 gekündigt. Andererseits musste die Telekom keine bis dahin von der Stiftung gezahlten Gebühren zurückzahlen. L. hat schon im Frühjahr vergangenen Jahres versucht, eine Wiedergutmachung in die Wege zu leiten, „obwohl die Summe seinen kompletten finanziellen Ruin bedeuten würde“, wie die Richterin sagt. Vor wenige Tagen unterschrieb er ein notariell beglaubigtes Schuldeingeständnis über 487.813,99 Euro. 500 Euro zahlt er nun jeden Monat dafür ab.