Der ehemalige Obergerichtsvollzieher Frank S. (re., hier neben einem Anwalt) hat zwischen Januar 2016 bis September 2018 in 107 Fällen Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet. Pressefoto Wagner

Zum Kuckuck mit der Ehrlichkeit: Als Obergerichtsvollzieher füllte Frank S. (65) eigene Konten auf, verprasste einen Teil des Geldes. Um 107 Fälle der Untreue ging es nun vor Gericht. Genau 239.330 Euro flossen laut Anklage auf Bankkonten, die von S. privat genutzt wurden. Der Schwindel begann 2016 und wurde zweieinhalb Jahre später entdeckt. Im Oktober 2018 wurde der Beamte suspendiert – bei deutlich gekürzten Bezügen.

Er jammerte nun: „Meine finanzielle Situation ist dramatisch.“ Er ist selbst ein Fall für die Vollstreckung geworden. Die Hälfte (120 000 Euro) hat er inzwischen zurückgezahlt.

Lesen Sie auch: Berlins ungewöhnlichste WG: Sie ist 101, er 28 Jahre alt. Trotz 73 Jahren Unterschied sind sie ziemlich beste Freunde >>

Für seinen Job legte er sich mächtig ins Zeug. S.: „Habe zu allem ja gesagt, was mir im Berufsleben angetragen wurde.“ Er erntete Lob und Anerkennung – „habe mich wohl gefühlt.“ Auch in ehrenamtlichen Dingen wollte er glänzen - er prüfte und unterrichtete.

Über drei Jahrzehnte war er als Gerichtsvollzieher tätig, als es Anfang 2016 bergab ging. Frank S.: „Der Knackpunkt war, als ein Kollege erkrankte, ich übernahm auch noch dessen Vertretung.“

Der Obergerichtsvollzieher sagt: „Vom Wesen her bin ich kein Betrüger, aber ich hatte den Überblick verloren.“

Frank S. zum Richter: „Vom Wesen her bin ich kein Betrüger, aber ich hatte den Überblick verloren.“ Warum das geschah? S.: „Ich habe die Überlastung ausgeblendet.“

Nach außen machte er seinen Job und trieb die Schulden für Gläubiger ein. Pfändete – sofern nichts Bares zu holen war – was sich für seine Kunden zu Geld machen ließ. Doch immer wieder leitete er Beträge, die von Schuldnern auf das Gerichtsvollzieher-Dienstkonto eingezahlt wurden, nicht ordnungsgemäß weiter.

Der untreue Obergerichtsvollzieher: „Die normalen Arbeitsschritte erledigte ich, habe aber monatelang keine richtigen Kostenrechnungen gemacht und nicht gebucht.“ Stand eine Geschäftsprüfung bevor, habe er „nächtelang bei Kerzenschein gebucht».

Allerdings 107 Mal nicht aufs richtige Konto. Der Angeklagte: „Ich habe gedacht, am nächsten Tag mache ich eine normale Kostenrechnung und schicke das Geld zurück.“ Leider habe er es dann doch nicht geschafft – „ich hatte ein völliges Überlastungssyndrom“.

Großzügig ging Bargeld an Familienmitglieder

Frank S. nun verzweifelt: „Wir haben aber kein Luxusleben geführt.“ Sein Auto habe er seit 2009. Rund die Hälfte der Schummel-Überweisungen zahlte er jeweils zeitnah zurück. Es bleiben aber 120.000 Euro, die irgendwo versandet sind – macht auf die Tatzeit gerechnet monatlich rund 3600 Euro.

Ein Ermittler fand heraus: „Es gab überhöhte Lebenskosten.“ Das Girokonto von S. sei schon mal „fünfstellig im Minus“ gewesen. Großzügig sei Bargeld an Familienmitglieder gegangen.

Aus Sicht der Staatsanwältin dachte er wohl: „Wenn ich schon so hart arbeite, dann muss auch etwas übrigbleiben.“ Der Verteidiger: „Irgendwann schafft man es nicht mehr. Er wird den Schaden voll abbezahlen.“

Urteil: Wegen Untreue zwei Jahre Haft auf Bewährung. Der Richter: „Ein Dienstvergehen von erheblichem Gewicht.“ Allerdings habe sich S. in einer schwierigen persönlichen Lage befunden. Jetzt ist er „finanziell und beruflich am Ende“. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wäre er auch seine Pension los.