Der Italiener Alessandro Zanardi, aufgenommen während der Paralympischen Spiele 2016. dpa/Büttner

Dieser Schockmoment ist auch 20 Jahre danach nicht nur bei allen Motorsport-Fans noch präsent. Alessandro Zanardi wurde am 15. September 2001 bei der Premiere der ChampCar-Serie auf dem Lausitzring schwer verletzt, als das Rennauto des Kanadiers Alex Tagliani mit 320 Stundenkilometern ungebremst in den Boliden des Italieners krachte.

Sieben Mal musste der frühere Formel 1-Pilot, der in 41 Grand Prix einen WM-Punkt holte, wiederbelebt werden - er blieb am Leben und startete eine erfolgreiche Karriere als behinderter Sportler. „Es ist bis heute ein Mysterium, wie ich an diesem Tag überleben konnte“, sagte Zanardi noch Jahren später selbst.

Heute, 20 Jahre danach, kämpft Zanardi erneut nach einem Horror-Unfall um sein Weiterleben. Am 19. Juni 2020 kollidierte der mehrmalige Paralympics-Sieger beim Radrennen „Obiettivo Tricolore“ mit einem Lastwagen, erlitt schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen.

Nach mehreren Notoperationen kam er zur weiteren Rehabilitation in ein Hospital in Venetien. „Aktuell ist Alex in einem stabilen Zustand, so dass er Trainingsprogramme sowohl für sein Gehirn als auch für seinen Körper absolvieren kann. Er kann mit uns kommunizieren, aber noch nicht wieder sprechen“, sagte seine Frau Daniela Anfang Juli diesen Jahres.

Die Horror-Bilder haben sich eingebrannt

Die Bilder von Zanardis Crash auf dem Lausitzring haben sich eingebrannt. Der damals 34 Jahre alte Rennfahrer lag in Führung und geriet nach einem Boxenstopp unkontrolliert auf die Rennstrecke. Tagliani hatte keine Chance zum Ausweichen – Zanardis Auto wurde in der Mitte geteilt.

Der Rettungshubschrauber brachte ihn in eine Unfall-Klinik nach Berlin. „Ich kam mit einem Liter Blut an“, sagte Zanardi, „die Ärzte haben ein wahres Wunder vollbracht.“ Die ARD brach die in mehreren Ländern gesendete Live-Übertragung, die vor allem die US-amerikanischen Fans dieser Langstreckenserie vier Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September auf neue Gedanken bringen sollte, sofort ab.

Acht Stunden dauert die Operation, die Zanardi seine beiden Beine kostet. Doch beim Aufwachen nach der Operation waren das die „kleinsten Probleme“ für den Rennfahrer: „Ich habe mich einfach nur gefreut, dass ich lebe.“ Seine Frau hat zu diesem Zeitpunkt bereits die Vorbereitungen für das neue Leben getroffen und mit Orthopädietechnikern über Prothesen gesprochen. „Du wirst stehen, du wirst laufen und deinen Sohn auf den Schultern tragen“, sagte Daniela Zanardi: „Vielleicht kannst du sogar wieder Auto fahren.“

Beide Beine weg, und zwei Jahre später wieder Rennfahrer

Schon sechs Wochen nach dem Unfall verließ Zanardi am 30. Oktober 2001 das Krankenhaus – zwei Jahre später saß der Rennfahrer wieder in speziell umgerüsteten Autos in verschiedenen Serien. 2016 gelang dem Italiener in einem umgerüsteten BMW M6 GT3 sogar ein Sieg beim Saisonfinale der italienischen GT-Meisterschaft.

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2001: Der Bolide von Alessandro Zanardi wird nach der Kollision mit Alex Tagliani (blau) vollkommen zerfetzt. imago sportfotodienst

Zu diesem Zeitpunkt war Zanardi bereits viermaliger Paralympics-Sieger mit dem Handbike. Mit einem eigens konstruierten Bike trat er auch im Triathlon beim legendären Iron Man auf Hawaii an. Mehr noch als die Medaillen und die Siege zählte der Wille: Der BMW-Markenbotschafter wurde mit seinem Lebensmut zum Vorbild für viele behinderte Menschen.

Trotz Behinderung fühlt sich Zanardi nicht eingeschränkt

„Ich hätte wohl ein anderes Leben gehabt, aber vielleicht nicht so ein glückliches“, sagte Zanardi auf die Frage, ob er tauschen würde, wenn er den Unfall rückgängig machen könnte: „Ich bin ein behinderter Mann, aber ich fühle mich nicht eingeschränkt, weil ich genau die Dinge machen kann, die ich möchte.“ In Italien bekam Zanardi eine eigene Fernsehshow, gründete selbst die Zanardi-Stiftung.

Im Sommer 2020 dann das zweite Unglück. Nach dem Zusammenstoß mit dem Lastwagen musste Zanardi mehrmals operiert werden und kämpfte lange um sein Leben. „Es ist eine sehr lange Reise, und derzeit können noch keine Vorhersagen getroffen werden, wann er nach Hause zurückkehren kann“, berichtete seine Frau.

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Zanardi kämpft weiter. Trotz einiger Rückschläge habe er laut Daniela noch immer viel Kraft in Armen und Händen und trainiere intensiv an den Geräten und bleibt seinem Lebensmotto treu: „So lange du Träume hast, du Dinge erledigen musst, bist du glücklich. Verwandle deine Niederlagen in deine Chancen.“