Das Skelett einer bestatteten Person vom Weinberg bei Groß Fredenwalde.
Das Skelett einer bestatteten Person vom Weinberg bei Groß Fredenwalde. dpa/Kalaene

Die ersten Knochen wurden hier schon zu DDR-Zeiten gefunden, als in den 1960er-Jahren in Groß Fredenwalde in der Uckermark ein Funkmast errichtet werden sollte. Zuerst rätselte man: Sind das Spuren eines Verbrechens, Tote aus dem Zweiten Weltkrieg? Nichts von alledem: Die Bauarbeiter waren auf das älteste Gräberfeld Deutschlands aus der Mittelsteinzeit gestoßen. Jetzt wurde das bisher letzte dort entdeckte Skelett der Öffentlichkeit präsentiert.

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Nach Verzögerungen durch die Corona-Pandemie untersuchen Experten zurzeit einen Fund von 2019 aus dem Gräberfeld auf dem Weinberg in Groß Fredenwalde in der Uckermark. „Der nun vollständig freigelegte Block zeigt eine sehr gut erhaltene Bestattung mit stark angewinkelten Beinen“, teilt das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum am Freitag in Berlin mit. Dort wird die Blockbergung zurzeit in der Hochschule für Technik und Wirtschaft untersucht.

1,50 Meter groß, Anfang 20: Die Tote war wohl eine Frau

Erste Hinweise deuten demnach darauf hin, dass die ungefähr 1,50 Meter große Person in einem jungen Alter starb, „wohl bereits mit Anfang 20“. Das Geschlecht könne noch nicht abschließend bestimmt werden, der grazile Schädel könnte auf eine Frau hinweisen. „Krankhafte Veränderungen sind bisher nicht feststellbar und die Todesursache ist bislang unklar“, heißt es. Die Beine sind angewinkelt, da die Tote wohl in hockender Haltung beerdigt wurde.

Die Wissenschaftler Andreas Kotula (von links), Thomas Terberger und Franz Schopper erklären Besonderheiten am Skelett vom Weinberg bei Groß Fredenwalde.
dpa/Kalaene
Die Wissenschaftler Andreas Kotula (von links), Thomas Terberger und Franz Schopper erklären Besonderheiten am Skelett vom Weinberg bei Groß Fredenwalde.

Weitere Analysen bei der aktuell untersuchten Person sollen demnach Hinweise auf ihr Aussehen, ihre Verwandtschaft zu anderen Funden und zu ihrer Herkunft liefern. Auch die Bestattungsweise und der Bestattungsritus sollen genauer untersucht werden. Die Knochen sind ungefähr 8000 Jahre alt. Damals lebten hier Jäger und Sammler. Erst 1000 Jahre später zogen Bauern aus Südeuropa hierher, die sesshaft wurden.

Aufmerksamkeit erlangte das Gräberfeld in der Uckermark unter anderem mit der Entdeckung einer Kinderbestattung und der Bestattung eines stehenden Mannes. „Groß Fredenwalde ist mit inzwischen zwölf Individuen nicht nur das älteste, sondern auch das größte mittelsteinzeitliche Gräberfeld Deutschlands“, teilt das Landesamt mit.

Vor 8000 Jahren lebten in der Uckermark Wildbeuter

Dadurch erhalte man die Möglichkeit, mehr über die Menschen, ihre Verwandtschaftsverhältnisse und soziale Organisation zu erfahren. „Die meisten beigesetzten Individuen gehören in die Zeit vor etwa 8000 Jahren als der Mensch noch als Wildbeuter lebte.“

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Die Ur-Uckermärkerin wurde vor 8000 Jahren in hockender Haltung beerdigt.
dpa/Kalaene
Die Ur-Uckermärkerin wurde vor 8000 Jahren in hockender Haltung beerdigt.

Fast alle Grabstellen haben eine rötliche Farbe aus einem Gestein, das damals auf den Toten verteilt wurde, gemeinsam. Archäologe Andreas Kotula erzählt, wie er kurz vor Ende des Projekt im Jahre 2019 in der Erde auf eine unscheinbare Stelle stieß. Auch diese wies eine rötliche Färbung auf. „In der Hoffnung, dass man das kurz prüft, habe ich angefangen das von oben systematisch in Schichten anzutragen. Das Erste, was dann kam, war einfach eine Kniescheibe“, erzählt er bei RBB 24. Teil des Skeletts, das jetzt präsentiert wurde.