Leere Straße, wie hier am 17.Juni in der Pandemie könnten in Zukunft stärker für Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV genutzt werden.  Imago

Die Verkehrswende kommt nicht voran, die Anzahl von Autos auf den Straßen steigt - trotz des politischen Bekenntnisses, die Innenstädte autofreier zu gestalten. Jeden Tag stehen Menschen in Berlin im Stau, Lebensqualität und Klimaschutzziele leiden.

Die Berliner Initiative Changing Cities stellt daher die Frage:  Wie erreicht man, dass sich Menschen freiwillig und dauerhaft gegen ein eigenes Auto entscheiden? Die Idee: eine Prämie.

Lesen Sie auch: Ich bin doch nur gehörlos, nicht krank

„Changing Cities und das ium-Institut für urbane Mobilität greifen mit der Idee einer Freie-Straßen-Prämie auf ein bewährtes Instrument zurück: die Konsumprämie“, schreibt die Initiative auf ihrer Webseite.  Die Prämie soll eine Belohnung für alle sein, die aktiv und dauerhaft zu freien Straßen beitragen. Wer also kein Auto hat, und lieber zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bahn und Bus unterwegs ist, oder Carsharing-Angebote nutzt, soll im Jahr 1100 Euro erhalten. So viel wie ein Jahresabo der BVG etwa kostet.

Finanzielle Anreize für umweltfreundliche Mobilität 

Neben einer räumlichen Umverteilung des Straßenlandes zugunsten von Fußgängern und Radfahrer soll die finanzielle Umverteilung weitere Anreize für umweltfreundliches Mobilität schaffen.

Die Initiative hat ausgerechnet, dass in Berlin im Jahr mit der Prämie 60.000 Privatautos von den Straßen verschwinden könnten. Kosten für die Prämie: eine Million Euro, die aus den Einnahmen des CO2-Preises kommen könnte.

„Den Menschen wird damit Lebensraum vor der Haustür zurückgegeben, das ist ein echter Mehrwert“, sagt Stadtplaner und Mitinitiator Tim Lehmann in der ZEIT.  Laut Umweltbundesamt ist für die Stadt von morgen eine Pkw-Dichte von 150 zugelassenen Autos pro 1.000 Einwohner das Ziel Im Moment sind es bundesweit mit 580 Autos pro 1.000 Einwohner fast viermal so viel.

1,2 Millionen Autos sind in Berlin gemeldet

In Berlin sind derzeit etwa 1,2 Millionen Kraftfahrzeuge gemeldet.  Verkehrsforscher Andreas Knie geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Halter auf ihren Wagen im Alltag verzichten kann. Ein finanzieller Anreiz bringe viele Menschen überhaupt erst dazu, ihren Autobesitz zu überdenken, so Knie in der ZEIT. Und weiter: „Wer vom Auto kommt, ist einen anderen Service gewohnt", sagt der Verkehrsforscher. Um den zu ersetzen, müsse der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) deutlich besser werden.

Dazu gehöre eine Rundumversorgung von Tür zu Tür. Punktuelle Ride-Sharing-Angebote wie der Berlkönig, Clever Shuttle oder Moia reichten nicht aus. Die Städte müssten größer denken. „Mobilität muss leicht sein, unkompliziert und intuitiv nutzbar“, sagt Knie. Solange der Blick auf den Fahrplan notwendig sei, sei der Wechsel vom eigenen Wagen zum ÖPNV für viele Menschen undenkbar.

Privilegien für Autofahrer abschaffen 

Auch die Vergünstigungen für den Autoverkehr müssten zurück gefahren werden, um den Nahverkehr konkurrenzfähig zu machen. Dazu gehörten die Pendlerpauschale, das Dieselprivileg und die günstige Besteuerung von Dienstwagen.