Der tägliche Baustellen-Stau in der Straße Unter den Linden Imago/Sabine Gudath

Berlin, du kannst so nervig sein. Immer öfter hat man das Gefühl, dass die Aggressionen, die sich im Internet breitmachen, in den Alltag rüberschwappen. Aggressions-Schwerpunkt: der Straßenverkehr. Radfahrer gegen Autofahrer, Fußgänger gegen Radfahrer, Autofahrer gegen E-Roller-Fahrer. Jeder gegen jeden. Keiner gibt nach. Zehn Dinge, die am Berliner Verkehr besonders nerven.

1. Baustellen-Marathon: Klar ist, viele Berliner Straßen und Brücken sind marode, es muss was getan werden. Aber immer öfter passiert es, dass in einer Ecke mehrere Baustellen gleichzeitig aus dem Boden sprießen. Beispiel Innenstadt Ost:  Unter den Linden – Baustelle, Spandauer Straße – Baustelle, Grunerstraße – Baustelle.  Beispiel Ausfallstraße Ost: Landsberger Allee – Baustelle. Frankfurter Allee – Baustelle. In der Frankfurter Allee kommt es selbst am Wochenende zu kilometerlangen Staus, weil sich die Straße in Höhe Ringcenter auf eine Spur verengt. Oft hat man das Gefühl, dass es in der Verkehrsverwaltung null Absprachen gibt. Oder noch schlimmer: Dass die Baustellen mit Absicht so konzertiert angelegt werden, um Autofahrern das Autofahren zu verleiden. Oder Baustellen werden ewig nicht fertig, wie an der Kreuzung Greifswalder Allee/Danziger Straße.  

2. Verkehrsunabhängige Baustellen kurz vor Kreuzungen: Neuerdings schießen auch immer mehr Baustellen aus dem Boden, die eigentlich nichts mit dem Verkehr zu tun haben. Da wird eine Fahrbahn gesperrt, um Baucontainer für eine Haussanierung abstellen zu können. Gerne vor Kreuzungen, um den Verkehr vollends zum Erliegen zu bringen. Beispiel Schönhauser Allee, Ecke Torstraße. Da geht oft im Berufsverkehr gar nichts mehr.

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Zu schnell unterwegs gewesen: Ein Carsharing-Auto in der Grünberger Straße in Friedrichshain Pudwell

Und der, der dann die leere Spur benutzt, wird vorne mit stumpfem Blick blockiert

3. Der Berliner versteht das Reißverschlussprinzip nicht: Dass man vor einer Baustelle, die die Straße auf eine Spur verengt, vorher beide Spuren benutzt, um sich dann gegenseitig reinzulassen, geht anscheinend nicht in die Köpfe. Lieber wird die eine Spur bis zur nächsten Ampel zugestaut. Und der, der dann die leere Spur benutzt, wird vorne mit stumpfem Blick blockiert. 

4. Grüne Welle funktioniert nicht: Die Stadt bekommt es nicht hin, die Ampeln vernünftig zu koordinieren. Beispiel Danziger Straße, vom Bersarin-Platz Richtung Prenzlauer Berg. Anfahren, beschleunigen, ein paar Meter fahren, wieder abbremsen, warten. Das geht über vier, fünf Ampeln so. Nicht gut für die Umwelt, nicht gut für die Nerven der Autofahrer - und manch einer versucht dann, mit Vollgas und viel zu schnell, doch noch die nächste Grünphase zu erreichen. Dabei wäre die Grüne Welle so ein einfaches Mittel, um Raser zu disziplinieren. Wenn du weißt, dass du nur 50 oder meinetwegen 45 km/h fahren darfst, um zügig durchzurollen, fährst du auch nicht schneller.  

5. Veraltete Ampelsysteme: Andere Länder, andere Städte zeigen, wie man Wartestress und Zeitdruck an Ampeln minimiert. Mit Ampeln, die anzeigen, wie lange sie noch auf Rot oder Grün stehen.  In den USA ist das ganz normal, in Dresden wurde im Januar die erste Zeitampel in Betrieb genommen. Neulich in Brandenburg: Eine Baustellenampel war mit einer Zeitanzeige kombiniert. Man wartet wesentlich entspannter auf Grün.

6. Der Berliner Autofahrer kann Regenwetter nicht: Sobald die ersten Tropfen fallen, verdoppelt sich gefühlt die Fahrzeit. Vor allem beim Anfahren an Kreuzungen trauen sich viele anscheinend nicht mehr, das Gaspedal zu benutzen.

Bei vielen Carsharing-Nutzern kommt eine gefährliche Kombination zusammen

7. Die Carsharing-Idioten: Bei vielen Nutzern kommt eine gefährliche Kombination zusammen. Der Sonntagsfahrer (also der Gelegenheitsfahrer) trifft auf Zeitdruck, da man bei den meisten Anbietern ja nicht für die gefahrene Strecke, sondern die abgefahrene Zeit bezahlt. Also rasen nicht wenige Nutzer, die das Auto kaum beherrschen, im Zickzack und viel zu schnell an anderen Verkehrsteilnehmern vorbei. Unfallbilder sieht man oft genug. 

8. Die Motorrad- und Rollerdurchdrängler: Dass man sich an Ampeln als Biker ungern hinten anstellt und versucht Lücken zu nutzen, kann man ja verstehen. Aber oft ist der Platz viel zu eng: Wenn man bei Grün anfährt und gleichzeitig ein Bike neben sich auftaucht, ist die Kollisionsgefahr groß.

9. Der gemeine Fahrradrambo:  Eigentlich ein Kapitel für sich. Bei Rot über die Ampel, im Dunklen mit dunkler Kleidung, auf dunklem Rad ohne Licht unterwegs. In Prenzlauer Berg käme ein Knöllchenschreiber gar nicht mehr aus dem Arbeiten heraus – aber es gibt keinen, der diese Verstöße ahndet. Neulich in der Lychener Straße gesehen: Ein Radfahrer fährt auf dem Gehweg und klingelt die vor ihm laufende Oma an, weil sie nicht schnell genug aus dem Weg geht.

Gerne zu zweit und auf dem Bürgersteig unterwegs: E-Roller-Fahrer in Berlin dpa

10. Die E-Roller-Chaoten: Die meisten Nutzer scheinen nicht einmal zu wissen, dass auch für die schnellen Roller Verkehrsregeln gelten. Gerne zu schnell, gerne über den Gehweg. Neulich in der Stargarder Straße gesehen: Ein Pärchen zu zweit auf einem E-Roller (verboten), sie schreibt hinten SMS, er heizt mit Vollspeed über die Straße, von rechts kommt ein Auto (hat also Vorfahrt), er bremst nicht, sondern schreit nur den Autofahrer an, der losfahren will – und rast weiter.